ABGESAGT: Klaus Gietinger Film 4: Schön war die Zeit

Diese Veranstaltung ist wegen Coronavirus abgesagt!

Donnerstag, 16. April 2020 / 20 Uhr
Kino achteinhalb / Nauwieserstr. 19 / 66111 Saarbrücken

Spielfilm über den Wiederaufstieg eines Naziregisseurs und den Untergang des Provinzkinos, BRD 1988, 101 Minuten

Ein Filmvorführer in der Provinz und ein Nazi-Filmregisseur in der Stadt. Ihre Geschichte von 1945-1962. Während der eine wieder Karriere macht, erlebt der andere den Untergang des Kinos. Das Fernsehen schafft schließlich beide. Kameramann Bauer ist der Dritte. Das Lachen ist ihm jedoch vergangen.

Mit: Gottfried John, Edgar Selge, Ottfried Fischer, Eva Blasczyk, Joachim Bernhard, Christian Hoening, Jessica Kosmalla, Jockel Tschiersch u. v. a.
Buch: Klaus Gietinger, Regie: Klaus Gietinger und Leo Hiemer;
Kamera: Marian Czura; Ton: Kurt Eggmann; Ausstattung: Anna Prankl; Licht: Holly Fink.
Produktion: WAF, SR, Maran-Film, Bob-Arnold-Film. Förderung: FFA, Bayern, MFG, BMI; Prädikat: Wertvoll! Preis der Filmjury des A-Festivals in Gijon, Spanien

„Ein Film der das Unterhaltsame nie über dem authentisch Rekonstruierten übersieht.” Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.11.1988.
„Es würde mich nicht wundern, wenn ein Kinogeher demnächst mit dem nassen Schwamm auf die Leinwand zielen würde.” Die Zeit, irgendwann im November 1988.
„Eine Parabel über den Willen zur Vergeßlichkeit, die an Dichte und Einfallsreichtum ihresgleichen suchen könnte.” Frankfurter Rundschau vom 24.11.1988.

Eintritt: 5 Euro

ABGESAGT: Klaus Gietinger Film 3: Daheim sterben die Leut‘

Diese Veranstaltung ist wegen Coronavirus abgesagt!

Dienstag, 31. März 2020 / 20 Uhr
Kino achteinhalb / Nauwieserstr. 19 / 66111 Saarbrücken

Kultfilm über einen Allgäuer Rebell, BRD 1985, 95 Minuten

Der sture Bauer HANS ALLGEIER wehrt sich mit allen Mitteln gegen eine neue Fernwasserleitung des LANDRATS STROBEL, die ALLGEIERS Existenz gefährdet. Während sein SOHN nur Augen für eine schöne URLAUBERIN aus dem Norden hat, nutzt Bauer ALLGEIER die schwarze Magie des Gesundbeters GUGGEMOOS und richtet damit manches Unheil an. Mehrfach erscheint der TEUFEL. Am Schluss ist nichts mehr wie es war und das Ende der Tradition gekommen.

Mit: Walter Nuber, Luise Zodel, Norbert Hauber, Anni Rapps, Jockel Tschiersch, Heribert Weber, Leo Hiemer u. v. a.
Buch und Regie: Klaus Gietinger/Leo Hiemer; Kamera: Marian Czura; Ton: Kurt Eggmann;
Produktion: WAF; Förderung: Kuratorium Junger Deutscher Film; Fernsehen: Abgelehnt; Prädikat: Wertvoll; nominiert zum Deutschen Filmpreis 1986; Goldenes Einhorn Alpinale 1985;  Goldene Filmspule der Linse Weingarten.

