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Lothar Galow-Bergemann: Digitalisierung der Arbeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum

Mittwoch, 6. Februar 2019 / 19:30 Uhr
Buchhandlung St. Johann / Kronenstraße 6 / Saarbrücken

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Stichworte wie „Industrie 4.0“ und „Digitalisierung der Arbeit“ stehen für eine Dynamik der Produktivkraftentwicklung, die unsere Gesellschaft in den kommenden beiden Jahrzehnten enorm verändern wird. Wir werden mit weniger Arbeit denn je immer größere Mengen stofflichen Reichtums schaffen können. Macht das noch mehr Menschen systemlogisch „überflüssig“, so drohen riesige soziale Verwerfungen. Doch es bieten sich auch ungeahnte Chancen. Die öffentliche Debatte – auch die linke – wird allerdings weder der Dimension des Problems noch den neuen Möglichkeiten gerecht. Es gibt keinerlei Konzeption für den zu erwartenden Rückgang an Arbeit und Arbeitsplätzen. Noch nicht einmal bei den Gewerkschaften. Lieber macht man sich vor, dass es „so schlimm schon nicht kommen wird“ und „wir in Deutschland“ schon noch genügend Arbeitsplätze behalten werden. Doch die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass die Tage des Exportweltmeisters schon bald gezählt sein könnten. Die Welt, wie wir sie kennen, verändert sich rasend schnell, alte Antworten und Rezepte taugen nichts mehr. Das Modell „Lebensunterhalt durch Erwerbsarbeit“ gerät weltweit in die Krise und diese Entwicklung macht auch um Europa keinen Bogen. Neue Wege sind angesagt. Massive Arbeitszeitverkürzungen könnten den Zugang zu einer neuen Antwort auf eine alte Frage ermöglichen: Was heißt Teilhabe am gesellschaftlichen Reichtum? Millionen Menschen wissen, wie man umweltverträglich produziert, menschenfreundlich pflegt und vernünftig verwaltet. Sie sind auch wenn ihnen das oft gar nicht bewusst ist – ExpertInnen für den stofflichen Reichtum der Gesellschaft und Fachleute für den sozial-ökologischen Umbau. Ein Riesenpotential, das sie in die Waagschale der gesellschaftlichen Auseinandersetzung werfen könnten. Aber nur dann, wenn sie nicht mehr wie das Kaninchen auf die Schlange starren, sondern aus dem Gedankengefängnis der herrschenden abstrakten Reichtumsproduktion, sprich des Kapitalismus, ausbrechen.

Lothar Galow-Bergemann, ehemaliger Personalrat im Klinikum Stuttgart, schreibt u.a. für konkret, Jungle World und www.emafrie.de

Der Eintritt ist frei.

Eine  Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung Saar in Zusammenarbeit mit:
CriThink! e.V. – Gesellschaft zur Förderung des kritischen Denkens und Handelns; Antifa Saar / Projekt AK; ConnAct Saar.

Stefan Dietl: Prekäre Arbeitswelten – Von digitalen Tagelöhnern bis zur Generation Praktikum

Dienstag, 12. Februar 2019 / 19:30 Uhr
Buchhandlung St. Johann / Kronenstraße 6 / Saarbrücken

Wie soziale Unsicherheit produziert wird:

Buchvorstellung und Diskussion mit Stefan Dietl, Autor des Buches „Prekäre Arbeitswelten – Von digitalen Tagelöhner bis zur Generation Praktikum“ (Unrast Verlag 2018).

Leiharbeit, Werkverträge, Minijobs, Befristungen – fast 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland arbeiten inzwischen in diesen oder anderen prekären Arbeitsverhältnissen. Für die Betroffenen heißt das häufig niedrige Löhne, geringe soziale Absicherung und ständige Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Seit die Agenda 2010 die Grundlage für den anhaltenden Boom prekärer Beschäftigung legte, stieg jedoch nicht nur die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer kontinuierlich an, es entstanden auch immer neue Formen der Prekarität. Gerade durch die technischen Neuerungen der Internetökonomie ergeben sich für Unternehmen neue Möglichkeiten des Lohndumpings und der Umgehung gesetzlicher und tariflicher Rahmenbedingungen.

In seinem Vortrag widmet sich Stefan Dietl daher insbesondere prekären Beschäftigungsformen im digitalen Zeitalter wie dem »crowdworking« oder der »Gig-Work«. Er nimmt jedoch auch anderen bisher wenig beachtete atypische Beschäftigungsverhältnisse wie der Arbeit auf Abruf oder der Ausbeutung von Wanderarbeiter*innen unter die Lupe und gibt einen Einblick in die aktuellsten Entwicklungen der bereits seit Längerem in Deutschland etablierten Formen prekärer Arbeit wie der Leiharbeit, Minijobs, Befristungen oder Praktika und beschreibt deren Ausweitung auf immer mehr Arbeitsbereiche.

