Erich Später „Villa Waigner. Hanns-Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag 1939–45“ – aus der Reihe „40 Jahre Deutscher Herbst – ein Beitrag zur kritischen Aufarbeitung!“

Donnerstag, 21.09.2017

19.00 Uhr Filmhaus, Schauplatz

Mainzer Straße 8, Saarbrücken

Erich Später

Hanns-Martin Schleyer und die deutsche Vernichtungselite in Prag

Veranstalterinnen: Antifa Saar / Projekt AK; CriThink! e.V., Heinrich-Böll-Stiftung Saar

Zum Flyer hier

Mit der Besetzung Prags begann am 15. März 1939 eine sechsjährige deutsche Terrorherrschaft über das „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“. Es wurde dem deutschen Herrschaftsbereich eingegliedert, von deutschen Konzernen und Banken ausgeplündert, das Eigentum seiner 80.000 jüdischen Bürger an deutsche Banken, Konzerne, Gemeinden, Wohlfahrtsverbände und Zehntausende Volksgenossen verteilt. Erich Später schildert in seinem Buch den Prozess der Entrechtung, Enteignung, Deportation und Ermordung der tschechischen Juden. Beispielhaft rekonstruiert er die Enteignung und Ermordung des jüdischen Ehepaares Waigner, dessen Prager Villa ein begehrtes Objekt der Begierde hoher Nazi-Funktionäre wurde. Den Zuschlag für die „Judenvilla“ erhielt schließlich der SS-Offizier Hanns Martin Schleyer. Die Geschichte der Villa Waigner und hier erstmals publizierte Dokumente über das Schicksal der jüdischen Besitzer sowie über die Nazikarriere der Bewohner ihrer arisierten Villa machen die Erkenntnis unausweichlich: Ohne Männer wie Hanns-Martin Schleyer wäre weder der Vernichtungskrieg im Osten noch der Holocaust möglich gewesen.

Erich Später

(* 1959) Historiker und Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung Saar. Er publiziert regelmäßig in der Monatszeitschrift konkret und in der halbjährlich erscheinenden Kulturzeitschrift Saarbrücker Hefte, schwerpunktmäßig zu den Themen Massenverbrechen der Deutschen vor und während des Zweiten Weltkriegs, zu den sogenannten „Vertriebenenverbänden“ sowie zur saarländischen Regionalgeschichte.

Veranstaltungsreihe

40 Jahre Deutscher Herbst – ein Beitrag zur kritischen Aufarbeitung!

Im kommenden September und Oktober jährt sich der sogenannte „Deutsche Herbst“ zum 40. Mal. Dies nehmen wir zum Anlass, um einen kritischen Blick auf seine Aufarbeitung innerhalb der Linken und innerhalb der Mehrheitsgesellschaft zu werfen.

Im September und Oktober 1977 führten die Rote Armee Fraktion (RAF) und ihre Unterstützer eine ganze Reihe spektakulärer Aktionen durch, von denen insbesondere die Entführung und Ermordung Hanns-Martin Schleyers, die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut und der Tod ihrer inhaftierten führenden Mitglieder in ihren Gefängniszellen in Erinnerung geblieben sein dürften.

Dieser Zeitraum und die politische Atmosphäre in der Bundesrepublik Deutschland im September und Oktober 1977 sind als „Deutscher Herbst“ in die Geschichtsbücher eingegangen.

Bis heute wird die RAF – nicht nur – in linken Kreisen als Widerstandsgruppe verehrt.

Eine kritische Betrachtung findet meist nicht statt. Auch die Wende von führenden RAF-Protagonisten, wie beispielsweise Horst Mahler hin zur extremen Rechten scheint nicht zum Nachdenken anzuregen. Aber sind solche Wendungen tatsächlich so überraschend oder hat es nicht sogar mit dem Hass auf Israel und Jüdinnen und Juden in der ganzen Welt  bereits von Anfang an gemeinsame Grundlagen antisemitischer Prägung zwischen den Vernichtungseliten der Jahre 1933 bis 1945, der RAF sowie ihren nationalen und internationalen Kooperationspartnern gegeben? Diesen Fragen möchten wir mit einer Veranstaltungsreihe nachgehen.

In der ersten Veranstaltung werden wir uns mit dem Wirken von Hanns-Martin Schleyer im besetzten Prag und seiner Rolle im Vernichtungsapparat des deutschen Nationalsozialismus auseinandersetzen. In zwei weiteren Veranstaltungen wird es dann vor allem um die Linke gehen und die Frage wie die antisemitische Dimension in den Kooperationen von RAF, RZ und anderen sich darstellte und Wirkmächtigkeit entfalten konnte.