ABGESAGT: Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss liest

Diese Veranstaltung ist wegen Coronavirus abgesagt!

Freitag, 27. März / 20 Uhr
Camera zwo / Futterstraße 5-7 / 66111 Saarbrücken

 

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verlieh den Georg-Büchner-Preis 2019 an den Schriftsteller Lukas Bärfuss.
»Mit Lukas Bärfuss zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung einen herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus. In einer distinkten und dennoch rätselhaften Bildersprache, karg, klar und trennscharf, durchdringen sich nervöses politisches Krisenbewusstsein und die Fähigkeit zur Gesellschaftsanalyse am exemplarischen Einzelfall, psychologische Sensibilität und der Wille zur Wahrhaftigkeit. Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden seine Dramen und Romane stets neu und anders existentielle Grundsituationen des modernen Lebens. Es sind Qualitäten, die zugleich Bärfuss‘ Essays prägen, in denen er die heutige Welt mit furchtlos prüfendem, verwundertem und anerkennendem Blick begleitet.«

In seinem ersten Erzählband zeichnet Lukas Bärfuss eine irritierende Kartographie der Passionen. Die Fluchtpunkte in den Erzählungen von Lukas Bärfuss sind die Liebe und das Begehren. Objekt der Obsession kann dabei der Schwager sein, in den sich ein Mann verliebt. Oder die eigene, längst verstorbene Mutter, nach der sich ein Dramatiker sehnt und um die er trauert. Aber nicht nur Menschen können im Zentrum der Begierde stehen: So vergräbt einer der Protagonisten eine Alfa Romeo Giulia in seinem Garten. Ein weiteres Verbindendes dieser im Laufe von zwanzig Jahren entstandenen Erzählungen ist der immer wieder einfallende Zufall, die Willkür des Lebens, die das Leben von einem Moment auf den anderen plötzlich ändert. In zugleich sinnlicher als auch analytischer Sprache erzählt Lukas Bärfuss von Menschen, die aus den Routinen des Alltags herausgerissen werden und spürt dabei den Fragen nach, wie wir uns begegnen und nach welchen Vorlagen wir die Geschichten unserer Leidenschaften entwerfen. In zugleich sinnlicher wie analytischer Sprache gehen die Erzählungen Lukas Bärfuss‘ der Liebe und dem Begehren nach. Der erste Erzählband von Lukas Bärfuss!

Die Liebe und das Begehren in all ihren Spielarten sind die Fluchtpunkte in diesen Erzählungen von Lukas Bärfuss. Wie begegnen wir uns? Welche Sehnsüchte treiben uns um? Nach welchen Vorlagen entwerfen wir die Geschichten unserer Leidenschaften? Bärfuss zeichnet eine Kartographie der Passionen. Seine Geschichten handeln von Grenzerfahrungen, die wir mitten im Alltag machen können. Sie zeigen die Momente der Verwandlung.

Werke:
Die toten Männer. Novelle. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
Hundert Tage. Roman. Wallstein Verlag, Göttingen 2008
Koala. Roman. Wallstein, Göttingen 2014
Stil und Moral. Essays. Wallstein, Göttingen 2015
Hagard. Roman. Wallstein, Göttingen 2017
Krieg und Liebe. Essays. Wallstein, Göttingen 2018
Contact, gemeinsam mit Michael Günzburger, Edition Patrick Frey, Zürich 2018
Malinois. Erzählungen. Wallstein, Göttingen 2019

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Buchhandlung St. Johann und „Erlesen – Literaturtage im Saarland“.
Eintritt: 9,00 € / ermäßigt 5,00 €
Die Karten erhalten Sie in der Buchhandlung St. Johann, Kronenstraße 6, 66111 Saarbrücken, Tel.: 0681-95805464
oder über: buchhandlung.st.johann@t-online.de

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Buchvorstellung: Psychoanalyse und politische Ökonomie

