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Vortrag und Diskussion mit Koschka Linkerhand (Leipzig) – „Nestbeschmutzerinnen – Thesen zu einer feministischen Islamkritik“

Freitag, 27. April

19.30 Uhr

N.N. Nauwieser Neunzehn
Nauswieserstraße 19
66111 Saarbrücken

– Eintritt frei –

Eine Veranstaltung in Kooperation mit FINIT – Freiraum-Initiative Saarbrücken.

Die feministische Kritik an Islam und Islamismus bewegt sich in einem hochexplosiven Spannungsfeld: Einer sich barbarisierenden deutschen Gesellschaft, deren Rassismus sich deutlich auf MuslimInnen fokussiert, steht eine breit aufgestellte Linke gegenüber, die Rassismus kritisiert, aber die frauenfeindlichen Missstände in muslimischen Ländern und Communitys nicht wahrhaben will und mit Sprechverboten und bedingungsloser Solidarität für die Unterdrückten operiert, gleich welchen Geistes Kind sie sind.

Aus materialistisch-feministischer Perspektive ist die antideutsche Kritik am Islam ebenso mangelhaft wie die queerfeministische. Die eine missachtet, dass mit den Kategorien der klassisch-aufklärerischen Kritik das Patriarchat nicht zu fassen ist; die andere verabsolutiert die Politik der Identität auf eine Weise, dass kein Raum für objektive Bestimmungen von Islam und Frausein im Islam bleibt. Im Vortrag möchte ich Thesen eines materialistischen Feminismus formulieren, der davon ausgeht, dass Feminismus wesentlich Identitätspolitik von Frauen ist, von dieser Warte aber auf eine universalistische Gesellschaftskritik abzielen muss, deren Gegenstand die patriarchale Gesellschaft in ihren muslimischen wie in ihren westlichen Ausprägungen ist.“

Ausführlicher Artikel „Nestbeschmutzerinnen. Zum Stand der feministischen Islamkritik“ hier.

Koschka Linkerhand lebt wieder in Leipzig und ringt um einen materialistischen Feminismus in Theorie, pädagogischer Praxis und schöner Literatur.

Lesung – Marion Poschmann „Kieferninseln“ – Aus der Reihe „Böll & Hofstätter“

Donnerstag, 24. Mai 2018

20:00 Uhr

 

Filmhaus Saarbrücken

Mainzerstraße 8

66111 Saarbrücken

– Eintritt 7 EUR (ermäßigt 5 EUR) –

Kartenreservierung Tel. 0681 / 95 80 54 64 oder ludwig-hofstaetter@t-online.de

»Salzpflaume. Thunfisch. Irgendein goldener Pilz. Rindfleisch. Spinat. Hatte Yosa nicht begriffen, daß sie sich auf eine Fahrt voller Mühsal und Einschränkungen begaben?«

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Bashō in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide.

Die Kieferninseln ist ein Roman von meisterhafter Leichtigkeit: tiefgründig, humorvoll, spannend, zu Herzen gehend. Im Teeland Japan mischen sich Licht und Schatten, das Freudianische Über-Ich und die dunklen Götter des Shintōismus. Und die alte Frage wird neu gestellt: Ist das Leben am Ende ein Traum?

Marion Poschmann, 1969 in Essen geboren, studierte Germanistik und Slawistik und lebt heute in Berlin. Für ihre Prosa und Lyrik wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie den Peter-Huchel- Preis und den Ernst-Meister-Preis für Lyrik; ihr Roman Die Sonnenposition stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und gewann den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2013.

Vortrag – Dr. Sebastian Voigt (Institut für Zeitgeschichte) „Der jüdische Mai ’68 Pierre. Goldman, Daniel Cohn-Bendit und André Glucksmann im Nachkriegsfrankreich“

Mittwoch, 30. Mai 2018

18 Uhr

Politische Akademie der Stiftung Demokratie Saarland
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Drei jüdische Aktivisten spielten im Umfeld des Pariser Mai eine wichtige Rolle: Daniel Cohn-Bendit, der als Person das Ereignis symbolisiert, Pierre Goldman, der bis zu seiner Ermordung im Jahr 1979 die Ikone der radikalen Linken war, und André Glucksmann, vormals der maoistischen Strömung zugeneigt, der Mitte der 1970er Jahre die antitotalitäre Denkrichtung der »Neuen Philosophen« mitbegründete. Sebastian Voigt zeichnet die Lebenswege dieser drei Protagonisten der radikalen Linken im Nachkriegsfrankreich nach und rückt ihre politischen Biografien in einen gedächtnisgeschichtlichen Zusammenhang. Hierzu öffnet er den Blick zurück auf die Elterngeneration und nimmt deren in der Zwischenkriegszeit liegende Erfahrungsgeschichte in den Fokus. Eine solche Rückschau in die Vorgeschichte führt von Frankreich aus in die Lebenswelten der als Immigranten und Flüchtlinge aus Deutschland, Polen und dem Habsburgerreich kommenden Juden. Kommunismus, Zionismus und antifaschistisches Engagement der Elterngeneration bilden dabei ebenso wie der bewaffnete Widerstand gegen die deutsche Besatzung die gedächtnispolitische Folie, vor der die Ereignisse des Mai ’68 in neuem Licht erscheinen.

Dr. Sebastian Voigt ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte in München.

Mehr Infos zu Vita und Publikationen von Dr. Sebastian Voigt hier

Eine Kooperation mit der Stiftung Demokratie Saarland.