Der Eintritt ist frei.

Eine  Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung Saar in Zusammenarbeit mit:
CriThink! e.V. – Gesellschaft zur Förderung des kritischen Denkens und Handelns; Antifa Saar / Projekt AK; ConnAct Saar.

Anetta Kahane / Martin Jander: PEGIDA – Der zögerliche Untergang der DDR

Donnerstag, 21. Februar 2019 / 19.00 Uhr
 Kino Achteinhalb / Nauwieser Straße 19 / Saarbrücken

Analyse und Kritik von Aspekten der neuen völkischen Bewegung in der Bundesrepublik

Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung) und Martin Jander (Stanford University Berlin) stellen ein neues Buch vor: „Nach Auschwitz: Schwieriges Erbe DDR“ (Wochenschau Verlag 2018).

Schuldabwehr, Relativierung der Shoah und Selbststilisierung zum Opfer waren in der DDR das Resultat marxistisch-leninistischer Ideologie. Gesellschaft und Geschichte galten als Erscheinungsformen des Klassenkampfes und wurden bestimmt durch Herrscher und Unterdrückte, Besitz an Produktionsmitteln und Ausbeutung, Verführer und Verführte. Alles war determiniert durch den Klassenkampf. Es gab auch Nebenwidersprüche. Sie sollten lediglich vom Hauptwiderspruch ablenken, z. B. Rassismus und Antisemitismus. Sie konnten angeblich allein auf dem Boden des Kapitalismus gedeihen und suchten die Arbeiterklasse zu spalten und von ihrer historischen Mission abzulenken.

Dass der Untergang eines so definierten Staatswesens eine völkische Bewegung hervorbringen kann, die erneut durch Schuldabwehr, Relativierung der Shoah und Opfernarration gekennzeichnet ist, nun nicht mehr in antikapitalistischer sondern in völkischer Diktion, ist nicht überraschend.

Der Eintritt ist frei.

Eine  Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung Saar in Zusammenarbeit mit:
CriThink! e.V. – Gesellschaft zur Förderung des kritischen Denkens und Handelns; Antifa Saar / Projekt AK; ConnAct Saar.

Konferenz „Information und Orientierung jenseits der Filterblase?! “ in Stuttgart

Regionalkonferenz im Rahmen des Projekts „Shared Spaces – Europäische Dialoge über öffentliche Räume“ des Heinrich-Böll-Stiftungsverbunds

Samstag, 23. Februar / 9.15 – 18.00 Uhr
Literaturhaus Stuttgart

Zeitungen stehen überall in Europa vor dramatischen Herausforderungen. Einst der öffentliche Ort des demokratischen Diskurses schlechthin, geraten sie durch vielfältige Entwicklungen unter Druck. Die Zeitungen sind von der Digitalisierung im besonderen Maße betroffen. Die Erlöse durch Verkäufe und Anzeigen gehen drastisch zurück, während die Suche nach neuen Geschäftsmodellen noch nicht abgeschlossen ist. In Zeiten von Twitter und Facebook haben sich aber auch die Art und Geschwindigkeit der Produktion und der Konsumierung von Nachrichten verändert – manchmal scheint nichts so alt wie die Zeitung von heute. Das Erstarken von rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien stellt Zeitungsjournalist*innen vor neue Fragen. Autoritäre Regierungen schränken inzwischen auch in europäischen Ländern die Pressefreiheit zunehmend ein. Aber auch in liberalen Demokratien wächst vielfach der Druck auf die vierte Gewalt – der Umgang mit Journalist*innen im Umfeld des Hamburger G-20-Gipfels oder der Versuch des österreichischen Innenministeriums, unliebsame Medien auszugrenzen, sind Beispiele dafür.

Ist das Zeitalter der (gedruckten) Zeitung zu Ende? Oder können die Zeitungen ihre Funktion als Orte des demokratischen Diskurses bewahren oder sogar noch verstärken? Denn Zeitungen sind im Idealfall das genaue Gegenteil der Filterblase. Sie berichten, kommentieren und bilden den öffentlichen Raum für politische und gesellschaftliche Debatten. Sie geben Orientierung, indem sie Nachricht, Reportage und Kommentar in einen politischen und kulturellen Sinnzusammenhang stellen und damit den Kontext bilden, der in den sozialen Medien oftmals fehlt.

