Vortrag – Dr. Martin Jander „Deutscher Herbst“: Terrorismus und Antisemitismus – aus der Reihe „40 Jahre Deutscher Herbst – ein Beitrag zur kritischen Aufarbeitung!“

Donnerstag, 28.09.

19.00 Uhr Filmhaus, Schauplatz

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In der Bundesrepublik Deutschland ist bis heute der Terror von RAF, Bewegung 2. Juni und Revolutionären Zellen nicht wirklich gut begriffen. Die öffentliche Auseinandersetzung zum 40. Jahrestag des „Deutschen Herbstes“ wird dies erneut demonstrieren. Die angeblich blinden Flecken der RAF-Aufarbeitung – Mord oder Selbstmord in Stammheim, Anwälte als Helfer der Terroristen, die Stasi als Helfer des Terrors u. a. m. – sind so gut wie abschließend geklärt. Dass sich der linke Terror nicht nur gegen die Bundesrepublik Deutschland, sondern wesentlich gegen Israel und die USA wendete, wird in den meisten Analysen aber nur stiefmütterlich behandelt. Der Historiker und Journalist Martin Jander skizziert in seinem Vortrag eine kurze Geschichte des deutschen Linksterrorismus, seiner wesentlichen Ziele und der Mängel der bisherigen Geschichtsschreibung. Die gravierenden blinden Flecken in der Aufarbeitung der Geschichte von RAF und Co. bilden ihre Beteiligung am Krieg von PLO/PFLP zur Vernichtung Israels, sowie ihr Antizionismus und Antisemitismus. Israelhass und Antisemitismus reichten schon damals (wie heute) weit über das links-terroristische Milieu hinaus.

Martin Jander Jahrgang 1955, 1974-1984 Studium der Germanistik, Geschichtswissenschaften, Soziologie und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin, 1995 Promotion, 1984-1986 Dozent für Gesellschaftspolitik und Geschichte der Gewerkschaftsbewegung an der DGB-Bundesschule in Hattingen, seit 1987 auch regelmäßige Mitarbeit in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, 1989-1990 Gewerkschaftssekretär in der Abteilung Bildung beim ÖTV-Hauptvorstand, 1990-1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Gewerkschaftsforschung des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung an der FU Berlin, 1995-2000 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin, seit 2001 Aufsätze für verschiedene Lexika zur DDR-Opposition, freier Publizist und Autor.
Bücher im Ch. Links Verlag: »Berlin (DDR). Ein politischer Stadtspaziergang«, 2003.

Veranstaltungsreihe

40 Jahre Deutscher Herbst – ein Beitrag zur kritischen Aufarbeitung!

Im kommenden September und Oktober jährt sich der sogenannte „Deutsche Herbst“ zum 40. Mal. Dies nehmen wir zum Anlass, um einen kritischen Blick auf seine Aufarbeitung innerhalb der Linken und innerhalb der Mehrheitsgesellschaft zu werfen.

Im September und Oktober 1977 führten die Rote Armee Fraktion (RAF) und ihre Unterstützer eine ganze Reihe spektakulärer Aktionen durch, von denen insbesondere die Entführung und Ermordung Hanns-Martin Schleyers, die Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut und der Tod ihrer inhaftierten führenden Mitglieder in ihren Gefängniszellen in Erinnerung geblieben sein dürften.

Dieser Zeitraum und die politische Atmosphäre in der Bundesrepublik Deutschland im September und Oktober 1977 sind als „Deutscher Herbst“ in die Geschichtsbücher eingegangen.

Bis heute wird die RAF – nicht nur – in linken Kreisen als Widerstandsgruppe verehrt.

Eine kritische Betrachtung findet meist nicht statt. Auch die Wende von führenden RAF-Protagonisten, wie beispielsweise Horst Mahler hin zur extremen Rechten scheint nicht zum Nachdenken anzuregen. Aber sind solche Wendungen tatsächlich so überraschend oder hat es nicht sogar mit dem Hass auf Israel und Jüdinnen und Juden in der ganzen Welt  bereits von Anfang an gemeinsame Grundlagen antisemitischer Prägung zwischen den Vernichtungseliten der Jahre 1933 bis 1945, der RAF sowie ihren nationalen und internationalen Kooperationspartnern gegeben? Diesen Fragen möchten wir mit einer Veranstaltungsreihe nachgehen.

In der ersten Veranstaltung werden wir uns mit dem Wirken von Hanns-Martin Schleyer im besetzten Prag und seiner Rolle im Vernichtungsapparat des deutschen Nationalsozialismus auseinandersetzen. In zwei weiteren Veranstaltungen wird es dann vor allem um die Linke gehen und die Frage wie die antisemitische Dimension in den Kooperationen von RAF, RZ und anderen sich darstellte und Wirkmächtigkeit entfalten konnte.