Dienstag, 16.06.2026 / 20.00 Uhr
Sparte 4 / Eisenbahnstraße 22 / 66111 Saarbrücken
Sich wehren! Eine Frau ergreift das Wort: Vorstellung des Buchs von Max Aub: Ich will keinen Trost von niemandem (Neofelis Verlag).
Gespräch: Albrecht Buschmann (Herausgeber), Stefanie Gerhold (Übersetzerin, Herausgeberin), Ulf Schmidt (Chefdramaturg Saarländische Staatstheater)
Es liest: Martina Struppek
Wien 1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs. Die Jüdin Emma lebt nach der Enteignung ihrer Wohnung nur noch geduldet in der Dachkammer ihres Hauses und schlägt sich als Putzfrau eines Theaters durch. Als Zeitzeugin wider Willen beobachtet sie die Verrohung, zu der ehemals freundliche Nachbarn und Mitmenschen plötzlich fähig sind. Und allmählich verwandelt sich die Trauer um ihren in Dachau ermordeten Mann Arnolf und den ungeklärten Tod ihres in Spanien umgekommenen Sohnes Samuel in kalte Wut, mit der sie, zuvor völlig unpolitisch, nun widerstehen will.
Max Aub – Sohn deutsch-französischer Eltern, in Paris geborener, in Spanien aufgewachsener jüdischer Schriftsteller und Dramatiker, schrieb diesen Monolog 1939 auf der Flucht in Paris auf Spanisch und rettete ihn durch Kriegs- und Lagerjahre ins mexikanische Exil. Der zugleich berührende und hellsichtig vorausschauende Text schildert, wie rasch durch Hass und andauernde Hetze würdiges Leben unmöglich wird.
Eine Kooperation des Saarländischen Staatstheaters mit dem Käte Hamburger Kolleg CURE, mitveranstaltet von der Stiftung Demokratie Saarland, Synagogengemeinde Saar, Heinrich Böll Stiftung Saar, Institut für Romanistik der UdS.
Eintritt: 5 € / Studierende: Eintritt frei
Vorverkauf: Saarländisches Staatstheater

Max Aub Mohrenwitz wurde am 2. Juni 1903 in Paris geboren, als erstes von zwei Kindern des deutschen Kaufmanns Friedrich Aub und der Französin Susanne Mohrenwitz; die jüdische Herkunft der Eltern spielte im Familienalltag keine Rolle. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs musste die Familie Frankreich verlassen und übersiedelte nach Spanien. Seitdem war Valencia, wo Aub 1920 das Abitur ablegte, seine Wahlheimat. Zunächst reiste er als Handelsvertreter durch Spanien, begann zu schreiben und suchte den Kontakt zu literarischen Zirkeln in Barcelona und Madrid. 1924 nahm Aub die spanische Staatsbürgerschaft an, in dieser Zeit erschienen auch seine ersten Bücher. Mit der Ausrufung der Spanischen Republik (1931) trat er als Dramatiker und Theaterleiter hervor, zu Beginn des Bürgerkriegs ging er 1936 als Kulturattaché nach Paris, wo er Pablo Picasso mit dem Gemälde Guernica beauftragte, erstmals ausgestellt im Pavillon der Spanischen Republik der Pariser Weltausstellung 1937. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er mehrmals in französischen Konzentrationslagern interniert, auch in Nordafrika, bis ihm 1942 Flucht und Überfahrt nach Mexiko gelangen; erst 1946 konnten Aubs Frau und die drei Töchter aus Spanien ausreisen und ihm nach Mexiko folgen. Im Exil arbeitete er in zahlreichen Brotberufen bei Zeitungen, Filmstudios sowie an der mexikanischen Nationaluniversität UNAM. 1955 nahm er sie mexikanische Staatsbürgerschaft an, es folgten zahlreiche Reisen in die USA, nach Europa und Israel, wo er 1966/67 in Jerusalem an der Hebrew University das Institut für lateinamerikanische Literatur mit aufbaute. Erst 1969 durfte er wieder spanischen Boden betreten.
Die mehrfache Fluchterfahrung sowie die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts bestimmten Aubs Leben und sein literarisches Werk. Während die frühen Einakter noch in den klassischen Avantgarden fußen, entwickelte er sich später zum realistischen Erzähler, mit dem Spanischen Bürgerkrieg als zentralem Thema; ihm widmete er den sechsteiligen Romanzyklus Das magisches Labyrinth. Sein Werk umfasst Gedichte, Essays, experimentelle Texte sowie zahlreiche Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Max Aub starb am 22. Juli 1972 in Mexiko-Stadt.
Albrecht Buschmann (*1964) ist Professor für spanische und französische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Rostock und derzeit Gastwissenschaftler am Käte Hamburger-Kolleg CURE (Saarbrücken). Zusammen mit Stefanie Gerhold übersetzte er Max Aubs Romanzyklus Das Magische Labyrinth (Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft 2003). Seine Forschung widmet sich der Kulturgeschichte des Literaturübersetzens, der literarischen Darstellbarkeit von Gewalterfahrung und der Literatur des republikanischen Exils. Er lebt in Berlin.
Stefanie Gerhold (*1967) ist Autorin und Übersetzerin. Sie hat zahlreiche Prosa- und Bühnenwerke aus dem Spanischen ins Deutsche übertragen. Für die Übersetzung von Max Aubs Romanzyklus Das Magische Labyrinth erhielt sie zusammen mit Albrecht Buschmann 2003 den Übersetzerpreis der Spanischen Botschaft. 2023 wurde ihre Übertragung des Stücks Himmelweg von Juan Mayorga mit dem Eurodram-Preis ausgezeichnet. Ihr Werk als Autorin umfasst Essays zum literarischen Übersetzen, das Hörspiel Come Back (DRadioKultur 2013) und den Roman Das Lächeln der Königin (Galiani 2024). 2025 erhielt sie das Adalbert-Stifter-Stipendium. Sie lebt in Berlin.

Max Aub: Ich will keinen Trost von niemandem
hrsg. von Albrecht Buschmann / Stefanie Gerhold
aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold
Softcover, 13,5 x 21 cm, 104 Seiten
Erscheinungsdatum: 15.06.2026
ISBN: 978-3-95808-523-7
12,00 €

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