Dienstag, 28. 01. 2020 / 19.00 Uhr
Buchhandlung St. Johann / Kronenstr. 6

Mit ihrer Streitschrift untersuchen Siegfried Zepf und Dietmar Seel die psychoanalytische Praxis und Ausbildung aus der Perspektive der marxistischen politischen Ökonomie. Aus dem Warencharakter psychoanalytischer Dienstleistung leiten die Autoren ab, dass Psychoanalytiker*innen als kleinbürgerliches „Mittelding zwischen Kapitalist und Arbeiter“ (Marx) aufzufassen sind. Ihr vorrangiges Interesse an der Tauschwertrealisierung ihrer Dienstleistungen führt dazu, dass sie auf sozialkritische Fragen verzichten und sich an die jeweils herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen anpassen. Kritisch betrachtet wird auch die zunftartige Organisation psychoanalytischer Ausbildungsinstitute, in denen die Kandidat*innen nicht mehr in Psychoanalyse ausgebildet werden, sondern in „analytischer Psychotherapie“ – der Form, in der sich ihr Tauschwert am besten realisieren lässt. In einer Kombination von Berufsschule und Priesterseminar erwerben die Ausbildungskandidat*innen eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Gebrauchswert ihrer Dienstleistung, gepaart mit einer Gleichgültigkeit gegenüber der Entwicklung der Psychoanalyse in eine wahrheitslose Pseudowissenschaft. In der Konsequenz verhindert die Suspendierung der Wahrheitsfrage jeden Zugewinn an Erkenntnis, Forschung mutiert in Werbeveranstaltungen im Dienste der Realisierung der ökonomischen Interessen.

Die derzeitig stattfindende Ausbildung führt dazu, dass die Ausbildungskandidaten weniger das eigene Unbewusste als Erkenntnisinstrument verstehen, sondern in einer „Art von Nacherziehung“ (Freud) zu einer spezifischen deformation professionelle neigen, gedeckt vom gesellschaftpolitisch-abstinenten Alltagsbewusstsein der Psychoanalytiker. Der Tauschwert der analytischen Psychotherapie kann so in gutem Einvernehmen der neoliberalen Ideologie realisiert werden.

Der Eintritt ist frei.

Siegfried Zepf, Univ.-Prof.em.Dr.med., ist Lehranalytiker und ehemaliger Direktor des Instituts für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universitätskliniken des Saarlandes.

Dietmar Seel, Dipl.-Psych,. ist als Psychoanalytiker in eigener Praxis in Saarbrücken niedergelassen.

Das Buch: „Psychoanalyse und politische Ökonomie – Kritik der psychoanalytischen Praxis und Ausbildung“ ist 2019 erschienen im Psychosozial-Verlag, Gießen.

Zum Veranstaltungsplakat (pdf)

Film und Diskussion: „Im inneren Kreis“

Donnerstag, 13. Februar  2020 / 19.00 Uhr
Kino 8 ½ / Nauwieser Str. 19 / 66111 Saarbrücken

