Lesung „Böll & Hofstätter“ – Theresia Enzensberger „Blaupause“

13. September 2017
20:00 Uhr

Filmhaus Saarbrücken
Mainzerstraße 8
66111 Saarbrücken

„Vergangenes als etwas Lebendiges begreifen – Theresia Enzensberger macht die Bauhaus-Jahre zu einem Moment der Gegenwart.“ Florian Illies

Luise Schilling ist jung, wissbegierig und voller Zukunft. Anfang der brodelnden zwanziger Jahre kommt sie an das Weimarer Bauhaus. Sie studiert bei Professoren wie Gropius oder Kandinsky und wirft sich hinein in die Träume und Ideen ihrer Epoche. Zwischen Technik und Kunst, Kommunismus und Avantgarde, Populismus und Jugendbewegung lernt Luise gesellschaftliche Utopien kennen, die uns bis heute prägen. Rasant und äußerst gegenwärtig erzählt Theresia Enzensberger von einer jungen Frau in den Wirren ihres Lebens: von den Konflikten zwischen Rechts und Links bis zum Sprung eines jungen Liebespaares in einen nächtlichen Fluss.

Theresia Enzensberger wurde 1986 in München geboren und lebt in Berlin. Sie studierte Film und Filmwissenschaft am Bard College in New York und schreibt als freie Journalistin unter anderem für die FAZ, FAS, ZEIT Online, Krautreporter und Monopol. 2014 gründete sie das vielfach preisgekrönte BLOCK Magazin. Bei Hanser erscheint im Sommer 2017 ihr Debütroman Blaupause.

Vortrag – Dr. Martin Jander „Deutscher Herbst“: Terrorismus und Antisemitismus

Donnerstag, 28.09.

Uhrzeit und Ort werden noch bekannt gegeben.

 

In der Bundesrepublik Deutschland ist bis heute der Terror von RAF, Bewegung 2. Juni und Revolutionären Zellen nicht wirklich gut begriffen. Die öffentliche Auseinandersetzung zum 40. Jahrestag des „Deutschen Herbstes“ wird dies erneut demonstrieren. Die angeblich blinden Flecken der RAF-Aufarbeitung – Mord oder Selbstmord in Stammheim, Anwälte als Helfer der Terroristen, die Stasi als Helfer des Terrors u. a. m. – sind so gut wie abschließend geklärt. Dass sich der linke Terror nicht gegen die Bundesrepublik Deutschland, sondern wesentlich gegen Israel und die USA wendete, wird in den meisten Analysen aber nur stiefmütterlich behandelt. Der Historiker und Journalist Martin Jander skizziert in seinem Vortrag eine kurze Geschichte des deutschen Linksterrorismus, seiner wesentlichen Ziele und der Mängel der bisherigen Geschichtsschreibung. Die gravierenden blinden Flecken in der Aufarbeitung der Geschichte von RAF und Co. bilden ihre Beteiligung am Krieg von PLO/PFLP zur Vernichtung Israels, sowie ihr Antizionismus und Antisemitismus. Israelhass und Antisemitismus reichten schon damals (wie heute) weit über das links-terroristische Milieu hinaus.

Martin Jander Jahrgang 1955, 1974-1984 Studium der Germanistik, Geschichtswissenschaften, Soziologie und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin, 1995 Promotion, 1984-1986 Dozent für Gesellschaftspolitik und Geschichte der Gewerkschaftsbewegung an der DGB-Bundesschule in Hattingen, seit 1987 auch regelmäßige Mitarbeit in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, 1989-1990 Gewerkschaftssekretär in der Abteilung Bildung beim ÖTV-Hauptvorstand, 1990-1995 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Gewerkschaftsforschung des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung an der FU Berlin, 1995-2000 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin, seit 2001 Aufsätze für verschiedene Lexika zur DDR-Opposition, freier Publizist und Autor.
Bücher im Ch. Links Verlag: »Berlin (DDR). Ein politischer Stadtspaziergang«, 2003.

