Alena Wagnerová im Gespräch mit René Böll: Heinrich Böll und der Prager Frühling

Mittwoch, 12.09.2018
19:30 Uhr
Buchhandlung St. Johann
Kronenstraße 6
66111 Saarbrücken

»Die Dummheit des Arguments Panzer und Waffen war so niederschmetternd ?« Heinrich Böll und der Prager Frühling.

Am 20. August 1968 reiste Heinrich Böll auf Einladung des tschechoslowakischen Schriftstellerverbands nach Prag. Zeit für die offiziell geplanten Gespräche blieb ihm nicht, denn kurz darauf rückten die Truppen des Warschauer Paktes ein, und die Besatzung begann.

Vier Tage verbrachte Böll gemeinsam mit seiner Frau Annemarie und seinem Sohn René in der Stadt, in der die Träume von einem »Sozialismus mit menschlichem Antlitz« brutal zerschlagen wurden. Der Widerstand der Prager durch alle Bevölkerungsschichten hindurch beeindruckte ihn zutiefst. Böll tat das ihm Mögliche, seine Solidarität auszudrücken, sprach im Radio, schilderte für lokale Zeitungen seine Beobachtungen der Ereignisse. Als er wieder abreiste, versprach er den tschechischen Schriftstellerkollegen, so viel und oft wie möglich über das, was er gesehen hatte, zu berichten und darüber zu schreiben. Böll hielt Wort. Die Ergebnisse seines Engagements versammelt erstmals dieses Buch.

Neben den seinerzeit abgedruckten oder gesendeten Interviews und essayistischen Stellungnahmen umfasst der Band umfangreiche bislang unveröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Notizen des Autors. Erweitert wird das Material durch Fotografien René Bölls sowie Erinnerungsstücke aus den bewegten Prager Tagen.

Alena Wagnerová, geboren 1936 in Brno (Tschechoslowakei), ist Publizistin, Soziologin und Autorin. Seit 1969 lebt sie in Saarbrücken und Prag und arbeitet als Schriftstellerin, Übersetzerin und Herausgeber. Sie war Vorstandsmitglied der Heinrich-Böll-Stiftung und des Frauenrates und ist in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Mitglied der Sektion für Frauenforschung. Außerdem ist sie Mitglied des Oral History-Centrums Saarbrücken-Praha und der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland. Sie ist Vorstandsmitglied der Heinrich Böll Stiftung Saar.

René Böll wurde 1948 als dritter Sohn von Heinrich Böll in Köln geboren und studierte Malerei und Druckgrafik in Köln und Wien.  Als freier Maler stellt er seine Werke in einer Vielzahl von Ausstellungen weltweit aus. Er ist Nachlassverwalter Heinrich Bölls und gehörte zu den Mitbegründern der Heinrich Böll Stiftung.