Ist die Polizei außer Rand und Band oder sind verdeckte Ermittlungen ein notwendiges Übel?
Diese Frage stellten sich viele Menschen, nachdem allein in Hamburgs linker Szene drei Verdeckte Ermittlerinnen in eineinhalb Jahren mit großem Knall aufgeflogen sind. Zeit, sich einige Grundsatzfragen zum Verhältnis von Freiheit und Sicherheit ganz konkret zu stellen. Und das Spannungsfeld staatlicher Interessen und individueller Bürgerrechte genauer zu beleuchten. Edward Snowdens Enthüllungen über die NSA haben uns dafür sensibilisiert.
Wenn dann aber, wie im Fall der Iris P., Verdeckte Ermittler_innen alle Register ziehen und sogar Liebesbeziehungen zu Ausgeforschten eingehen, nimmt das Drama vor hochpolitischem Hintergrund seinen Lauf. Abstrakt scheinende politische und ethische Grundsatzfragen zum Verhältnis von Freiheit und Sicherheit werden ganz konkret und nah am Menschen gestellt. Darf der Staat in die Privat- und Intimsphäre von Menschen eindringen? Wie frei ist man, wenn es keinen Raum für Vertrauliches gibt? Wann ist Demokratie durch Überwachung gefährdet?
Die Undercover-Einsätze der Iris P. in Hamburg und des Simon B. in Heidelberg sind voller unglaublicher Wendungen und vereinigen grundsätzliche ethische und politische Themen und Fragen in sich. Und darüber hinaus hat der Film so viele spannende psychologische und soziale Facetten, fordert zum Perspektivwechsel heraus – hier Staat, da linke Aktivist_innen aus Hamburg und Heidelberg. Hier die Freiheit der Persönlichkeit, das Recht, andere Lebensformen zu wählen und da die postulierten Sicherheitsinteressen des Staates. Im Anschluss an den Film wird es eine Diskussion zum Thema u.a. mit einem der betroffenen Aktivisten aus Hamburg geben.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit: CriThink! e.V. – Gesellschaft zur Förderung des kritischen Denkens und Handelns, Peter Imandt Gesellschaft e.V., Antifa Saar / Projekt AK, ConnAct Saar, linksjugend [’solid] saarland, Kino 8 ½ Saarbrücken

Arbeiten und Klappe halten? – Organisieren gegen Ausbeutung

Donnerstag, 23. Januar 2020 / 19.00 Uhr
AStA-Freiraum / Gebäude A 4 / Universität des Saarlandes

Vortrag und Diskussion mit der alternativen Frankfurter Gewerkschaft unter_bau.

Die Universität ist ein Ort geworden, welcher durch prekäre Arbeitsverhältnisse bestimmt wird: Befristungen, miese Löhne, unbezahlte Überstunden, massive Arbeitsbelastung und ständige Job-Unsicherheit sind Alltag an deutschen Hochschulen. Dennoch ist die gewerkschaftliche Organisation an Universitäten unterdurchschnittlich, es gibt kaum Tarifverträge und auch kaum umfassende Proteste gegen diese Verhältnisse. Die dauerhafte Unterfinanzierung des Hochschulsystems scheint bei manchen eher noch Dankbarkeit zu erzeugen, überhaupt eine Stelle zu bekommen. Dabei ist es längst an der Zeit sich zu wehren und dies vor allem organisiert und auf eine solidarische Weise zu tun.
Das dies auch außerhalb der bürgerlichen Sozialpartnerschaft geht beweisen Initativen wie die alternative Gewerkschaft unter_bau aus Frankfurt. Wie Organsiation gegen prekäre Verhältnisse an der Uni funktionieren kann möchten wir deswegen gemeinsam mit dem unter_bau und euch diskutieren. Kommt vorbei!
Im Anschluss ein Vorstellungstext von der Gewerkschaft unter_bau:

Selbstverständnis
Arbeitsbedingungen werden prekarisiert und Stellen abgebaut, Arbeiten outgesourct und Belegschaften gespalten, Zwang im Studium erhöht und kritische Inhalte verdrängt, die soziale Selektion verschärft und Bildung der Verwertung von Humankapital unterworfen… Weder die Vertretungen der Beschäftigten noch die Proteste von Studierenden konnten dem etwas entgegensetzen. Es fehlt ein organisatorisches Herzstück, welches die Kräfte und Kämpfe bündelt. Vor allem mangelt es an einer Gewerkschaftspolitik, welche die Machtstrukturen an den Hochschulen aufbricht, die jene Entscheidungen bedingen.