„Das Allgäu liegt näher als man denkt” Göttinger Tageblatt vom 8.5.1985.
„Ein nach allen Regeln der Filmkunst gedrehtes Stück Regional-Kino” Der Spiegel vom 29.4.1985.
„Hintergründige Mixtur aus Politik, Sozialstruktur, Aberglauben, Alt-Bauern-Charme und freier Liebe” Münchner Abendzeitung vom 11.10.1985.
„Ein kaleidoskopartiger Film voll Skurrilität, Groteske und Bissigkeit. – Sehenswert” Katholischer Filmdienst vom 30.10.1985.
„Ein reines Vergnügen” Frankfurter Allgemeine Zeitung 1985.
„Hinreißende Komödie” Süddeutsche Zeitung vom 11.8.1988.
„One of the best regional films of the season” Variety (USA) vom 19.2.1986.
„…gegen Kirche, Staat und Autorität. In beleidigender Weise degoutant.” Aus der Ablehnungsbegründung der Filmförderungsanstalt (FFA) von 1983.
„Da sage noch einer, wir Deutschen könnten keine Komödien machen.” Der damalige Bundesinnenminister Zimmermann (CSU), in seiner Rede zur Verleihung des Deutschen Filmpreises 1986.
Durfte beim Max-Ophüls-Preis nur außer Konferenz laufen. Begründung des Leiters Albrecht Stubbi (1985): „Zu alt!“.

Eintritt: 5 Euro

 

ABGESAGT: Klaus Gietinger Film 2: Land der Räuber und Gendarmen

Diese Veranstaltung ist wegen Coronavirus abgesagt!

Donnerstag, 19. März 2020 / 20 Uhr
Kino achteinhalb / Nauwieserstr. 19 / 66111 Saarbrücken

Die UdSSR verkauft die DDR an die BRD (Vision des Films von 1982)

Kleines Fernsehspiel über den langen Arm des Faschismus, BRD 1982, 92 Minuten

Experimenteller Spielfilm, der munter Spiel, Doku- und Trickfilmszenen durcheinander wirbelt (Schwabenspiegel 1982).
Eine Allgäuer Familie 1980. HELMUT, der Sohn will den Kriegsdienst verweigern, seine erste Liebe, CHRISTA wird schwanger. Sein ONKEL kehrte traumatisiert aus dem Krieg zurück und
sitzt in der Klapse. Die OMA hält den ganzen Laden zusammen und liest Alexander Kluge. Dem Moderator ALEXANDER DUMMELE gelingt es allerdings nicht den Film zusammenzuhalten,
deswegen übernimmt die OMA, nachdem sie gestorben ist die Oberleitung und fliegt über das Modell Deutschland, während Willy Birgel für letzteres reitet. Stukas stürzen ab, die DDR wird verkauft und Alexander Newski lässt die deutschen Ordensritter im Eis versinken. CHRISTA haut ab. Der ONKEL hat es vor.

Mit: Walter Nuber, Anna Starke, Anke Günzel, Peter Krammer, und als Gast Willy Birgel.
Buch: Klaus Gietinger, Regie: Klaus Gietinger, Leo Hiemer.
Kamera: Marian Czura. Ton: Kurt Eggmann.
Produktionsleitung: Georg Siemoneit, Georg Veit. Produktion: Westallgäuer Filmproduktion (WAF, Klaus Gietinger, Leo Hiemer, Georg Veit, Fritz Günthner) / ZDF.

„Regierung in Sorge um Ansehen der Hauptschule” Begründung des Drehverbots in der Schule des Autors durch die Regierung von Schwaben, Der Westallgäuer vom 22.7.1981.
„Erstaunlich souverän, wie die jungen Filmemacher mit dem Medium umgehen.” Augsburger Allgemeine vom 9.4.1982.
„Ein filmischer Spaß mit aberwitziger Konfrontation von Heimatbildern und Faschismus” Frankfurter Rundschau 9.4.1982.
„An diesem Film war nichts, aber auch gar nichts, was die Bezeichnung ‚Qualität´ verdient hätte” Allgemeine Deutsche Sonntagszeitung 11.4.1982.
„Politporno” Medienbeobachter der CSU, Mai/1982.
Abgelehnt beim Ophüls-Preis. Begründung des Leiters Albrecht Stubbi (1982): „Zu alt!“.

