10

Film und Einführung: Komödie ums Geld (1936) von Max Ophüls

Donnerstag, 23. Januar / 18.00 Uhr
Politische Akademie der SDS / Europaallee 18 / 66113 Saarbrücken

©Deutsche Kinemathek

Zur 41. Ausgabe zeigen wir in Kooperation mit dem Filmfestival Max Ophüls Preis Max Ophüls‘ Film „Komödie ums Geld“ aus dem Jahr 1936. Um was geht es? Brand (Herman Bouber) ist seit 25 Jahren Geldbote einer Bank und hat sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Eines Tages verschwinden bei einem seiner Botengänge 500.000 Gulden. Da ihm keine Unterschlagung nachzuweisen ist, bleibt er zwar von einer Anklage verschont, nicht aber von der öffentlichen Diskreditierung. Als er bald keinen Ausweg mehr sieht und sich umbringen will, bekommt er aus heiterem Himmel den Direktorenposten bei einer Wohnungsbaugesellschaft angeboten, die durch Finanzspekulationen in die Insolvenz geraten ist. Denn ausgerechnet jetzt gilt Brand als besonders kreditwürdig, weil alle Welt glaubt, er habe die halbe Million auf die Seite geschafft und sei reich. Brand macht es sich in seinem neuen Leben bequem, bis das verschwundene Geld wieder auftaucht.

„Elegant und sicher wird die Geschichte auf das Zelluloid geschrieben, das war bis jetzt im niederländischen Film unbekannt. Der Beginn mag zwar ein bisschen prätentiös wirken und ist wohl auch von der Dreigroschenoper inspiriert, doch bald ist man erfreut und überrascht, wie geschickt das Medium Film hier gebraucht wird. Es wimmelt von virtuosen kompositorischen Übergängen, von filmischen Rhythmen“, schreibt das Rotterdamsch Nieuwsblad 1936.

Regisseur Max Ophüls: geb. 1902 in Saarbrücken als Max Oppenheimer, gestorben 1957 in Hamburg. Er arbeitete ab 1920 unter dem Pseudonym Max Ophüls. Bis 1930 Theaterschauspieler und Regisseur in Stuttgart, Dortmund, Wuppertal, Breslau, Wien, Frankfurt, Berlin. Heirat mit der Schauspielerin Hilde Wall, Geburt des gemeinsamen Sohnes Marcel Ophüls. Ab 1931 Regieassistenz bei Anatol Litvak, erste Filmregien. 1933 Emigration nach Frankreich, Regiearbeiten u.a. in Frankreich, Italien oder den Niederlanden. 1938 französische Staatsbürgerschaft. 1941 Emigration in die USA, Tätigkeiten beim Rundfunk, als Drehbuchautor, Regisseur. 1949 Rückkehr nach Frankreich. Ab 1953 Hörspiele für den SWF Baden-Baden.

Vor Filmbeginn wird Andréas-Benjamin Seyfert, Doktorand in Filmgeschichte und Urenkel unseres Namensgebers Max Ophüls, eine Einführung zum Film halten.

Mehr Infos

Der Eintritt ist frei.
Die kostenfreien Tickets können an jeder Vorverkaufsstelle abgeholt werden.

In Kooperation mit dem Filmfestival Max Ophüls Preis und der Stiftung Demokratie Saarland (SDS).

Arbeiten und Klappe halten? – Organisieren gegen Ausbeutung

Donnerstag, 23. Januar 2020 / 19.00 Uhr
AStA-Freiraum / Gebäude A 4 / Universität des Saarlandes

Vortrag und Diskussion mit der alternativen Frankfurter Gewerkschaft unter_bau.

Die Universität ist ein Ort geworden, welcher durch prekäre Arbeitsverhältnisse bestimmt wird: Befristungen, miese Löhne, unbezahlte Überstunden, massive Arbeitsbelastung und ständige Job-Unsicherheit sind Alltag an deutschen Hochschulen. Dennoch ist die gewerkschaftliche Organisation an Universitäten unterdurchschnittlich, es gibt kaum Tarifverträge und auch kaum umfassende Proteste gegen diese Verhältnisse. Die dauerhafte Unterfinanzierung des Hochschulsystems scheint bei manchen eher noch Dankbarkeit zu erzeugen, überhaupt eine Stelle zu bekommen. Dabei ist es längst an der Zeit sich zu wehren und dies vor allem organisiert und auf eine solidarische Weise zu tun.
Das dies auch außerhalb der bürgerlichen Sozialpartnerschaft geht beweisen Initativen wie die alternative Gewerkschaft unter_bau aus Frankfurt. Wie Organsiation gegen prekäre Verhältnisse an der Uni funktionieren kann möchten wir deswegen gemeinsam mit dem unter_bau und euch diskutieren. Kommt vorbei!
Im Anschluss ein Vorstellungstext von der Gewerkschaft unter_bau:

Selbstverständnis
Arbeitsbedingungen werden prekarisiert und Stellen abgebaut, Arbeiten outgesourct und Belegschaften gespalten, Zwang im Studium erhöht und kritische Inhalte verdrängt, die soziale Selektion verschärft und Bildung der Verwertung von Humankapital unterworfen… Weder die Vertretungen der Beschäftigten noch die Proteste von Studierenden konnten dem etwas entgegensetzen. Es fehlt ein organisatorisches Herzstück, welches die Kräfte und Kämpfe bündelt. Vor allem mangelt es an einer Gewerkschaftspolitik, welche die Machtstrukturen an den Hochschulen aufbricht, die jene Entscheidungen bedingen.

