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Lesung „Das Lieblingsbuch der Georgier erstmals auf Deutsch!“

Guram Dotschanaschwili – Das erste Gewand

Dienstag, 23. 10. 2018
19.30 Uhr
Buchhandlung St. Johann
Eintrittspreis 3.-Euro

Ein Fremder kommt in Domenicos Dorf und weckt in dem jungen Mann den Wunsch, die Welt kennenzulernen. Zuerst kommt er nach Feinstadt, ein Ort der guten Sitten; doch ist wirklich „alles in Oo-ordnung“, wie der Nachtwächter ruft? Als Domenico seine große Liebe auf tragische Weise verliert, will er fort, nach Kamora. Dort regieren Willkür und Verbrechen – bis eine Gruppe Hirten aufbegehrt. Sie errichten Canudos, eine Stadt der Freiheit. Doch der Kampf gegen Kamora steht ihnen bevor.
Das meistgelesene Buch in Georgien und – zur Zeit sowjetischer Herrschaft geschrieben – eine aufrüttelnde Parabel über das menschliche Dasein in Zeiten gesellschaftlicher und politischer Tyrannei. „Eine wunderschöne Fabel über die Liebe und die Freundschaft, über das Leben und die Identität, und allem voran eine Einladung zu einem Fest der Phantasie.“ Nino Haratischwili

Sunsanne Kihm und Nika Lomtadse sind Übersetzer aus dem Georgischen und leben mit ihren beiden Kindern in der Nähe von Saarbrücken.

Guram Dotschanaschwili, გურამ დოჩანაშვილი, 1939 in Tbilissi geboren, studierte Geschichte und Archäologie. Bereits 1966 begann er mit der Arbeit an seinem ersten Roman Das erste Gewand (Hanser, 24. 9. 2018), den er 1978 beendete. Bei einer Umfrage im Rahmen der Sendung „Chemi zigni“ (Mein Buch), bei der – nach dem Vorbild von BBC Big Read – nach dem Lieblingsbuch der Georgier gefragt wurde, kam der Roman mit großem Abstand auf den ersten Platz. 1985 erhielt Dotschanaschwili den Staatspreis für das literarische Gesamtwerk und 2010 den renommiertesten georgischen Literaturpreis, den SABA-Preis.

„Man kann in der modernen Literatur lange suchen nach einer Welterzählung vergleichbarer Fülle, literarischer Komplexität, spiritueller Tiefe, metaphysischer Komik und prophetischer Ernsthaftigkeit. Die Lektüre ist eine Herausforderung – vor allem auch deshalb, weil viele Verweise in dem weiten und sonderbaren Hallraum der religiösen, politischen und literarischen Tradition Georgiens an den Lektüreerwartungen und Bildungserfahrungen westlicher Leser vorbeigehen. Aber die Anstrengung lohnt sich. Es gibt eigentlich keinen besseren Einstieg in die Mentalität und in den kulturellen Kosmos des diesjährigen Gastlands der Frankfurter Buchmesse als die Lektüre dieses von Susanne Kihm und Nikolos Lomtadse in ein sehr plausibles Deutsch übertragenen Klassikers der georgischen Moderne.“ schreibt Stephan Wackwitz in der „Zeit“

Wir freuen uns sehr auf diesen Abend. Auch georgischer Wein wird gereicht. Zusammen mit einem kleinen Film über den Autor und die Entstehungsgeschichte des Buches erhalten wir sicher auch Einblicke in das Handwerk des Übersetzens.