Eintritt: 5 Euro

 

Klaus Gietinger Film 1: Lond it luck

Mittwoch, 4. März 2020 / 20 Uhr
Kino achteinhalb / Nauwieserstr. 19 / 66111 Saarbrücken

Aus der Geschichte des Allgäuer Bauernkrieges, BRD 1980, 100 Minuten

No-Budget-Spielfilm mit Laien, Schlacht- und Massenszenen, nach wahren Ereignissen im Allgäu 1525. „Lond it luck“ ist Allgäuer Mundart und heißt soviel wie „Lasst nicht locker“.

1520. Der FÜRSTABT VON KEMPTEN presst seine Bauern bis zum Geht-nicht-mehr aus. MARIA, Frau eines todgeprügelten Bauern, verliert die Hälfte ihrer Habe an den FÜRSTABT.
Der JUNGE PFAFFE bringt die Nöte der Bauern dem FÜRSTABT vor, der weist ihn brüsk ab. 1525. Der Druck auf die Bauern im Allgäu und am Bodensee ist so groß geworden, dass sie sich zu Christlichen Vereinigung zusammenschließen und mit dem FÜRSTABT verhandeln wollen. Die 12 Artikel werden verkündet. Der JUNGE PFAFFE flieht, schließt sich den Bauern an. Der Anführer der Allgäuer Bauern, der KNOPF ZU LEUBAS bittet den zur Leibeigenschaft gezwungenen SEBASTIAN mitzumachen, doch der lehnt ab. Die Bürgermeister von Kempten und Ravensburg verhandeln vergeblich mit dem FÜRSTABT. Gleichzeitig wird der TRUCHSESS VON WALDBURG zum Feldherren des Schwäbischen Bundes bestellt. Er soll gegen die Bauern vorgehen. Alle Verhandlungen scheitern, die Allgäuer stürmen das Schloss des FÜRSTABTES. Der TRUCHSESS, genannt der BAUERNJÖRG, zieht gegen die Lindauer. Deren Anführer fällt vor ihm auf die Knie und handelt einen Vertrag aus, der die Bauern spaltet. Der TRUCHSESS beginnt seinen Feldzug gegen die Aufständischen in ganz Deutschland. Schließlich kehrt er ins Allgäu zurück und schlägt die Allgäuer. Die Reste, darunter MARIA, der KNOPF und  SEBASTIAN, flüchten auf den Kohlenberg. Der TRUCHSESS lässt ihre Dörfer anzünden, die Feuer werfen in der Nacht ein gespenstisches Licht auf die Geflohenen… Noch heute leben die  Nachfahren des TRUCHSESS/BAUERNJÖRG als superreiche Großgrundbesitzer im Allgäu.

Drehbuch und Kamera: Klaus Gietinger, Regie: Klaus Gietinger, zusammen mit Leo Hiemer.
Produktion: Westallgäuer Filmproduktion (WAF, Klaus Gietinger, Leo Hiemer, Georg Veit und Günter Rudolph).
Mitarbeit: Günter Rudolph (Kamera), Ralph Ruhl (Ton), Georg Veit (Pyrotechnik).
Darsteller: Georg Veit, Klaus Gietinger, Leo Hiemer, Mechthild Stützle, Dieter Lattmann, Karl Häberle und ca. 150 Komparsen.

„Am Reichtum des heutigen Fürsten-Waldburg-Zeil, der riesige Ländereien, Wälder und Zeitungen besitzt, ist die damalige Machtstruktur noch gut ablesbar” Der Stern vom 30.4.1980, über die Dreharbeiten.
„Klassenkampf auf Schwäbisch” Archivrat des Fürsten von Waldburg-Zeil und Trauchburg in einem Leserbrief an die Schwäbische Zeitung vom 2.4.1980.