Macht von unten aufbauen
Grundsätzlich bedarf es einer Organisation, die Einfluss auf Alltag und Struktur der Hochschulen nimmt sowie Erfahrungen aus Kämpfen weitergibt – und das kontinuierlich. Wir orientieren uns dabei am Konzept einer inklusiven Basisgewerkschaft, wie es aus anderen Ländern bekannt ist. In ihr soll Platz sein für alle, die sich gegen die Verhältnisse wehren und sie überwinden wollen – unabhängig von ihrer Statusgruppe. Ob WiMis, Reinigungs- und Mensakräfte, Hilfskräfte, Lehrbeauftragte, Studierende oder Verwaltungsangestellte – wir brauchen eine föderale Gewerkschaft, in der die Basis koordiniert agiert.

Gewerkschaft anderen Typs
Unsere Vorstellungskraft reicht aus, um gewerkschaftliche Praxis auch jenseits der hierarchisch organisierten Sozialpartnerschaft zu denken. Die Gewerkschaftsbasis soll selbst über Aufgaben, Forderungen und Vorgehensweisen entscheiden. So soll ein Raum geschaffen werden, in dem wir uns ermächtigen und Solidarität miteinander üben. Dabei interessiert uns mehr als die Arbeitsbedingungen. Unser Ziel ist eine soziale Hochschule in basisdemokratischer Selbstverwaltung: Ihre Angehörigen sollen gleichberechtigt mitbestimmen, ihr Profil nicht von wirtschaftlichen Interessen bestimmt sein.

Blick über den Tellerrand
Als Beschäftige und Studierende an der Hochschule ist diese der Ausgangspunkt für unsere eigenen Kämpfe. Allerdings funktioniert sie nicht losgelöst vom Rest der Gesellschaft, deren Herrschaftsverhältnisse uns stets in Gestalt materieller Zwänge entgegenschlagen. Die Chancen auf eine soziale Neuausrichtung der Hochschule, ja des Bildungsbereiches generell erhöhen sich daher, wenn sich unsere Kämpfe mit denen in anderen Gesellschafts- und Lebensbereichen verbinden. Wir suchen daher aktiv den Kontakt mit anderen Initiativen, Netzwerken und Organisationen – lokal, überregional und international.

Link: https://unterbau.org/
Der Eintritt ist frei. Eine Kooperation mit der Linken Liste – SDS & Unabhängige Saar.

 

Film und Einführung: Komödie ums Geld (1936) von Max Ophüls

Donnerstag, 23. Januar / 18.00 Uhr
Politische Akademie der SDS / Europaallee 18 / 66113 Saarbrücken

©Deutsche Kinemathek

Zur 41. Ausgabe zeigen wir in Kooperation mit dem Filmfestival Max Ophüls Preis Max Ophüls‘ Film „Komödie ums Geld“ aus dem Jahr 1936. Um was geht es? Brand (Herman Bouber) ist seit 25 Jahren Geldbote einer Bank und hat sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Eines Tages verschwinden bei einem seiner Botengänge 500.000 Gulden. Da ihm keine Unterschlagung nachzuweisen ist, bleibt er zwar von einer Anklage verschont, nicht aber von der öffentlichen Diskreditierung. Als er bald keinen Ausweg mehr sieht und sich umbringen will, bekommt er aus heiterem Himmel den Direktorenposten bei einer Wohnungsbaugesellschaft angeboten, die durch Finanzspekulationen in die Insolvenz geraten ist. Denn ausgerechnet jetzt gilt Brand als besonders kreditwürdig, weil alle Welt glaubt, er habe die halbe Million auf die Seite geschafft und sei reich. Brand macht es sich in seinem neuen Leben bequem, bis das verschwundene Geld wieder auftaucht.

„Elegant und sicher wird die Geschichte auf das Zelluloid geschrieben, das war bis jetzt im niederländischen Film unbekannt. Der Beginn mag zwar ein bisschen prätentiös wirken und ist wohl auch von der Dreigroschenoper inspiriert, doch bald ist man erfreut und überrascht, wie geschickt das Medium Film hier gebraucht wird. Es wimmelt von virtuosen kompositorischen Übergängen, von filmischen Rhythmen“, schreibt das Rotterdamsch Nieuwsblad 1936.