WILDE ROSEN – Im Rahmen der Reihe Neue Polnische Filme

WILDE ROSEN

Montag 12. November 2018

DZIKIE RÓZE

PL 2017 Drehbuch und Regie: Anna Jadowska, Kamera: Małgorzata Szyłak, Schnitt:
Anna Mass,
Musik: Agnieszka Stulgińska; Darsteller*innen: Marta Nieradkiewicz, Michał Żurawski, Halina Rasiakówna, Konrad Skolimowski, Natalia Bartnik, 93 Min., OmU

Du blickst in den Abgrund. Die Aussicht könnte schöner sein. Dann schreist du hinein, doch dieser Abgrund, der dich zu verschlingen droht, schweigt. Er antwortet nicht. Es ist zum Verzweifeln. Man möchte einfach hineinspringen, und in seine Dunkelheit eintauchen, eins mit dem Abgrund werden. So in etwa dürfte es der Protagonistin in Anna Jadowskas Film Wilde Rosen ergehen. Die Regisseurin fokussiert den Alltag einer jungen polnischen Frau auf dem Land. Die 27-jährige Ewa kehrt nach einem Krankenhausaufenthalt zu ihren Kindern sowie zu ihrer Mutter zurück und stößt auf ein ihr gegenüber recht befremdlich erscheinendes Umfeld. Dieses Umfeld spricht hinter vorgehaltener Hand über sie und ihre Liebschaft mit dem 16-jährigen Marcel. Mit der Erziehung von Tochter und Sohn steht sie weitestgehend alleine dar, denn ihr Mann Andrzej arbeitet im Ausland, um seinen Kindern ein gutes Leben zu ermöglichen.

Wilde Rosen ist sozialrealistisches Arthouse-Kino, das die Lethargie und Wünsche seiner Protagonistin sowie die Konflikte innerhalb der Familie ausleuchtet. (filmpolskaberlin.de)

Geschickt webt die Regisseurin ein filmisches Netz voller Andeutungen, Dorfintrigen, Kleingeistigkeit und konservativen Moral- und Wertevorstellungen. Sie inszeniert meisterhaft erotische Spannung und schafft reizvolle, flirrende Bilder voller Sinnlichkeit. Dabei gesteht sie ihrer Protagonistin eine Wandlung zu, die in ein starkes, überraschendes Finale mündet.

(Festival der Osteuropäischen Films in Cottbus, Festivalkatalog)

Die Regisseurin Anna Jadowska wird anwesend sein

Keine Ruhe nach dem Urteil – Veranstaltung zum NSU-Komplex mit Friedrich Burschel

Welche Konsequenzen sind aus dem fragwürdigen Urteil im NSU-Prozess zu ziehen und wie kann verhindert werden, dass staatlicherseits und von vielen Medien ein Schlussstrich unter die Causa NSU gezogen wird?

Ort: Kino 8 1/2, Nauwieser Straße 19, 66111 Saarbrücken
Datum: 18.11.2018
Uhrzeit: 19:00

Ist der NSU jetzt Geschichte, wie es der Berliner „Tagesspiegel“ am Tag nach der Urteilsverkündung in München staatstreudoof verkündete – ausgerechnet im Interview mit dem Chef des Inlandsgeheimdiensts, Hans-Georg Maaßen?

Mit Sicherheit nicht: Der Tag der Urteilsverkündung am 11. Juli 2018 war der absolute Tiefpunkt der 438 Prozesstage und ein erneuter Tiefschlag für die vom NSU-Terror Betroffenen. Zwar wurde Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft bei „besonderer Schwere der Schuld“ verurteilt, die beiden bis heute fanatisch bekennenden Neonazis unter den Angeklagten im Prozess, Ralf Wohlleben und André Eminger, erhielten geringere als von der Bundesanwaltschaft (BAW) geforderte Freiheitsstrafen. Insbesondere Eminger wurde in etlichen Punkten mit haarsträubender Begründung freigesprochen. Er muss nur zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Dieses Strafmaß liegt fast zehn Jahre unter der Forderung der BAW und sorgte gemeinsam mit Emingers sofortiger Freilassung aus der U-Haft bei den bei der Urteilsverkündung anwesenden Neonazis im Publikum für johlende Begeisterung. Ein schwarzer Tag für die Opfer des NSU, aber auch für den Kampf gegen den immer dreister auftretenden Neonazismus in Deutschland. Ralf Wohlleben, der eine Woche nach dem Urteil auf freien Fuß gesetzt wurde, wird derzeit zum Helden und Märtyrer der Szene aufgebaut: Das niederschmetternde Signal des Staatsschutzsenates des Oberlandesgerichts München zeitigt schon jetzt verheerende Wirkung in einer Szene, die sich gerade erneut radikalisiert.