Eintritt: 5 Euro

Buchvorstellung: Kapp-Putsch

Dienstag, 18. Februar 2020 / 19.00 Uhr
Buchhandlung St. Johann / Kronenstr. 6 / 66111 Saarbrücken

Klaus Gietinger stellt sein neues Buch vor:
Kapp Putsch 1920 – Abwehrkämpfe – Rote Ruhrarmee

Pünktlich zum 100. Jahrestag rollt Klaus Gietinger die Geschichte des Militärputsches und der Abwehrkämpfe neu auf, liefert kaum bekannte Fakten. Es ist ein ungemein wichtiges, fast vergessenes Kapitel deutscher Geschichte: Der Versailler Vertrag verlangte 1920 die Reduzierung der Reichswehr und die Auflösung der konterrevolutionären Freikorps. Die Reichsregierung musste dem nachkommen. Daraufhin putschten die Freikorps. Wolfgang Kapp, Aufsichtsrat der Deutschen Bank, rief sich zum Reichskanzler aus. Die Reichsregierung floh, kurz vorher hatten die SPD-Mitglieder ihre Namen unter einen Generalstreik-Aufruf setzen lassen. Der größte Streik, den Deutschland je gesehen hat, folgte. Zahlreiche Reichswehr-Kommandeure  sympathisierten mit den Putschisten. Nach fünf Tagen mussten letztere aufgeben. Die Regierung kehrte in die Hauptstadt zurück. Inzwischen war es vor allem in den Industriegebieten Mitteldeutschlands und im Ruhrgebiet zu bewaffneten Kämpfen von Arbeitern gegen die Freikorps gekommen. Die wurden zurückgeschlagen. In Pott bildete sich eine Rote Ruhrarmee aus der SPD-, USPD- und KPD-Basis und den Syndikalisten, mit bis zu 80 000 Kämpfern. Teils waren Bürgerliche beteiligt. Man wollte eine Volkswehr, die Bestrafung der Putschisten und Sozialisierung. Regierungskommissar Carl Severing (SPD) schloss mit den Arbeitern ein Abkommen, das einige Zugeständnisse machte. Aber nicht nur General von Watter, der kommandierende Militär wollte kein Abkommen. Und die Freikorps, von denen die meisten schon das Hakenkreuz auf dem Stahlhelm trugen, bekamen jetzt von der geretteten Regierung freie Hand … Zeit, daran zu erinnern.

Der Referent Klaus Gietinger ist Autor, Regisseur und Sozialwissenschaftler, mehrere Kinofilme, zahlreiche TV-Movies, Serien und 7 Tatorte (Buch und Regie), diverse internationale Preise. Nominiert für den Grimmepreis 2018 für den Dokumentarfilm „Wie starb Benno Ohnesorg – Der 2. Juni 1967“. Zahlreiche Sachbücher und zwei Romane. Mehr Infos: www.gietinger.de

Klaus Gietinger: Der Kapp-Putsch,
1920 – Abwehrkämpfe – Rote Ruhrarmee
Schmetterling Verlag, Stuttgart, Februar 2020

Eintritt frei.

Zum Veranstaltungsflyer (pdf)

ABGESAGT: Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss liest

Diese Veranstaltung ist wegen Coronavirus abgesagt!

Freitag, 27. März / 20 Uhr
Camera zwo / Futterstraße 5-7 / 66111 Saarbrücken

 

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verlieh den Georg-Büchner-Preis 2019 an den Schriftsteller Lukas Bärfuss.
»Mit Lukas Bärfuss zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung einen herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus. In einer distinkten und dennoch rätselhaften Bildersprache, karg, klar und trennscharf, durchdringen sich nervöses politisches Krisenbewusstsein und die Fähigkeit zur Gesellschaftsanalyse am exemplarischen Einzelfall, psychologische Sensibilität und der Wille zur Wahrhaftigkeit. Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden seine Dramen und Romane stets neu und anders existentielle Grundsituationen des modernen Lebens. Es sind Qualitäten, die zugleich Bärfuss‘ Essays prägen, in denen er die heutige Welt mit furchtlos prüfendem, verwundertem und anerkennendem Blick begleitet.«