Lesung „Böll & Hofstätter“ – Rebekka Habermas „Skandal in Togo. Ein Kapitel deutscher Kolonialherrschaft“

26. Oktober 2017
20:00 Uhr

Filmhaus Saarbrücken
Mainzerstraße 8
66111 Saarbrücken

 

Das wahre Gesicht des deutschen Kolonialismus: Im neuen Buch ›Skandal in Togo. Ein Kapitel deutscher Kolonialisierung‹ der renommierten Historikerin Rebekka Habermas geht es um koloniale Sehnsüchte, fragile Macht und Gewalt. Im Mittelpunkt steht ein Skandal, der sogar den Reichstag im fernen Berlin auf den Plan rief: 1900 soll der Kolonialbeamte Geo Schmidt eine junge Afrikanerin vergewaltigt haben. Doch solche Übergriffe waren in den Kolonien nahezu alltäglich, warum also die Aufregung? Hier erfahren wir, worum es wirklich ging: Der Kolonialbeamte, eigentlich der mächtigste Mann vor Ort, rang nicht nur mit der afrikanischen Bevölkerung. In Togo waren auch christliche Missionare tätig, die vor allem Gottes Wort verbreiten wollten und ihre Bemühungen durch Geo Schmidt gefährdet sahen. Ihre unzähligen Briefe nach Berlin, in denen sie Schmidts Treiben schildern, sind beredte Zeugnisse eines grundlegenden Konflikts im kolonialen Raum. Und sie führten dazu, dass im Berliner Reichstag Abgeordnete wetterten, die Mission der Zivilisierung in Afrika werde durch brutale Kolonialbeamte gefährdet. Lebendig schildert Rebekka Habermas die Beziehungen, Interessen und Motive der Beteiligten, den Rassismus und Alltag vor Ort und die kolonialen Echos, die der Skandal in der Gesellschaft des deutschen Kaiserreichs hervorrief. Damit bietet sie neue, erstaunliche Einblicke – eine glänzend erzählte Mikrogeschichte des Kolonialismus und ein wichtiger Beitrag zur Kolonialgeschichte.

Rebekka Habermas, geboren 1959, lehrt Mittlere und Neuere Geschichte an der Georg-August-Universität in Göttingen. Sie war Gastprofessorin an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris und Fellow am St Antony’s College in Oxford. 2015 wurde ihr Artikel »Lost in Translation: Transfer and Non-Transfer in the Atakpame Colonial Scandal« durch das Higby Prize Committee ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihr ›Diebe vor Gericht. Die Entstehung der modernen Rechtsordnung im 19. Jahrhundert‹ (2008), ›Von Käfern, Märkten und Menschen. Kolonialismus und Wissen in der Moderne‹ (hg. mit Alexandra Przyrembel, 2013) und ›Mission global. Eine Verflechtungsgeschichte seit dem 19. Jahrhundert‹ (hg. mit Richard Hölzl, 2014).

Lesung „Böll & Hofstätter“ – Peter Bichsel

10. November 2017
20:00 Uhr

Filmhaus Saarbrücken
Mainzerstraße 8
66111 Saarbrücken

Peter Bichsel wurde am 24. März 1935 in Luzern geboren und wuchs als Sohn eines Handwerkers ab 1941 in Olten auf. Am Lehrerseminar in Solothurn ließ er sich zum Primarlehrer ausbilden. 1956 heiratete er die Schauspielerin Therese Spörri († 2005). Er ist Vater einer Tochter und eines Sohnes. Bis 1968 (und ein letztes Mal 1973) arbeitete er als Primarlehrer. 1964 wurde er mit seinen Kurzgeschichten in Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen auf einen Schlag bekannt; die Gruppe 47 nahm ihn begeistert auf und verlieh ihm 1965 ihren Literaturpreis. Zwischen 1974 und 1981 war er als persönlicher Berater für Bundesrat Willi Ritschard tätig, mit dem er befreundet war. Mit dem Schriftsteller Max Frisch war er bis zu dessen Tod 1991 eng befreundet. Er ist seit 1985 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Bichsel lebt in Bellach bei Solothurn.