Arbeiten und Klappe halten? – Organisieren gegen Ausbeutung

Donnerstag, 23. Januar 2020 / 19.00 Uhr
AStA-Freiraum / Gebäude A 4 / Universität des Saarlandes

Vortrag und Diskussion mit der alternativen Frankfurter Gewerkschaft unter_bau.

Die Universität ist ein Ort geworden, welcher durch prekäre Arbeitsverhältnisse bestimmt wird: Befristungen, miese Löhne, unbezahlte Überstunden, massive Arbeitsbelastung und ständige Job-Unsicherheit sind Alltag an deutschen Hochschulen. Dennoch ist die gewerkschaftliche Organisation an Universitäten unterdurchschnittlich, es gibt kaum Tarifverträge und auch kaum umfassende Proteste gegen diese Verhältnisse. Die dauerhafte Unterfinanzierung des Hochschulsystems scheint bei manchen eher noch Dankbarkeit zu erzeugen, überhaupt eine Stelle zu bekommen. Dabei ist es längst an der Zeit sich zu wehren und dies vor allem organisiert und auf eine solidarische Weise zu tun.
Das dies auch außerhalb der bürgerlichen Sozialpartnerschaft geht beweisen Initativen wie die alternative Gewerkschaft unter_bau aus Frankfurt. Wie Organsiation gegen prekäre Verhältnisse an der Uni funktionieren kann möchten wir deswegen gemeinsam mit dem unter_bau und euch diskutieren. Kommt vorbei!
Im Anschluss ein Vorstellungstext von der Gewerkschaft unter_bau:

Selbstverständnis
Arbeitsbedingungen werden prekarisiert und Stellen abgebaut, Arbeiten outgesourct und Belegschaften gespalten, Zwang im Studium erhöht und kritische Inhalte verdrängt, die soziale Selektion verschärft und Bildung der Verwertung von Humankapital unterworfen… Weder die Vertretungen der Beschäftigten noch die Proteste von Studierenden konnten dem etwas entgegensetzen. Es fehlt ein organisatorisches Herzstück, welches die Kräfte und Kämpfe bündelt. Vor allem mangelt es an einer Gewerkschaftspolitik, welche die Machtstrukturen an den Hochschulen aufbricht, die jene Entscheidungen bedingen.

Macht von unten aufbauen
Grundsätzlich bedarf es einer Organisation, die Einfluss auf Alltag und Struktur der Hochschulen nimmt sowie Erfahrungen aus Kämpfen weitergibt – und das kontinuierlich. Wir orientieren uns dabei am Konzept einer inklusiven Basisgewerkschaft, wie es aus anderen Ländern bekannt ist. In ihr soll Platz sein für alle, die sich gegen die Verhältnisse wehren und sie überwinden wollen – unabhängig von ihrer Statusgruppe. Ob WiMis, Reinigungs- und Mensakräfte, Hilfskräfte, Lehrbeauftragte, Studierende oder Verwaltungsangestellte – wir brauchen eine föderale Gewerkschaft, in der die Basis koordiniert agiert.

Gewerkschaft anderen Typs
Unsere Vorstellungskraft reicht aus, um gewerkschaftliche Praxis auch jenseits der hierarchisch organisierten Sozialpartnerschaft zu denken. Die Gewerkschaftsbasis soll selbst über Aufgaben, Forderungen und Vorgehensweisen entscheiden. So soll ein Raum geschaffen werden, in dem wir uns ermächtigen und Solidarität miteinander üben. Dabei interessiert uns mehr als die Arbeitsbedingungen. Unser Ziel ist eine soziale Hochschule in basisdemokratischer Selbstverwaltung: Ihre Angehörigen sollen gleichberechtigt mitbestimmen, ihr Profil nicht von wirtschaftlichen Interessen bestimmt sein.

Blick über den Tellerrand
Als Beschäftige und Studierende an der Hochschule ist diese der Ausgangspunkt für unsere eigenen Kämpfe. Allerdings funktioniert sie nicht losgelöst vom Rest der Gesellschaft, deren Herrschaftsverhältnisse uns stets in Gestalt materieller Zwänge entgegenschlagen. Die Chancen auf eine soziale Neuausrichtung der Hochschule, ja des Bildungsbereiches generell erhöhen sich daher, wenn sich unsere Kämpfe mit denen in anderen Gesellschafts- und Lebensbereichen verbinden. Wir suchen daher aktiv den Kontakt mit anderen Initiativen, Netzwerken und Organisationen – lokal, überregional und international.

Link: https://unterbau.org/
Der Eintritt ist frei. Eine Kooperation mit der Linken Liste – SDS & Unabhängige Saar.