In seinem ersten Erzählband zeichnet Lukas Bärfuss eine irritierende Kartographie der Passionen. Die Fluchtpunkte in den Erzählungen von Lukas Bärfuss sind die Liebe und das Begehren. Objekt der Obsession kann dabei der Schwager sein, in den sich ein Mann verliebt. Oder die eigene, längst verstorbene Mutter, nach der sich ein Dramatiker sehnt und um die er trauert. Aber nicht nur Menschen können im Zentrum der Begierde stehen: So vergräbt einer der Protagonisten eine Alfa Romeo Giulia in seinem Garten. Ein weiteres Verbindendes dieser im Laufe von zwanzig Jahren entstandenen Erzählungen ist der immer wieder einfallende Zufall, die Willkür des Lebens, die das Leben von einem Moment auf den anderen plötzlich ändert. In zugleich sinnlicher als auch analytischer Sprache erzählt Lukas Bärfuss von Menschen, die aus den Routinen des Alltags herausgerissen werden und spürt dabei den Fragen nach, wie wir uns begegnen und nach welchen Vorlagen wir die Geschichten unserer Leidenschaften entwerfen. In zugleich sinnlicher wie analytischer Sprache gehen die Erzählungen Lukas Bärfuss‘ der Liebe und dem Begehren nach. Der erste Erzählband von Lukas Bärfuss!

Die Liebe und das Begehren in all ihren Spielarten sind die Fluchtpunkte in diesen Erzählungen von Lukas Bärfuss. Wie begegnen wir uns? Welche Sehnsüchte treiben uns um? Nach welchen Vorlagen entwerfen wir die Geschichten unserer Leidenschaften? Bärfuss zeichnet eine Kartographie der Passionen. Seine Geschichten handeln von Grenzerfahrungen, die wir mitten im Alltag machen können. Sie zeigen die Momente der Verwandlung.

Werke:
Die toten Männer. Novelle. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
Hundert Tage. Roman. Wallstein Verlag, Göttingen 2008
Koala. Roman. Wallstein, Göttingen 2014
Stil und Moral. Essays. Wallstein, Göttingen 2015
Hagard. Roman. Wallstein, Göttingen 2017
Krieg und Liebe. Essays. Wallstein, Göttingen 2018
Contact, gemeinsam mit Michael Günzburger, Edition Patrick Frey, Zürich 2018
Malinois. Erzählungen. Wallstein, Göttingen 2019

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Buchhandlung St. Johann und „Erlesen – Literaturtage im Saarland“.
Eintritt: 9,00 € / ermäßigt 5,00 €
Die Karten erhalten Sie in der Buchhandlung St. Johann, Kronenstraße 6, 66111 Saarbrücken, Tel.: 0681-95805464
oder über: buchhandlung.st.johann@t-online.de

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Buchvorstellung: Psychoanalyse und politische Ökonomie

Dienstag, 28. 01. 2020 / 19.00 Uhr
Buchhandlung St. Johann / Kronenstr. 6

Mit ihrer Streitschrift untersuchen Siegfried Zepf und Dietmar Seel die psychoanalytische Praxis und Ausbildung aus der Perspektive der marxistischen politischen Ökonomie. Aus dem Warencharakter psychoanalytischer Dienstleistung leiten die Autoren ab, dass Psychoanalytiker*innen als kleinbürgerliches „Mittelding zwischen Kapitalist und Arbeiter“ (Marx) aufzufassen sind. Ihr vorrangiges Interesse an der Tauschwertrealisierung ihrer Dienstleistungen führt dazu, dass sie auf sozialkritische Fragen verzichten und sich an die jeweils herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen anpassen. Kritisch betrachtet wird auch die zunftartige Organisation psychoanalytischer Ausbildungsinstitute, in denen die Kandidat*innen nicht mehr in Psychoanalyse ausgebildet werden, sondern in „analytischer Psychotherapie“ – der Form, in der sich ihr Tauschwert am besten realisieren lässt. In einer Kombination von Berufsschule und Priesterseminar erwerben die Ausbildungskandidat*innen eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Gebrauchswert ihrer Dienstleistung, gepaart mit einer Gleichgültigkeit gegenüber der Entwicklung der Psychoanalyse in eine wahrheitslose Pseudowissenschaft. In der Konsequenz verhindert die Suspendierung der Wahrheitsfrage jeden Zugewinn an Erkenntnis, Forschung mutiert in Werbeveranstaltungen im Dienste der Realisierung der ökonomischen Interessen.