Regisseur Max Ophüls: geb. 1902 in Saarbrücken als Max Oppenheimer, gestorben 1957 in Hamburg. Er arbeitete ab 1920 unter dem Pseudonym Max Ophüls. Bis 1930 Theaterschauspieler und Regisseur in Stuttgart, Dortmund, Wuppertal, Breslau, Wien, Frankfurt, Berlin. Heirat mit der Schauspielerin Hilde Wall, Geburt des gemeinsamen Sohnes Marcel Ophüls. Ab 1931 Regieassistenz bei Anatol Litvak, erste Filmregien. 1933 Emigration nach Frankreich, Regiearbeiten u.a. in Frankreich, Italien oder den Niederlanden. 1938 französische Staatsbürgerschaft. 1941 Emigration in die USA, Tätigkeiten beim Rundfunk, als Drehbuchautor, Regisseur. 1949 Rückkehr nach Frankreich. Ab 1953 Hörspiele für den SWF Baden-Baden.

Vor Filmbeginn wird Andréas-Benjamin Seyfert, Doktorand in Filmgeschichte und Urenkel unseres Namensgebers Max Ophüls, eine Einführung zum Film halten.

Mehr Infos

Der Eintritt ist frei.
Die kostenfreien Tickets können an jeder Vorverkaufsstelle abgeholt werden.

In Kooperation mit dem Filmfestival Max Ophüls Preis und der Stiftung Demokratie Saarland (SDS).

Film und Diskussion: Plastic Planet

Freitag, 31. Januar 2020 / 19.00 Uhr
Kino 8 1/2 Saarbrücken

Plastikflaschensammler in Shanghai © by „Plastic Planet“

„Der Mensch des industriellen Zeitalters muss sein Verhältnis zur Umwelt neugestalten, will er überleben. Geboren in eine Zeit, die die Überwindung der Natur als Parole ausgegeben hatte, muss er erkennen, dass seinem Treiben Grenzen gesetzt sind, dass seine Taten und seine Einstellung tödliche Konsequenzen haben können.“ (Hans Reimer, Müllplanet Erde, 1973)

Die Probleme sind seit mehr als einem halben Jahrhundert bekannt; zudem türmen sich inzwischen hunderte Millionen Tonnen Plastikmüll alljährlich auf, belasten die Umwelt über Generationen. Mikroplastik ist längst über die Nahrungsketten im menschlichen Organismus angekommen. Quantitatives Wachstum, das Konzept der vergangenen Jahrzehnte, funktioniert nicht mehr in der endlichen, vom Menschen überlasteten Welt. Der ökologische Fußabdruck der Menschen darf die Regenerationsrate der Natur nicht übersteigen. Wir brauchen eine sozialökologische Transformation der Gesellschaft; dazu brauchen wir auch Menschen, die sich politisch engagieren und selbst zur Änderung ihres Handelns bereit sind.

Die Naturfreunde Saarbrücken, Netzwerk Entwicklungspolitik (NES) und Heinrich-Böll-Stiftung laden Sie herzlich zum Film „Plastic Planet“ und zur anschließenden Diskussion mit, Frau Dr. Christel Weins, Expertin für Umwelt- und Ökotoxikologie, ein.

Mehr Infos zum Film finden Sie hier.

ABGESAGT: Vortrag Prof. Dr. Manfred Berg: Die USA vor den Präsidentschaftswahlen

Diese Veranstaltung ist wegen Coronavirus abgesagt!