Dazu kommt ihre demokratische Funktion gerade in Ländern, in denen staatliche Medien zunehmen politischer Einflussnahme durch die Regierungen ausgesetzt sind und private Medienkonzerne zur politischen Macht werden. Dort bilden vielfach die Zeitungen eine wichtige Bastion der Zivilgesellschaft.

Lassen sich aus diesen Entwicklungen neue Perspektiven für die Zeitung ableiten? Liegt hier der Grund dafür, dass in einigen Ländern neue Zeitungsprojekte gerade einen Aufschwung erleben?

Wir bringen Journalist*innen und Zeitungsmacher*innen aus ganz Europa ins Gespräch über die Zukunft der Zeitung, ihre neuen Aufgaben und Herausforderungen in Zeiten von Populismus, Fake News und Filterblase. Dabei soll es um den Austausch, das gemeinsame Lernen und die gemeinsame Arbeit an neuen Konzepten gehen. Aber auch die breite Debatte mit einer interessierten Öffentlichkeit soll geführt werden. Schließlich geht es um die Zukunft dieses für unsere Demokratie entscheidenden öffentlichen Raums, der sich zwischen bedruckten Seiten oder immer häufiger auch auf den Websites der Zeitungen im Internet konstituiert.

u.a. mit:

Prof. Dr. Heribert Prantl, Leiter der Meinungsredaktion der „SZ“
Muhterem Aras, Landtagspräsidentin Baden-Württemberg
Jakob Augstein, Verleger Der Freitag
Dr. Michael Rediske*, Vorstandssprecher Reporter ohne Grenzen
Tabea Rößner, MdB & Sprecherin für Netzpolitik und Verbraucherschutz – Bündnis 90/Die Grünen
Nina Horaczek, Chefreporterin bei der Wiener Stadtzeitung Falter
Silke Burmester, freie Journalistin (u. a. taz)
Márton Gergely, leitender Redakteur der Wochenzeitschrift HVG (Ungarn)
Bartosz Wielinski, leitender Redakteur Gazeta Wyborcza (Polen)
Dr. Reinhard Olschanski, Publizist und Philosoph
Harriet Wolff, taz, Mitverfasserin taz-Innovationsreport
Ingrid Brodnig*, Journalistin und Autorin
Kaki Bali, Chefredakteurin der griechischen Tageszeitung AVGI
Patrik Garaj, Editor und Reporter bei Denník N (Slowakei)
Jun.-Prof. Dr. Leyla Dogruel, Institut für Publizistik, Johannes Gutenberg Universität Mainz
Donatien Huet, Leiter Zukunftswerkstatt Mediapart (Frankreich)
Stefan Reinecke, Redakteur, taz

* angefragt

Sa, 23. Februar, 9.15 – 18.00 Uhr
Literaturhaus Stuttgart
Breitscheidstraße 4, 70174 Stuttgart
U-Bahnsteig 1, Linie U14/ U29, Haltestelle Berliner Platz- Liederhalle (2 Haltestellen vom Hauptbahnhof)
Teilnahme: 20 € / 10 € (inkl. Verpflegung)

Das vollständige Programm finden Sie hier

Anmeldung unter: www.hbs-bw.de

Eine Kooperation der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg, der Petra-Kelly-Stiftung Bayern und der Heinrich Böll Stiftung Saar

Henning von Bargen: Demokratie in Gefahr? Antifeminismus und der Kampf gegen moderne Geschlechterverhältnisse

Donnerstag, 21. März 2019 / 19:00 Uhr
FrauenGenderBibliothek Saar / Großherzog-Friedrich-Straße 111 / 66121 Saarbrücken

Antifeministische Positionen sind salonfähig geworden. Mit der Rede von „Staatsfeminismus“, „Frühsexualisierung“ oder „Gender-Wahn“ soll jegliche Entwicklung zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und gleichberechtigter Vielfalt von Lebensweisen in Misskredit gebracht und bekämpft werden. Der Vortrag zeigt antifeministische Positionen und Netzwerke auf und wird deutlich machen, wie Antifeminismus die Brücke zwischen neu-rechten und konservativen Stimmen aus der Mitte der Gesellschaft bildet.

Foto: Stephan Röhl

Henning von Bargen ist seit 2007 Leiter des Gunda-Werner-Instituts für Feminismus und Geschlechterdemokratie in der Heinrich-Böll-Stiftung.

Der Eintritt ist frei.
Eine Kooperationsveranstaltung mit der FrauenGenderBibliothek Saar.

Veranstaltungsort und Kontakt:
FrauenGenderBibliothek Saar
Großherzog-Friedrich-Straße 111
66121 Saarbrücken
Tel. 0681-9388023
info@frauengenderbibliothek-saar.de
www.frauengenderbibliothek-saar.de
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