Die derzeitig stattfindende Ausbildung führt dazu, dass die Ausbildungskandidaten weniger das eigene Unbewusste als Erkenntnisinstrument verstehen, sondern in einer „Art von Nacherziehung“ (Freud) zu einer spezifischen deformation professionelle neigen, gedeckt vom gesellschaftpolitisch-abstinenten Alltagsbewusstsein der Psychoanalytiker. Der Tauschwert der analytischen Psychotherapie kann so in gutem Einvernehmen der neoliberalen Ideologie realisiert werden.

Der Eintritt ist frei.

Siegfried Zepf, Univ.-Prof.em.Dr.med., ist Lehranalytiker und ehemaliger Direktor des Instituts für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universitätskliniken des Saarlandes.

Dietmar Seel, Dipl.-Psych,. ist als Psychoanalytiker in eigener Praxis in Saarbrücken niedergelassen.

Das Buch: „Psychoanalyse und politische Ökonomie – Kritik der psychoanalytischen Praxis und Ausbildung“ ist 2019 erschienen im Psychosozial-Verlag, Gießen.

Zum Veranstaltungsplakat (pdf)

Film und Diskussion: „Im inneren Kreis“

Donnerstag, 13. Februar  2020 / 19.00 Uhr
Kino 8 ½ / Nauwieser Str. 19 / 66111 Saarbrücken

Ist die Polizei außer Rand und Band oder sind verdeckte Ermittlungen ein notwendiges Übel?
Diese Frage stellten sich viele Menschen, nachdem allein in Hamburgs linker Szene drei Verdeckte Ermittlerinnen in eineinhalb Jahren mit großem Knall aufgeflogen sind. Zeit, sich einige Grundsatzfragen zum Verhältnis von Freiheit und Sicherheit ganz konkret zu stellen. Und das Spannungsfeld staatlicher Interessen und individueller Bürgerrechte genauer zu beleuchten. Edward Snowdens Enthüllungen über die NSA haben uns dafür sensibilisiert.
Wenn dann aber, wie im Fall der Iris P., Verdeckte Ermittler_innen alle Register ziehen und sogar Liebesbeziehungen zu Ausgeforschten eingehen, nimmt das Drama vor hochpolitischem Hintergrund seinen Lauf. Abstrakt scheinende politische und ethische Grundsatzfragen zum Verhältnis von Freiheit und Sicherheit werden ganz konkret und nah am Menschen gestellt. Darf der Staat in die Privat- und Intimsphäre von Menschen eindringen? Wie frei ist man, wenn es keinen Raum für Vertrauliches gibt? Wann ist Demokratie durch Überwachung gefährdet?
Die Undercover-Einsätze der Iris P. in Hamburg und des Simon B. in Heidelberg sind voller unglaublicher Wendungen und vereinigen grundsätzliche ethische und politische Themen und Fragen in sich. Und darüber hinaus hat der Film so viele spannende psychologische und soziale Facetten, fordert zum Perspektivwechsel heraus – hier Staat, da linke Aktivist_innen aus Hamburg und Heidelberg. Hier die Freiheit der Persönlichkeit, das Recht, andere Lebensformen zu wählen und da die postulierten Sicherheitsinteressen des Staates. Im Anschluss an den Film wird es eine Diskussion zum Thema u.a. mit einem der betroffenen Aktivisten aus Hamburg geben.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit: CriThink! e.V. – Gesellschaft zur Förderung des kritischen Denkens und Handelns, Peter Imandt Gesellschaft e.V., Antifa Saar / Projekt AK, ConnAct Saar, linksjugend [’solid] saarland, Kino 8 ½ Saarbrücken

Arbeiten und Klappe halten? – Organisieren gegen Ausbeutung

Donnerstag, 23. Januar 2020 / 19.00 Uhr
AStA-Freiraum / Gebäude A 4 / Universität des Saarlandes

Vortrag und Diskussion mit der alternativen Frankfurter Gewerkschaft unter_bau.

