Ausschluss von Frauen an der Berliner Hochschule für Bildende Künste durch Anton von Werner

Von Erich Später

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Anton von Werner, dem das historische Museum in Saarbrücken eine aufwendige Ausstellung seiner Saarbrücker „Kriegsbilder“ widmet, war nicht nur 40 Jahre der Hofmaler der Hohenzollerndynastie. Er war auch ein mächtiger Kulturpolitiker des 1871 gegründeten Kaiserreichs, der alles dafür tat in seinem Bereich die zutiefst ungerechte gesellschaftliche Ordnung der Monarchie zu verteidigen.
Besonderen Wert legte er darauf, Frauen von der zentralen Berliner Hochschule für bildende Künste, deren Direktor er über vierzig Jahre war, fernzuhalten. Frauen konnten seiner Ansicht nach nicht kreativ sein. Im Jargon der Zeit wurden sie abfällig als „Malweiber“ tituliert. Der Zugang zu Ausstellungen und die Möglichkeit, mit ihrer Kunst auch Geld zu verdienen, wurden systematisch verhindert.
Wir dokumentieren ein Gesuch von 92 Künstlerinnen aus dem Jahr 1904 – darunter auch Käthe Kollwitz – an den Direktor Anton von Werner welches darum bittet, die Hochschule auch für Frauen zu öffnen. Die Bemühungen blieben erfolglos. Werner und sein Mentor Wilhelm II. titulierten den sozialkritischen Expressionsismus von Käthe Kollwitz als „Rinnsteinkunst“. Auch der wachsende Protest der Frauen in den nächsten Jahren änderte nichts an ihrer Einstufung als minderwertige Menschen. Erst der Sturz der Monarchie im November 1918 durch den revolutionären Aufstand eröffnete den Frauen den Zugang zur Berliner Kunsthochschule. Erste und über lange Zeit einzige Professorin wurde Käthe Kollwitz im Jahr 1919.

Käthe Kollwitz um 1906, Philipp Kester