Studienreise Irland im Heinrich-Böll-Jubiläumsjahr

„100 Jahre Heinrich Böll“. Auch in diesem Jahr unternehmen wir eine Studienreise nach Irland und wandeln zusammen mit namhaften Autoren auf den Spuren von Heinrich Böll. Natürlich machen wir auch auf Achill Island Stopp und besuchen dort die Böll-Cottage, wo u.a. Michael Augustin, Peter Wawerzinek, Judith Herrmann und Sean Lysaght lesen werden.

Das genaue Programm sowie Preise und Annmeldeformalitäten erfahren Sie hier.

Lesung „Böll & Hofstätter“ – Eva Menasse „Tiere für Fortgeschrittene“

 

10. Mai 2017
20:00 Uhr

Filmhaus Saarbrücken
Mainzerstraße 8
66111 Saarbrücken

 

»Wer die Welt so anlächelte, musste eine Schraube locker haben. Oder ein Schutzblech zu wenig über der Seele.«
Raupen, die sich ihr eigenes Grab schaufeln, Haie, die künstlich beatmet werden, Enten, die noch im Schlaf nach Fressfeinden Ausschau halten, Schafe, die ihre Wolle von selbst abwerfen. Jede von Eva Menasses Erzählungen geht von einer kuriosen Tiermeldung aus und widmet sich doch ganz der Gattung Mensch. Wie in ihrem ersten, hochgelobten Erzählungsband »Lässliche Todsünden« studiert sie ihre Objekte mit einem liebevollen und unerbittlichen Forscherinnenblick.
Ein alter Despot, der sich gegen jede Veränderung wehrt, kann nicht verhindern, dass die Demenz seiner Frau auch die eigene Vergangenheit löscht. Einer engagierten Mutter, die ein muslimisches Kind gegen Anfeindungen in Schutz nimmt, verschwimmen schließlich selbst die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch. Eine Frau realisiert, wie sehr das Schicksal ihres Vaters sie geprägt hat, in ihren Marotten ebenso wie in ihren tiefsten Ängsten. Und eine Gruppe handverlesener Künstler und Wissenschaftler probt in südländischer Gluthitze eine groteske Revolution.
Jahrelang hat Eva Menasse Tiermeldungen gesammelt, die ihr, wie umgekehrte Fabeln, etwas über menschliche Verhaltensweisen zu verraten schienen. Wer daran Vergnügen hat, kann teilhaben am Gestaltungsprinzip ihrer Erzählungen, indem er Mustern und Motiven nachspürt. Alle anderen Leser werden sich, wie bei Menasses bisherigen Büchern, von ihrem erzählerischen Talent mitreißen lassen, einer Mischung aus pointiertem Witz, Geheimnis und melancholischem Ernst.

Eva Menasse, geboren 1970 in Wien, lebt seit 2003 als freie Schriftstellerin in Berlin. Ihr Debütroman »Vienna« sowie ihre folgenden Erzählungen und Essays waren bei Kritik und Lesern ein großer Erfolg. Für ihren Roman »Quasikristalle« wurde sie mit dem Gerty-Spies-Literaturpreis, dem österreichischen Alpha-Literaturpreis sowie dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln ausgezeichnet. 2015 war sie Stipendiatin der Villa Massimo in Rom und erhielt für ihr bisheriges Werk den Jonathan-Swift-Preis für Satire und Humor.

 

»Keine Theorie, echtes Leben. Mal anrührend, mal mit bösem Witz, immer in hinreißender Sprache erzählt. Großartig.«

taz, zeozwei Magazin

 

»sehr vergnüglich […] und pointiert«

Frankfurter Rundschau

 

»Eva Menasse ist eine grandiose Beobachterin […]. Es sind lesenswerte Geschichten und es gibt viele Sätze, die man sich am liebsten gleich aufschreibt!«

MDR Kultur

 

»Sehr elegant gemacht, sehr raffiniert […] Eine Empfehlung!«

hr2 Kultur

 

»Stilistisches Virtuosinnentum mischt sich da mit galligem Humor und einem scharfen, nachgerade vivisektorischen Blick für die grotesken Seiten des Daseins.«

ORF Ex Libris

 

»Acht runde gehaltvolle Geschichten. Und wie alle guten Erzählungen verweisen sie auf ein größeres, längeres und komplexes Geschehen, in das die handelnden Personen verstrickt, in dem sie gefangen, von dem sie geprägt sind.«

rbb Kulturradio

Lesung mit Zwischenmusiken „Nautische Traumwelten: Das Ding Erinnerung“ – Mit Alfred Gulden, Christof Thewes und dem „Modern Chamber Trio“

17. Mai 2017
19:00 Uhr

Politische Akademie
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

Gulden / Thewes feat. Modern Chamber Trio
Nautische Traumwelten: Das Ding Erinnerung

(mit Alfred Gulden: Stimme/Texte; Christof Thewes: Posaune/Komposition; Claudia Hahn: Flöte; Julien Blondel: Cello)

Die Erinnerung ist niemals bloß ein reines, ungefiltertes Abbild vergangener Ereignisse und Impressionen. Sie wird stets getrübt, verzerrt, beschönigt, kurzum konstruiert von der sich erinnernden Person. In der künstlerischen Zusammenarbeit des Schriftstellers Alfred Gulden und des Musikers Christof Thewes steht eben jene gefühlsmäßige Beeinflussung der Erinnerung im Fokus. Die Grenzen zwischen der Musik und dem gesprochenen Wort werden dabei aufgehoben, wenn beide Genres nicht gar eine vollständige Symbiose eingehen: Einem vorgetragenen Gedicht folgt stets ein instrumentales Musikstück. Dem Zuhörer bleibt dabei ein persönlicher Spielraum, abhängig von seinen sich einstellenden Gefühlen zum Gehörten, woran er sich „zurückerinnert“. Die Künstler möchten dem Publikum an diesem Abend ein sinnliches Erlebnis bieten, das ihm die individuelle Bewusstseinserweiterung ermöglicht, hervorgerufen durch das Zusammenspiel beider Kunstformen miteinander.

in Kooperation mit der Stiftung Demokratie Saarland.