Die Universität ist ein Ort geworden, welcher durch prekäre Arbeitsverhältnisse bestimmt wird: Befristungen, miese Löhne, unbezahlte Überstunden, massive Arbeitsbelastung und ständige Job-Unsicherheit sind Alltag an deutschen Hochschulen. Dennoch ist die gewerkschaftliche Organisation an Universitäten unterdurchschnittlich, es gibt kaum Tarifverträge und auch kaum umfassende Proteste gegen diese Verhältnisse. Die dauerhafte Unterfinanzierung des Hochschulsystems scheint bei manchen eher noch Dankbarkeit zu erzeugen, überhaupt eine Stelle zu bekommen. Dabei ist es längst an der Zeit sich zu wehren und dies vor allem organisiert und auf eine solidarische Weise zu tun.
Das dies auch außerhalb der bürgerlichen Sozialpartnerschaft geht beweisen Initativen wie die alternative Gewerkschaft unter_bau aus Frankfurt. Wie Organsiation gegen prekäre Verhältnisse an der Uni funktionieren kann möchten wir deswegen gemeinsam mit dem unter_bau und euch diskutieren. Kommt vorbei!
Im Anschluss ein Vorstellungstext von der Gewerkschaft unter_bau:

Selbstverständnis
Arbeitsbedingungen werden prekarisiert und Stellen abgebaut, Arbeiten outgesourct und Belegschaften gespalten, Zwang im Studium erhöht und kritische Inhalte verdrängt, die soziale Selektion verschärft und Bildung der Verwertung von Humankapital unterworfen… Weder die Vertretungen der Beschäftigten noch die Proteste von Studierenden konnten dem etwas entgegensetzen. Es fehlt ein organisatorisches Herzstück, welches die Kräfte und Kämpfe bündelt. Vor allem mangelt es an einer Gewerkschaftspolitik, welche die Machtstrukturen an den Hochschulen aufbricht, die jene Entscheidungen bedingen.

Macht von unten aufbauen
Grundsätzlich bedarf es einer Organisation, die Einfluss auf Alltag und Struktur der Hochschulen nimmt sowie Erfahrungen aus Kämpfen weitergibt – und das kontinuierlich. Wir orientieren uns dabei am Konzept einer inklusiven Basisgewerkschaft, wie es aus anderen Ländern bekannt ist. In ihr soll Platz sein für alle, die sich gegen die Verhältnisse wehren und sie überwinden wollen – unabhängig von ihrer Statusgruppe. Ob WiMis, Reinigungs- und Mensakräfte, Hilfskräfte, Lehrbeauftragte, Studierende oder Verwaltungsangestellte – wir brauchen eine föderale Gewerkschaft, in der die Basis koordiniert agiert.

Gewerkschaft anderen Typs
Unsere Vorstellungskraft reicht aus, um gewerkschaftliche Praxis auch jenseits der hierarchisch organisierten Sozialpartnerschaft zu denken. Die Gewerkschaftsbasis soll selbst über Aufgaben, Forderungen und Vorgehensweisen entscheiden. So soll ein Raum geschaffen werden, in dem wir uns ermächtigen und Solidarität miteinander üben. Dabei interessiert uns mehr als die Arbeitsbedingungen. Unser Ziel ist eine soziale Hochschule in basisdemokratischer Selbstverwaltung: Ihre Angehörigen sollen gleichberechtigt mitbestimmen, ihr Profil nicht von wirtschaftlichen Interessen bestimmt sein.