Umso wichtiger ist es für eine antifaschistische Linke, an der Forderung „Kein Schlussstrich!“ festzuhalten und zu verhindern, dass die Causa NSU jetzt staatlicherseits und von vielen Medien als erfolgreich aufgeklärt abmoderiert wird! ALLE wesentlichen Fragen sind weiter offen: Institutioneller Rassismus? Ist bis heute ein Nischenthema der Betroffenen. Ein Nazi-Netzwerk? Ein Hirngespinst. Verstrickung des „Verfassungsschutzes“? I wo.

Für diejenigen von uns, die an einer offenen und pluralen Gesellschaft der Vielen interessiert sind und an der Wahrung einer humanen Orientierung kann das Urteil und das Ende des Prozesses nur ein Zwischenstopp auf dem Weg zu lückenloser Aufklärung und Aufarbeitung sein. Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass jetzt zur Tagesordnung übergegangen wird und ein Schlussstrich unter den monströsen NSU-Komplex gezogen wird. Nach so langer Zeit und 70 Millionen Euro später sind die wesentlichen und bohrenden Fragen dieses Komplexes nach wie vor unbeantwortet und offen, der Verfassungsschutz geht aus diesem wohl größten Geheimdienstskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte völlig ungeschoren hervor, im Land explodiert rassistische und rechte Gewalt gegen Geflüchtete und ihre Unterstützer_innen, Dinge, die zu Beginn des Prozesses und in ihm noch eindeutig als Nazi-Sprech zu identifizieren waren, sind in Rekordzeit wieder in aller Munde und jeglichen Tabus entkleidet und im Bundestag hetzt täglich eine neue völkisch-nationalistische Partei mit weiter erstarkenden außerparlamentarischen Zweigen im organisierten Neofaschismus.

Das Ende des Prozesses kann mithin nur der Beginn eines neuen Kampfes für Menschlichkeit und Vielfalt sein und einer Renaissance antifaschistischen Engagements. Mit seinem Vortrag will Fritz Burschel die Einschätzung von Prozess, Urteil, Untersuchungsaausschüssen, Behördenverstrickung, gesellschaftlichem Rassismus und der rechtsterroristischen Gefahr vom Kopf auf die Füße stellen und die Frage nach antifaschistischen Konsequenzen aus dem Aufarbeitungs-Desaster und den Anforderungen der „Kein Schlussstrich“-Kampagne diskutieren.

Friedrich Burschel ist Referent zum Schwerpunkt Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit bei der Akademie für Politische Bildung der Rosa Luxemburg Stiftung in Berlin. Er war über 5 Jahre akkreditierter Korrespondent des nicht-kommerziellen Lokalsenders Radio Lotte Weimar im NSU-Prozess und ist Mitarbeiter von NSU-Watch (nsu-watch.info). Seine Audio- und Printbeiträge zum Prozess und zum NSU sind auf der RLS-Homepage https://www.rosalux.de/dossiers/nsu-komplex/ zu finden.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die neonazistischen Parteien oder Organisationen angehören, der Neonazi-Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

DIE MASKE – Im Rahmen der Reihe Neue Polnische Filme

DIE MASKE

Mittwoch, 21. November 2018

TWARZ

PL 2018, R: Malgorzata Szumowska, B: M. Szumowska und Michal Englert, K: Michal Englert, Schn: Jacek Drosio, D: Mateusz Kościukiewicz, Agnieszka Podsiadlik, Małgorzata Gorol, Roman Gancarczyk, Dariusz Chojnacki, Robert Talarczyk, Anna Tomaszewska,