Gulden / Thewes / Modern Chamber Trio
Was durch die jahrelange Zusammenarbeit zwischen dem Schriftsteller Alfred Gulden und dem Komponisten Christof Thewes entstanden ist, lässt sich wohl am besten als eine Art „Sprach-Musik“ beschreiben. Dabei erhalten Stilrichtungen wie Free Jazz ebenso wie der Experimentalsong oder der reine Klang und Rhythmus des Sprechens Einzug in die Improvisationen und Kompositionen des Duos, dessen Aufführungen nicht selten von visuellen und theatralischen Elementen begleitet werden.

Das Musikensemble Modern Chamber Trio unter der Leitung von Christof Thewes, zu dem Julien Blondel und Claudia Hahn gehören, setzt musikalisch ausschließlich die Originalkompositionen seines Leiters um. Das überregional bekannte Künstlertrio verleiht seinen freigeistigen und komplexen Stücken durch eine lebendig vorgetragene Interpretation den Charakter einer Spielmusik.

Vortrag – Sonja Brasch „Männer unter sich. Zu Entstehung, Struktur und Ideologie von Männerbünden“

Montag, 29.05.2017 um 20:00 Uhr

Nauwieser 19

66111 Saarbrücken

Männer unter sich

Zu Entstehung, Struktur und Ideologie von Männerbünden.

„Wir sind einfach gerne unter uns!“ So oder so ähnlich klingen gern die Reaktion auf Kritik an männerbündischen Strukturen. Doch Männerbünde sind kein Ergebnis natürlicher Gruppenbildung, sondern vielmehr Ausdruck der patriarchalen Struktur der Gesellschaft. Woher sie kommen und was Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Fußballmannschaften und Burschenschaften sind, darum soll es an diesem Abend gehen.

Sonja Brasch ist Mitarbeiterin der Zeitgeschichtlichen Dokumentationstelle in Marburg und beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit feministischer (Antifa-)Politik.

Ein Vortrag organisiert von Finit in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Saar und der Rosa-Luxemburg-Stiftung/Peter-Imandt-Gesellschaft.

Vortrag – Andrei Steven Markovits „Donald Trump – sein Aufstieg zum ersten postmodernen Präsidenten“

13. Juni 2017
18:00 Uhr

Politische Akademie
Europaallee 18
66113 Saarbrücken

 

Einer der wichtigsten Charakteristika der universitären und akademischen Linken im Laufe der 70er Jahre und den Dekaden danach war das Hochhalten der Postmoderne, des sogenannten Post-Strukturalismus: Es gibt keine Fakten, keine Wahrheiten, alles ist nur Schein, alles Text, persönliche Meinung, ein Narrativ – hoch lebe die Relativierung! Und jetzt haben wir genau solch eine postmoderne Figur im Weißen Haus, für die alles nur Schein ist, für die es keine definitiven Werte gibt, für die ihre Eitelkeit die einzige Koordinate ist.

Donald Trump ist sui generis. Ein Programm der Beliebigkeit hat ihn ins Weiße Haus gebracht. Man kann ihn vielleicht nur mit Silvio Berlusconi vergleichen, aber er unterscheidet sich mehr von diesem, als dass er ihm tatsächlich gleicht. Trump ist weder Reagan noch Schwarzenegger – in der politischen Landschaft der Bundesrepublik Deutschland ist er am ehesten mit Franz Josef Strauß zu vergleichen, obwohl auch dieser Vergleich mehr kaschiert als erläutert. In seinem Vortrag wird Andrei S. Markovits das Phänomen „Trump“ und seine Motivationen beleuchten. Dazu zählen auch die bis vor kurzem als undenkbar geltenden Allianzen zwischen CIA, NSA, FBI und der amerikanischen Linken und der Demokratischen Partei – sowie der Russen mit den amerikanischen Rechten.

In Kooperation mit der Stiftung Demokratie Saarland.

 

 

Prof. Andrei S. Markovits (Univ. of Michigan, USA)

Prof. Andrei Steven Markovits

geb. 1948 in Timișoara (Rumänien), ist ein amerikanischer Politikwissenschaftler und Soziologe. Seit 1999 ist er Karl W. Deutsch Collegiate Professor of Comparative Politics and German Studies an der University of Michigan in Ann Arbor (USA). Im März 2009 verlieh ihm die University of Michigan zudem den Arthur F. Thurnau Lehrstuhl als Auszeichnung für seine Verdienste in der Lehre und der Unterstützung der Studierenden an der University of Michigan. Als Redner ist er nicht nur in den USA unterwegs, sondern auch in Europa, vor allem in Deutschland und Österreich. Er forscht und publiziert zu jüdischer Geschichte, Israel, Antiamerikanismus, Antisemitismus, neuem Antisemitismus, Rechtsextremismus, deutscher und europäischer sowie amerikanischer Politik und Gesellschaft, Gewerkschaften, sozialem Wandel hochindustrialisierter Gesellschaften und in letzter Zeit vermehrt zu Sport, namentlich Fußball. Zu seinen Publikationen zählen u.a. „Grün schlägt Rot: Die deutsche Linke nach 1945“ (1997), „Amerika, dich haßt sich’s besser: Antiamerikanismus und Antisemitismus in Westeuropa“ (2004) oder „Sport: Motor und Impulssystem für Emanzipation und Diskriminierung“ (2011).