Macht von unten aufbauen
Grundsätzlich bedarf es einer Organisation, die Einfluss auf Alltag und Struktur der Hochschulen nimmt sowie Erfahrungen aus Kämpfen weitergibt – und das kontinuierlich. Wir orientieren uns dabei am Konzept einer inklusiven Basisgewerkschaft, wie es aus anderen Ländern bekannt ist. In ihr soll Platz sein für alle, die sich gegen die Verhältnisse wehren und sie überwinden wollen – unabhängig von ihrer Statusgruppe. Ob WiMis, Reinigungs- und Mensakräfte, Hilfskräfte, Lehrbeauftragte, Studierende oder Verwaltungsangestellte – wir brauchen eine föderale Gewerkschaft, in der die Basis koordiniert agiert.

Gewerkschaft anderen Typs
Unsere Vorstellungskraft reicht aus, um gewerkschaftliche Praxis auch jenseits der hierarchisch organisierten Sozialpartnerschaft zu denken. Die Gewerkschaftsbasis soll selbst über Aufgaben, Forderungen und Vorgehensweisen entscheiden. So soll ein Raum geschaffen werden, in dem wir uns ermächtigen und Solidarität miteinander üben. Dabei interessiert uns mehr als die Arbeitsbedingungen. Unser Ziel ist eine soziale Hochschule in basisdemokratischer Selbstverwaltung: Ihre Angehörigen sollen gleichberechtigt mitbestimmen, ihr Profil nicht von wirtschaftlichen Interessen bestimmt sein.

Blick über den Tellerrand
Als Beschäftige und Studierende an der Hochschule ist diese der Ausgangspunkt für unsere eigenen Kämpfe. Allerdings funktioniert sie nicht losgelöst vom Rest der Gesellschaft, deren Herrschaftsverhältnisse uns stets in Gestalt materieller Zwänge entgegenschlagen. Die Chancen auf eine soziale Neuausrichtung der Hochschule, ja des Bildungsbereiches generell erhöhen sich daher, wenn sich unsere Kämpfe mit denen in anderen Gesellschafts- und Lebensbereichen verbinden. Wir suchen daher aktiv den Kontakt mit anderen Initiativen, Netzwerken und Organisationen – lokal, überregional und international.

Link: https://unterbau.org/
Der Eintritt ist frei. Eine Kooperation mit der Linken Liste – SDS & Unabhängige Saar.

 

Buchvorstellung: Psychoanalyse und politische Ökonomie

Dienstag, 28. 01. 2020 / 19.00 Uhr
Buchhandlung St. Johann / Kronenstr. 6

Mit ihrer Streitschrift untersuchen Siegfried Zepf und Dietmar Seel die psychoanalytische Praxis und Ausbildung aus der Perspektive der marxistischen politischen Ökonomie. Aus dem Warencharakter psychoanalytischer Dienstleistung leiten die Autoren ab, dass Psychoanalytiker*innen als kleinbürgerliches „Mittelding zwischen Kapitalist und Arbeiter“ (Marx) aufzufassen sind. Ihr vorrangiges Interesse an der Tauschwertrealisierung ihrer Dienstleistungen führt dazu, dass sie auf sozialkritische Fragen verzichten und sich an die jeweils herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen anpassen. Kritisch betrachtet wird auch die zunftartige Organisation psychoanalytischer Ausbildungsinstitute, in denen die Kandidat*innen nicht mehr in Psychoanalyse ausgebildet werden, sondern in „analytischer Psychotherapie“ – der Form, in der sich ihr Tauschwert am besten realisieren lässt. In einer Kombination von Berufsschule und Priesterseminar erwerben die Ausbildungskandidat*innen eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Gebrauchswert ihrer Dienstleistung, gepaart mit einer Gleichgültigkeit gegenüber der Entwicklung der Psychoanalyse in eine wahrheitslose Pseudowissenschaft. In der Konsequenz verhindert die Suspendierung der Wahrheitsfrage jeden Zugewinn an Erkenntnis, Forschung mutiert in Werbeveranstaltungen im Dienste der Realisierung der ökonomischen Interessen.

Die derzeitig stattfindende Ausbildung führt dazu, dass die Ausbildungskandidaten weniger das eigene Unbewusste als Erkenntnisinstrument verstehen, sondern in einer „Art von Nacherziehung“ (Freud) zu einer spezifischen deformation professionelle neigen, gedeckt vom gesellschaftpolitisch-abstinenten Alltagsbewusstsein der Psychoanalytiker. Der Tauschwert der analytischen Psychotherapie kann so in gutem Einvernehmen der neoliberalen Ideologie realisiert werden.