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18:00 Uhr
Politische Akademie der SDS / Europaallee 18 / 66113 Saarbrücken

Ein historischer Blick auf die Wahl 2020

In seinem Vortrag wird Prof. Dr. Manfred Berg, Inhaber des Curt-Engelhorn-Lehrstuhls für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg und Kenner der US-Politikgeschichte, die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in eine größere historische Perspektive einordnen. Wie hat sich die Bedeutung dieser Wahl verändert? Welche Muster und Lehren lassen sich aus den zurückliegenden 232 Jahren, seit zum ersten Mal ein US-Präsident gewählt wurde, ableiten? Welche Chancen haben Amtsinhaber und Herausforderer? Welche Anomalien können auftreten? Welche Bedeutung kommt der Wahl 2020 zu?

Prof. Dr. Manfred Berg ist seit 2005 Curt-Engelhorn-Stiftungsprofessor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg. Zuvor war er unter anderem an der Freien Universität Berlin und am Deutschen Historischen Institut in Washington, D.C. tätig. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, die Rassenbeziehungen in den USA, Lynchjustiz und Mobgewalt sowie die Geschichte der US-Außenpolitik und die Politikgeschichte der USA.  Zu seinen jüngsten Publikationen zählen u.a. „Geschichte der USA“ (2013), „Lynchjustiz in den USA“ (2014). 2017 veröffentlicht er über den US-Präsidenten Woodrow Wilson die Biografie „Woodrow Wilson. Amerika und die Neuordnung der Welt“. Manfred Berg schreibt zudem regelmäßig historische Beiträge für DIE ZEIT. 

Der Eintritt ist frei. Eine Kooperationsveranstaltung mit der Stiftung Demokratie Saarland – SDS.

Vortrag Prof. em. Dr. Antonia Grunenberg: Götterdämmerung. Aufstieg und Fall der deutschen Intelligenz 1900-1940

18:00 Uhr
Politische Akademie der SDS / Europaallee 18 / 66113 Saarbrücken

Walter Benjamin und seine Zeit

Die Jahre von 1900 bis ca. 1940 wurden durch eine Generation von glänzenden Dichtern, Pädagogen, Komponisten, Philosophen, Tänzern, Schriftstellern und Politikern geprägt, die ihre Zeit als Übergang erlebten und eine mit revolutionären und religiösen Erwartungen erfüllte Endzeit herbeisehnten. Dazu gehörte auch die radikale Ablehnung der Weimarer Republik, die teilweise in den Vorhöfen (und in den Lagern) von Faschismus, Nationalsozialismus und sowjetischem Kommunismus endete. Antonia Grunenberg stellt Walter Benjamin als den kühnsten europäischen Denker seiner Zeit in den Mittelpunkt ihres Vortrags und entfaltet von seiner Person ausgehend das Drama der deutschen Intelligenz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die Referentin Prof. em. Dr. Antonia Grunenberg studiert Soziologie, Philosophie und Germanistik in Tübingen, Frankfurt a. M. und Berlin. 1975 promoviert sie mit einer Arbeit über Georg Lukács im Fachbereich Philosophie an der Freien Universität Berlin. 1986 habilitiert sie sich in Politikwissenschaft an der Technischen Hochschule Aachen. Von 1998 bis 2009 ist sie Professorin für Politikwissenschaft an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, wo sie das Hannah Arendt Zentrum gründet und bis zu ihrer Emeritierung leitet. 1995 ist Antonia Grunenberg Mitgründerin und Vorstandsmitglied des Hannah Arendt-Preises für politisches Denken. Sie war und ist Mitglied in zahlreichen Fachkommissionen und wissenschaftlichen Beiräten wie etwa im wissenschaftlichen Beirat des Hauses der Geschichte in Bonn. Sie hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zur politischen Theorie, zur Kulturgeschichte und zum Werk Hannah Arendts publiziert, etwa die 2006 erschienene Publikation „Hannah Arendt und Martin Heidegger. Geschichte einer Liebe“. 2018 erscheint das dem Vortrag liegende Werk „Götterdämmerung“.

