Filmvorführung: DAS MÄDCHEN – WAS GESCHAH MIT ELISABETH K.?

Montag, 21. November / 19:00 Uhr
Kino 8 1/2, Nauwieserstr. 19 / Saarbrücken

Udo Jürgens und die Fuflball-Nationalmannschaft singen am 8. Januar 1978 in einem Aufnahmestudio in Köln für eine Schallplatte mit dem Titel „Buenos Dias Argentina“ zur Weltmeisterschaft 1978 in Argentinien (Archivfoto). Der Song eroberte die Hitparade. dpa (zu dpa-Korr: Es macht wieder „bumm“ – Neue und alte Fuflballsongs in den Charts vom 23.03.2006) nur s/w +++(c) dpa – Bildfunk+++

D 2014, R: Eric Fiedler, B: Eric Fiedler, Silke Schütze, K: Thomas Schäfer, Sch: Sophie Kill, Besetzung: Paul Breitner, Hellmuth Karasek, Hildegard Hamm-Brücher, Klaus von Dohnanyi, Helmut Schön, Hermann Neuberger, 75 Min, Dokumentarfilm

Die preisgekrönte ARD-Dokumentation behandelt die skandalöse Fußball WM 1978 in Argentinien. Im Mittelpunkt des Films steht der Deutsche Fußball-Bund DFB und seine Kollaboration mit der argentinischen Militärjunta. Der Autor Eric Fiedler zeigt auch die politische und moralische Mitverantwortung des damaligen DFB-Präsidenten Hermann Neuberger bei der Ermordung der deutschen Staatsbürgerin Elisabeth Käsemann in einem Folterlager der Militärjunta. Bis heute ist Hermann Neuberger im Saarland hochgeehrt u.a. sind Schulen, eine Sportschule und ein Stadion nach ihm benannt.
Die Einführung in das Thema übernimmt Erich Später (Historiker und Geschäftsführer der Heinrich Böll Stiftung Saar).

Im Anschluss an dem Film wird es Gelegenheit zur Diskussion geben, auch ein Vertreter der Elisabeth Käsemann Stiftung wird dazu anwesend sein.

Wie unpolitisch darf Sport sein?

Argentinien, 1977. Die Menschen leiden unter der Militärdiktatur, Regimekritiker werden zu Tausenden verschleppt, gefoltert, getötet. Auch die in der Hauptstadt Buenos Aires lebende deutsche Studentin Elisabeth Käsemann verschwindet im März unter mysteriösen Umständen. Die alarmierten Eltern wenden sich vergeblich an das Auswärtige Amt. Die idealistische Professorentochter arbeitet als Sozialarbeiterin in den Slums. Als die Militärs 1976 putschen, schließt sie sich einem Netzwerk an, das vom Regime Verfolgte mit gefälschten Papiere außer Landes bringt. Und sie verliebt sich in den linken Journalisten Sergio Bufano. Er kann fliehen – mit dem letzten gefälschten Ausweis, den Elisabeth Käsemann fertigt. Am 8. März 1977 wird sie selbst in ein Folterlager verschleppt. Die westdeutsche Regierung unter Helmut Schmidt sieht ein Jahr vor der Fußball-WM in Argentinien beim Ausrichter und wichtigen Wirtschaftspartner von jeglicher Intervention ab. Auch der Deutsche Fußballbund verschenkt die Chance, die junge Frau zu retten. Obwohl der Fall seit April in deutschen Medien bekannt ist, reist die Elf im Mai 1977 nach Argentinien. Während Elisabeth Käsemann in Buenos Aires gefoltert und vergewaltigt wird, bereitet sich die deutsche Fußballnationalmannschaft auf ein Freundschaftsspiel vor. Mit diesem Spiel wollen die argentinischen Diktatoren der Welt die Sicherheit im Land des WM-Gastgebers demonstrieren und allen Vorwürfen wegen Menschenrechtsverletzungen entgegentreten. Einer der wichtigsten Partner dabei ist die Bundesrepublik, die mit der Militärdiktatur gute Geschäfte macht.

Am 25. Mai 1977 wird Elisabeth Käsemann von der Junta hingerichtet. Am 5. Juni läuft die deutsche Elf in Buenos Aires auf und entscheidet das Spiel mit 3:1 für sich. Erstmals äußern sich mit dem Fall Elisabeth Käsemann befasste Politiker wie die damaligen Staatsminister Hildegard Hamm-Brücher und Klaus von Dohnanyi, Sportler wie Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner oder Sepp Maier sowie Überlebende und Zeitzeugen des Terrorregimes zu den Geschehnissen. So äußert sich auch der zu 22 Jahren Gefängnis verurteilte Gefängniswärter des illegalen KZ »El Vesubio«, Roberto Zeolitti, zu der Frage über Schuld und Verantwortung und einem Mord, der hätte verhindert werden können. Warum weist die deutsche Regierung bis heute jede Verantwortung zurück? Und: Wie unpolitisch darf Sport sein? Der neue Dokumentarfilm des mehrfachen Grimmepreisträgers Eric Friedler stellt Fragen von beklemmender Brisanz. (daserste.de).

Brillanter investigativer (Fernseh-)Dokumentarfilm, der über den tragischen Fall hinaus Fragen nach der Verantwortung von Politik und Sport bei der Vergabe von Großveranstaltungen an totalitäre Staaten stellt. (filmdienst.de)

 

Einführung: Erich Später, Heinrich-Böll-Stiftung Saar. Im Anschluss Diskussion mit einem Vertreter der Elisabeth Käsemann Stiftung.