Der Eintritt ist frei.

Siegfried Zepf, Univ.-Prof.em.Dr.med., ist Lehranalytiker und ehemaliger Direktor des Instituts für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universitätskliniken des Saarlandes.

Dietmar Seel, Dipl.-Psych,. ist als Psychoanalytiker in eigener Praxis in Saarbrücken niedergelassen.

Das Buch: „Psychoanalyse und politische Ökonomie – Kritik der psychoanalytischen Praxis und Ausbildung“ ist 2019 erschienen im Psychosozial-Verlag, Gießen.

Film und Diskussion: Plastic Planet

Freitag, 31. Januar 2020 / 19.00 Uhr
Kino 8 1/2 Saarbrücken

Plastikflaschensammler in Shanghai © by „Plastic Planet“

„Der Mensch des industriellen Zeitalters muss sein Verhältnis zur Umwelt neugestalten, will er überleben. Geboren in eine Zeit, die die Überwindung der Natur als Parole ausgegeben hatte, muss er erkennen, dass seinem Treiben Grenzen gesetzt sind, dass seine Taten und seine Einstellung tödliche Konsequenzen haben können.“ (Hans Reimer, Müllplanet Erde, 1973)

Die Probleme sind seit mehr als einem halben Jahrhundert bekannt; zudem türmen sich inzwischen hunderte Millionen Tonnen Plastikmüll alljährlich auf, belasten die Umwelt über Generationen. Mikroplastik ist längst über die Nahrungsketten im menschlichen Organismus angekommen. Quantitatives Wachstum, das Konzept der vergangenen Jahrzehnte, funktioniert nicht mehr in der endlichen, vom Menschen überlasteten Welt. Der ökologische Fußabdruck der Menschen darf die Regenerationsrate der Natur nicht übersteigen. Wir brauchen eine sozialökologische Transformation der Gesellschaft; dazu brauchen wir auch Menschen, die sich politisch engagieren und selbst zur Änderung ihres Handelns bereit sind.

Die Naturfreunde Saarbrücken, Netzwerk Entwicklungspolitik (NES) und Heinrich-Böll-Stiftung laden Sie herzlich zum Film „Plastic Planet“ und zur anschließenden Diskussion mit, Frau Dr. Christel Weins, Expertin für Umwelt- und Ökotoxikologie, ein.

Mehr Infos zum Film finden Sie hier.

Vortrag Prof. em. Dr. Antonia Grunenberg: Götterdämmerung. Aufstieg und Fall der deutschen Intelligenz 1900-1940

18:00 Uhr
Politische Akademie der SDS / Europaallee 18 / 66113 Saarbrücken

Walter Benjamin und seine Zeit

Die Jahre von 1900 bis ca. 1940 wurden durch eine Generation von glänzenden Dichtern, Pädagogen, Komponisten, Philosophen, Tänzern, Schriftstellern und Politikern geprägt, die ihre Zeit als Übergang erlebten und eine mit revolutionären und religiösen Erwartungen erfüllte Endzeit herbeisehnten. Dazu gehörte auch die radikale Ablehnung der Weimarer Republik, die teilweise in den Vorhöfen (und in den Lagern) von Faschismus, Nationalsozialismus und sowjetischem Kommunismus endete. Antonia Grunenberg stellt Walter Benjamin als den kühnsten europäischen Denker seiner Zeit in den Mittelpunkt ihres Vortrags und entfaltet von seiner Person ausgehend das Drama der deutschen Intelligenz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die Referentin Prof. em. Dr. Antonia Grunenberg studiert Soziologie, Philosophie und Germanistik in Tübingen, Frankfurt a. M. und Berlin. 1975 promoviert sie mit einer Arbeit über Georg Lukács im Fachbereich Philosophie an der Freien Universität Berlin. 1986 habilitiert sie sich in Politikwissenschaft an der Technischen Hochschule Aachen. Von 1998 bis 2009 ist sie Professorin für Politikwissenschaft an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, wo sie das Hannah Arendt Zentrum gründet und bis zu ihrer Emeritierung leitet. 1995 ist Antonia Grunenberg Mitgründerin und Vorstandsmitglied des Hannah Arendt-Preises für politisches Denken. Sie war und ist Mitglied in zahlreichen Fachkommissionen und wissenschaftlichen Beiräten wie etwa im wissenschaftlichen Beirat des Hauses der Geschichte in Bonn. Sie hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zur politischen Theorie, zur Kulturgeschichte und zum Werk Hannah Arendts publiziert, etwa die 2006 erschienene Publikation „Hannah Arendt und Martin Heidegger. Geschichte einer Liebe“. 2018 erscheint das dem Vortrag liegende Werk „Götterdämmerung“.

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Stiftung Demokratie Saarland – SDS.
Im Rahmen der Veranstaltung gibt es einen Büchertisch der Buchhandlung St. Johann