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Stiftung Demokratie Saarland – SDS.
Im Rahmen der Veranstaltung gibt es einen Büchertisch der Buchhandlung St. Johann

 

 

ABGESAGT! Tagung: Der Generalstreik gegen den Kapp-Putsch

Die Tagung ist wegen Coronavirus abgesagt!

Der Termin wird aber baldmöglichst nachgeholt, Infos dazu finden Sie hier auf unserer Seite.


Samstag, 14. März 2020 / 13 bis 19 Uhr
Stiftung Demokratie Saarland / Europaallee 18 / Saarbrücken

 

13. März 1920: Generalstreik gegen den Kapp-Putsch

Nur wenige Monate nach ihrer Gründung wird die Weimarer Republik von innen bedroht: Rechtsradikale Milizen und Freikorps und ihre politischen Bündnispartner wollen die Demokratie und Arbeiterbewegung zerschlagen. Gegen diesen sogenannten „Kapp-Putsch“, benannt nach einem Anführer der Putschisten, rufen die Führungen der Arbeiterparteien und die Gewerkschaften zum Generalstreik auf. Am frühen Morgen des 13. März besetzt die 6ooo Soldaten zählende Marinebrigade Ehrhardt – deren Angehörige ein Hakenkreuz auf ihrem Helm tragen – das Berliner Regierungsviertel und ernennt den Generallandschaftsdirektor und Aufsichtsrat der Deutschen Bank Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Ihr Ziel ist die Beseitigung der Regierung und die Zerschlagung der Republik. Da die Reichswehr nicht bereit ist, gegen die Putschisten militärisch vorzugehen, flieht die Regierung aus Berlin. Am Nachmittag des 13. März rufen Siegfried Aufhäuser, der Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft freier Angestelltenverbände“ (AfA), und der Vorsitzende des „Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes“ (ADGB), Carl Legien, gemeinsam zum Generalstreik gegen den Putsch auf: „Die deutsche Republik ist in Gefahr!“ Es ist die größte Streikbewegung der deutschen Geschichte, die in vielen Regionen und Städten zum bewaffneten Aufstand gegen die rechtsradikalen Freikorps und die sie unterstützenden Formationen von Sicherheitspolizei und Reichswehr führt.

Der Generalstreik zeigt Wirkung: Die Putschisten müssen nach vier Tagen aufgeben. In verschiedenen Regionen Deutschlands jedoch gehen die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Militär und Arbeiterschaft weiter, am heftigsten im Ruhrgebiet, wo bis zu einhunderttausend bewaffnete Arbeiter (aus SPD, USPD und KPD) gemeinsam gegen die Putschisten Widerstand leisten. Die demokratische Republik wird durch den einheitlichen Widerstand der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung gerettet. Nach Beendigung des Generalstreiks gehen die Kämpfe jedoch weiter. Die Forderungen der Volksbewegung nach Demokratisierung der Republik, nach Aufbau einer demokratischen Verwaltung und Armee, nach Sozialisierung der Schwerindustrie werden ignoriert. Im Gegenteil. Die Regierung in Berlin setzt die Reichswehr und die Freikorps, die gegen sie geputscht haben ein, um den Widerstand brutal zu zerschlagen.

Die damaligen Ereignisse und ihre fatalen Nachwirkungen stehen im Mittelpunkt unserer Tagung.

Es werden sprechen:
Klaus Gietinger über den Putsch und die Abwehrkämpfe
Martin Jander über den Generalstreik
Birgit Metzger über das Saargebiet und den Kapp Putsch
Joana Seiffert über die Erinnerung an Generalstreik und Aufstand

Wir bitten um Anmeldung für die Teilnahme an der Tagung: boell.stiftung(at)t-online.de oder über das Anmeldeformular:
https://www.stiftung-demokratie-saarland.de/vortraege/vortrag/der-generalstreik-gegen-den-kapp-putsch/
Eine Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung Saar in Kooperation mit der Stiftung Demokratie Saarland.

