Buchvorstellung mit Hannes Heer und Christian Streit: „Vernichtungskrieg im Osten – Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik“

Freitag, 12. November 2021 / 18.00 Uhr
Stiftung Demokratie Saarland / Europaallee 18 / 66111 Saarbrücken

Als Hitler und die Spitzen der Wehrmacht den Krieg gegen die Sowjetunion planten, hielten sie diesen Krieg bereits für gewonnen. Aus der Überzeugung heraus, im Herbst 1941 den europäischen Kontinent bis zum Ural ohne Einschränkung zu beherrschen, wurden beispiellose Massenverbrechen geplant. Dazu gehörte der Plan, die Nahrungsressourcen des besetzten Ostens rücksichtslos zugunsten des deutschen Volks auszubeuten. Von vornherein war dabei klar, dass als Folge „zig Millionen Menschen verhungern“ würden. Weil der deutsche Angriff schon im Sommer 1941 stecken blieb, musste der Plan modifiziert und zumindest ein Teil der Menschen in den besetzten Gebieten so ernährt werden, dass sie arbeitsfähig blieben. Dennoch verhungerten Hunderttausende, vor allem in den großen Städten. Zu den Opfern zählten besonders die sowjetischen Kriegsgefangenen. Über drei Millionen, mehr als die Hälfte der etwa 5,7 Millionen, starben, die meisten verhungerten. Sie waren nach den Juden die größte Opfergruppe nationalsozialistischer Politik. Der Völkerrechtsgrundsatz, dass Kriegsgefangene menschlich zu behandeln sind, wurde verworfen. Ihr Schicksal unterschied sich fundamental von dem aller anderen Kriegsgefangenen, sie wurden ähnlich behandelt wie KZ-Häftlinge. Die geringfügigen Verbesserungen ihrer Behandlung waren ausschließlich von der Erkenntnis bestimmt, dass man ihre Arbeitskraft dringendst für die deutsche Rüstungsindustrie brauchte. Humanitäre Erwägungen spielten zu keinem Zeitpunkt eine Rolle.

 

Christian Streit, Jahrgang 1942. Studium der Geschichte und der Anglistik in Heidelberg und am Dartmouth College, Hanover, N.H., USA. Promotion 1977. Bis 2005 Gymnasiallehrer. Veröffentlichungen: Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941 – 1945, Stuttgart 1978, 4. Aufl. Bonn 1997.
Hannes Heer, Jg. 1941. Historiker, Filmregisseur, Ausstellungsmacher. Wissenschaftlicher Gestalter der Wehrmachtsausstellung (»Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944«), die als Wanderausstellung ab Mitte der 1990er Jahre zum ersten Mal die Kriegsverbrechen der regulären deutschen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs auch für eine breite Öffentlichkeit dokumentierte.

Das Buch von Hannes Heer und Christian Streit „Vernichtungskrieg im Osten – Judenmord, Kriegsgefangene und Hungerpolitik“
ist erschienen im VSA Verlag Hamburg,  2020 ISBN 978-3-96488-039-0
https://www.vsa-verlag.de/nc/buecher/detail/artikel/vernichtungskrieg-im-osten/

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Stiftung Demokratie Saarland.
Die Veranstaltung wird live gestreamt auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=VSoxaL3LzRI

Eintritt frei. Die Veranstaltung wird unter Berücksichtigung der aktuellen Schutzmaßnahmen gegen das Corona-Virus durchgeführt.

Plakat und Flyer zum Download als PDF

Literaturtipp: Zum Bombenanschlag auf die Saarbrücker Ausstellung „Vernichtungskrieg – Vernrechen der Wehrmacht“ im Jahre 1999, von unserem Geschäftsführer Erich Später in den Saarbrücker Heften Nr. 119. PDF Download

Videotipp: Das Ende vom Mythos der „sauberen Wehrmacht“ – Hannes Heer über die erste Wehrmachtsausstellung.

Auf Einladung der Stiftung Demokratie Saarland und der Heinrich-Böll-Stiftung Saar war im November 2015 der Publizist, Historiker und Ausstellungsmacher Hannes Heer zu Gast. Als Leiter der ersten Wehrmachtsausstellung ist es maßgeblich ihm zu verdanken, dass vor 20 Jahren die Kriegsverbrechen der Wehrmacht erstmals ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gerückt sind. Im Interview gibt Heer u.a. Auskunft über die Reaktionen auf die Ausstellung, das damalige gesellschaftliche Klima und den von Jan Philipp Reemtsma veranlassten Rückzug. Auch erinnert er sich an Saarbrücken und das bis heute unaufgeklärte Bombenattentat auf die Ausstellung vom 9. März 1999.