Blick über den Tellerrand
Als Beschäftige und Studierende an der Hochschule ist diese der Ausgangspunkt für unsere eigenen Kämpfe. Allerdings funktioniert sie nicht losgelöst vom Rest der Gesellschaft, deren Herrschaftsverhältnisse uns stets in Gestalt materieller Zwänge entgegenschlagen. Die Chancen auf eine soziale Neuausrichtung der Hochschule, ja des Bildungsbereiches generell erhöhen sich daher, wenn sich unsere Kämpfe mit denen in anderen Gesellschafts- und Lebensbereichen verbinden. Wir suchen daher aktiv den Kontakt mit anderen Initiativen, Netzwerken und Organisationen – lokal, überregional und international.

Link: https://unterbau.org/
Der Eintritt ist frei. Eine Kooperation mit der Linken Liste – SDS & Unabhängige Saar.

 

Film und Einführung: Komödie ums Geld (1936) von Max Ophüls

Donnerstag, 23. Januar / 18.00 Uhr
Politische Akademie der SDS / Europaallee 18 / 66113 Saarbrücken

©Deutsche Kinemathek

Zur 41. Ausgabe zeigen wir in Kooperation mit dem Filmfestival Max Ophüls Preis Max Ophüls‘ Film „Komödie ums Geld“ aus dem Jahr 1936. Um was geht es? Brand (Herman Bouber) ist seit 25 Jahren Geldbote einer Bank und hat sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Eines Tages verschwinden bei einem seiner Botengänge 500.000 Gulden. Da ihm keine Unterschlagung nachzuweisen ist, bleibt er zwar von einer Anklage verschont, nicht aber von der öffentlichen Diskreditierung. Als er bald keinen Ausweg mehr sieht und sich umbringen will, bekommt er aus heiterem Himmel den Direktorenposten bei einer Wohnungsbaugesellschaft angeboten, die durch Finanzspekulationen in die Insolvenz geraten ist. Denn ausgerechnet jetzt gilt Brand als besonders kreditwürdig, weil alle Welt glaubt, er habe die halbe Million auf die Seite geschafft und sei reich. Brand macht es sich in seinem neuen Leben bequem, bis das verschwundene Geld wieder auftaucht.

„Elegant und sicher wird die Geschichte auf das Zelluloid geschrieben, das war bis jetzt im niederländischen Film unbekannt. Der Beginn mag zwar ein bisschen prätentiös wirken und ist wohl auch von der Dreigroschenoper inspiriert, doch bald ist man erfreut und überrascht, wie geschickt das Medium Film hier gebraucht wird. Es wimmelt von virtuosen kompositorischen Übergängen, von filmischen Rhythmen“, schreibt das Rotterdamsch Nieuwsblad 1936.

Regisseur Max Ophüls: geb. 1902 in Saarbrücken als Max Oppenheimer, gestorben 1957 in Hamburg. Er arbeitete ab 1920 unter dem Pseudonym Max Ophüls. Bis 1930 Theaterschauspieler und Regisseur in Stuttgart, Dortmund, Wuppertal, Breslau, Wien, Frankfurt, Berlin. Heirat mit der Schauspielerin Hilde Wall, Geburt des gemeinsamen Sohnes Marcel Ophüls. Ab 1931 Regieassistenz bei Anatol Litvak, erste Filmregien. 1933 Emigration nach Frankreich, Regiearbeiten u.a. in Frankreich, Italien oder den Niederlanden. 1938 französische Staatsbürgerschaft. 1941 Emigration in die USA, Tätigkeiten beim Rundfunk, als Drehbuchautor, Regisseur. 1949 Rückkehr nach Frankreich. Ab 1953 Hörspiele für den SWF Baden-Baden.

Vor Filmbeginn wird Andréas-Benjamin Seyfert, Doktorand in Filmgeschichte und Urenkel unseres Namensgebers Max Ophüls, eine Einführung zum Film halten.

Mehr Infos

Der Eintritt ist frei.
Die kostenfreien Tickets können an jeder Vorverkaufsstelle abgeholt werden.

In Kooperation mit dem Filmfestival Max Ophüls Preis und der Stiftung Demokratie Saarland (SDS).