Bild: Lkw der Putschisten Mitte März 1920 auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Deutlich die Hakenkreuze auf den Stahlhelmen und dem Lkw. Bundesarchiv Bild 146-1970-051-65

Flyer zum Download (PDF)


Zu den Referenten:

Klaus Gietinger mit einem Überblick über den Putsch und die Abwehrkämpfe
Der Referent Klaus Gietinger ist Autor, Regisseur und Sozialwissenschaftler, mehrere Kinofilme, zahlreiche TV-Movies, Serien und 7 Tatorte (Buch und Regie), diverse internationale Preise. Nominiert für den Grimmepreis 2018 für den Dokumentarfilm „Wie starb Benno Ohnesorg – Der 2. Juni 1967“. Zahlreiche Sachbücher und zwei Romane. Mehr Infos: www.gietinger.de. Zuletzt erschienen: Klaus Gietinger: Der Kapp-Putsch 1920 – Abwehrkämpfe – Rote Ruhrarmee, Schmetterling Verlag, Stuttgart, Februar 2020

Martin Jander über den Generalstreik
Dr. Martin Jander, geboren am 21. Januar 1955, ist Historiker. Seine Dissertation verfasste er 1995 zum Themenbereich DDR-Opposition. Er unterrichtet moderne deutsche Geschichte im europäischen Kontext an den Dependancen der Stanford University und der New York University in Berlin sowie im Programm von FU-BEST. Jander arbeitete bis 2017 mit W. Kraushaar und T. Skelton-Robinson an einer Chronik des linken deutschen Terrorismus und seiner internationalen Verbindungen. Einzelne Ergebnisse des Projekts wurden bereits veröffentlicht. Martin Jander schreibt für den „Tagesspiegel“, die „Jüdische Allgemeine“ sowie die Internet-Plattformen „haGalil“ und „starke meinungen“. Seine letzte Publikation: Enrico Heitzer, Martin Jander, Anetta Kahane (Hrsg.), Nach Auschwitz: Schwieriges Erbe DDR, Frankfurt 2018.

Birgit Metzger über das Saargebiet und den Kapp Putsch
Birgit Metzger ist Kulturwissenschaftlerin und Historikerin. Ihre Dissertation verfasste sie zur Waldsterbensdebatte der 1980er Jahre. Sie forscht und lehrt zu Umweltgeschichte, sozialen Bewegungen und Protestkulturen sowie Unfall- und Risikogeschichte im 20. Jahrhundert. Nach Tätigkeiten am FRIAS und USIAS sowie der Universität Freiburg ist sie derzeit  wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere Geschichte und Landesgeschichte an der Universität des Saarlandes, wo sie ein Forschungsprojekt zum Bergbau in der Saarregion bearbeitet.

Joana Seiffert über die Erinnerung an Generalstreik und Aufstand
Joana Seiffert (Bochum) beschäftigt sich im Rahmen ihrer Dissertation mit der Rezeptions- und Erinnerungsgeschichte zum Ruhrkampf vom Frühjahr 1920. Nach wissenschaftichen Tätigkeiten am Bochumer Institut für Soziale Bewegungen sowie am Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik der Ruhr-Universität Bochum, ist sie derzeit Lehrerin am Hans-Schwier-Berufskolleg in Gelsenkirchen. Sie ist Mitherausgeberin des Sammelbandes Erinnerungsorte. Chancen, Grenzen und Perspektiven eines Erfolgskonzeptes in den Kulturwissenschaften (Essen 2014) und hat im Rahmen von Zeit-Räume Ruhr (hg. von Stefan Berger u.a., Essen 2019) zuletzt über den Ruhrkapf als einen Erinnerungsort des Ruhrgebiets publiziert.


Im Folgenden finden Sie kurze Texte der Referenten als Einstieg in das Thema (Download als PDF).

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