Filmvorführung: Eingebrannt – Frauen auf Kreta 1941-1945

Dienstag, 15. 10. 2019 / 19.30 Uhr
Filmhaus / Mainzerstr. 8 / Saarbrücken

Eine kunstdokumentarische Reise durch die Geschichte kretischer Frauen und ihrer Lebensrealitäten während der deutschen Besatzung auf Kreta von 1941-1945

Dass Frauen ihren Platz in der Geschichte einnehmen ist lange überfällig und dennoch wird die Geschichtsschreibung auch heute noch von Männern dominiert. Aus diesem Grund lassen wir in diesem Dokumentarfilm ausschließlich Frauen über ihren Widerstand und ihren Kampf gegen die deutsche Besatzung erzählen. Diese Erzählungen sind in keinem Geschichtsbuch zu finden und wären mit dem Tod dieser Frauen für immer verlorengegangen.
Zweiundzwanzig Kreterinnen sprechen über ihren Widerstand, ihre Solidarität, über starke Frauen, über Ängste und Hoffnungen, ihren Überlebenskampf und den Umgang mit den Besatzern: Eine Mutter wird am lebendigen Leibe verbrannt dafür, dass sie ihre Töchter beschützte, junge Mädchen sabotieren einen deutschen Transport russischer Kriegsgefangenen und es galt „sich zu verstecken und nicht zur Schule zu gehen.“ Die Beteiligung am Widerstand gegen die Besatzer war für die meisten dieser Frauen selbstverständlich. Ohne Angst vor ihren eigenen Emotionen durchleben sie mit ihrer eigenen Stimme ihre Vergangenheit; traurig, wütend, stolz. Aber auch lachend wird sich zum Beispiel an die Kommentare der Mutter erinnert, die ihren Kindern nur Wildkräuter zum Essen  vorzusetzen hatte.
Die innere Resonanz der Erzählungen wird von Puppen gespiegelt, die den Frauen ähnlich sind. Die fein ausgearbeiteten Gesichter der Figuren geben im Film den Frauen und den von Gräsern überwucherten Steinen ihre lebendige Geschichte zurück. Verletzt liegen sie auf dem Boden, ihre weit geöffneten Augen werden von der Kamera behutsam fokussiert und erzeugen ganz ohne Worte eine nachwirkende Präsenz.
Der Dokumentarfilm zeigt wie die Auswirkungen dieser Erlebnisse auf das Leben der Frauen auch heute immer noch deutlich sichtbar und gegenwärtig sind. Das Porträt ihrer lebendigen Erinnerung ist eine Reise durch ihre Geschichte und über die rauen Berge und Küsten Kretas. Es zeichnet ein anderes Bild der Insel, welche meist als Urlaubsparadies, vor allem nordeuropäischer Touristen, bekannt ist.

Ein Film von Barbara Englert und Leonie Englert. Gedreht wurde der Film in Kooperation mit dem Filmkollektiv Obscura Lab und der  Puppentheatergruppe Firdin Migdin aus Rethymno. Laufzeit 117 Minuten, Griechisch mit deutschen Untertiteln.

Pressestimmen:
Mit den Puppenspielerinnen Zoi Vlassi und Evi Kambouraki und der Puppenbauerin Natassa Tapaki haben die Englerts zu den schlichten Aufnahmen Kretas und der erzählenden Frauen zwischen 80 und 100 {…} eine erweiternde Spielwelt im Film geschaffen. Die großäugigen  Stabmarionetten liegen zerschmettert unter Trümmern, als Vergewaltigte mit verdrehten Gliedmaßen in den kretischen Bergwiesen {…} Historische Fotos könnten eine solche Intensität kaum erreichen, wie es die Puppen tun, ohne kitschig zu werden.“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung am 19.Januar 2018)
„Wie eng vergangene Gräuel zur Gegenwart gehören, haben die Regisseurinnen Barbara und Leonie Englert eindrucksvoll in einer dokumentarischen Installation zur Geschichte Kretas sichtbar gemacht {…} Der Blick auf Athen, die Hafenstadt Chania und das Meer wecken letzte  Urlaubserinnerungen. Idyllisch still wirken die eingeblendeten Dorfstraßen und weiten Olivenhaine. Wie ist es vorstellbar, dass an diesen Orten, wo heute deutsche Urlauber zu Tausenden willkommen
geheißen werden, vor sieben Jahrzehnten 20 000 deutsche Fallschirmjäger gelandet sind und das  Leben der Dorfbewohner in eine Hölle verwandelt haben?“ (Frankfurter Rundschau am 18.Januar 2018)
„Kein Laut war zu hören, wenn die beinahe 100 Jahre alten Zeitzeuginnen von dem Beginn der Tyrannei erzählten, wie die ,Deutschen Fallschirmspringer wie Regen aus den Flugzeugen fielen‘ oder wie deutlich gemacht wird, dass ,die Deutschen kein menschliches Blut in sich hatten.‘“ (Frankfurt Journal am 18. Januar 2018)
„In einer gemeinsamen kretisch-deutschen Anstrengung ist so eine leise erzählte, streng  komponierte, mit ihren ruhigen Bildern zuweilen an eine klassische Tragödie erinnernde Collage entstanden. Eine Filminstallation, die die Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht. Wer sie gesehen hat, wird das Unerzählbare verstehen und nie vergessen, was auf Kreta 1941-1945 unter deutscher Besatzung geschehen ist. Er wird die stolzen, kämpferischen Frauen nicht vergessen, die den Nazis die Stirn geboten haben.“ (Sozialismus Heft 2 2018 Elisabeth Abendroth)

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Griechenlandsolidarität Saarbrücken, der Rosa Luxemburg-Stiftung und dem Verein für Frauenbildung und Frauenkultur

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