91 Min, OmU

Jacek liebt Heavy Metal und seinen Hund. Die Feldwege vor der Haustür funktioniert er zur Rennstrecke um, die er mit seinem kleinen Auto entlangbrettert. Wenn er mit Freundin Dagmara die Tanzfläche betritt, gehen alle anderen sofort in Deckung. Er genießt das Dasein als cooler Außenseiter in einem ansonsten eher spießigen Umfeld. Die Muskeln trainiert er bei seiner Arbeit auf einer Großbaustelle nahe der polnisch-deutschen Grenze, wo die größte Jesusstatue der Welt entstehen soll. Doch ein schwerer Arbeitsunfall lässt sein Leben aus dem Groove geraten. Vollkommen entstellt, wird an Jacek unter reger Anteilnahme der polnischen Öffentlichkeit die erste Gesichtstransplantation im Land vollzogen. Als Nationalheld und Märtyrer gefeiert, erkennt er sich im Spiegel selbst nicht wieder. Die Jesusstatue aber wird immer höher und höher. Während sich die Ereignisse rund um Jacek überschlagen, behält der Film die Übersicht und scheint das Kameraobjektiv noch schärfer zu stellen. In Form einer bösen Farce reflektiert TWARZ polnische Zustände, erkundet das Leben in der Provinz und zeigt ein Land, das seinen Glauben in Stein meißeln lässt. (Berlinale-Katalog, Wettbewerb). Der Film Die Maske (Twarz) von Malgorzata Szumowska feiert seine Weltpremiere im Februar 2018 im Wettbewerb der Berlinale unter dem Titel Mug. Die Regisseurin erhielt in dem Festival den Silbernen Bären als Großen Preis der Jury. (AH/ES, moviepilot))

STILLE NACHT – Im Rahmen der Reihe Neue Polnische Filme

STILLE NACHT

Montag 10. Dezember 2018


CICHA NOC

PL 2017, Regie und Drehbuch: Piotr Domalewski, Kamera: Piotr Sobocinski, Musik: Wacław Zimpel, Schnitt: Leszek Starzynski, Darsteller*innen: David Ogrodnik, Tomasz Zietek, Arkadiusz Jakubik, Paweł Nowisz, Agnieszka Suchora, Maria Debska, Jowita Budnik, 97 Min.,

Weihnachten steht vor der Tür – wieder mal eher verregnet als verschneit. Die in aller Welt verstreut lebenden und arbeitenden Polen kehren in ihre Heimat zurück. So auch Adam, der aus den Niederlanden zu seiner Familie in die polnische Provinz reist. Aber er will nicht nur Geschenke tauschen, sondern er hat einen Plan. Doch um diesen umzusetzen, muss er innerhalb des brüchigen Konstruktes namens Familie vorsichtig vorgehen, Allianzen schmieden, dunkle Punkte aus der Vergangenheit ausblenden und Gegenwind stoisch ertragen.
Die Handlung spielt fast ausschließlich in einer Nacht. Die Mischung aus klaustrophobischer Familienaufstellung und bitterer Gesellschaftsparabel ist eine aktualisierte, in den Winter verlegte Version von Smarzowskis „Eine Hochzeit und andere Kuriositäten“ – nur noch düsterer, ehrlicher, realistischer und schmerzhafter.
„Cicha noc“ zählt zu den erfolgreichsten Filmen des letzten Jahres. Erst gewann er beim Filmfestival in Gdynia den Hauptpreis und sechs Nebenpreise, dann räumte er bei den „Orły“ der Polnischen Filmakademie ganze zehn Auszeichnungen ab. Unter den zahlreichen Ehrungen ragen vor allem die für Dawid Ogrodnik in der Rolle des Adam heraus, der nach „In meinem Kopf ein Universum“ und „The Last Family“ erneut sein Ausnahmetalent unter Beweis stellt. (Film Polska)
Die Darstellerin Jowita Budnik wird anwesend sein.