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Buchvorstellung: Psychoanalyse und politische Ökonomie

Dienstag, 28. 01. 2020 / 19.00 Uhr
Buchhandlung St. Johann / Kronenstr. 6

Mit ihrer Streitschrift untersuchen Siegfried Zepf und Dietmar Seel die psychoanalytische Praxis und Ausbildung aus der Perspektive der marxistischen politischen Ökonomie. Aus dem Warencharakter psychoanalytischer Dienstleistung leiten die Autoren ab, dass Psychoanalytiker*innen als kleinbürgerliches „Mittelding zwischen Kapitalist und Arbeiter“ (Marx) aufzufassen sind. Ihr vorrangiges Interesse an der Tauschwertrealisierung ihrer Dienstleistungen führt dazu, dass sie auf sozialkritische Fragen verzichten und sich an die jeweils herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen anpassen. Kritisch betrachtet wird auch die zunftartige Organisation psychoanalytischer Ausbildungsinstitute, in denen die Kandidat*innen nicht mehr in Psychoanalyse ausgebildet werden, sondern in „analytischer Psychotherapie“ – der Form, in der sich ihr Tauschwert am besten realisieren lässt. In einer Kombination von Berufsschule und Priesterseminar erwerben die Ausbildungskandidat*innen eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Gebrauchswert ihrer Dienstleistung, gepaart mit einer Gleichgültigkeit gegenüber der Entwicklung der Psychoanalyse in eine wahrheitslose Pseudowissenschaft. In der Konsequenz verhindert die Suspendierung der Wahrheitsfrage jeden Zugewinn an Erkenntnis, Forschung mutiert in Werbeveranstaltungen im Dienste der Realisierung der ökonomischen Interessen.

Die derzeitig stattfindende Ausbildung führt dazu, dass die Ausbildungskandidaten weniger das eigene Unbewusste als Erkenntnisinstrument verstehen, sondern in einer „Art von Nacherziehung“ (Freud) zu einer spezifischen deformation professionelle neigen, gedeckt vom gesellschaftpolitisch-abstinenten Alltagsbewusstsein der Psychoanalytiker. Der Tauschwert der analytischen Psychotherapie kann so in gutem Einvernehmen der neoliberalen Ideologie realisiert werden.

Der Eintritt ist frei.

Siegfried Zepf, Univ.-Prof.em.Dr.med., ist Lehranalytiker und ehemaliger Direktor des Instituts für Psychoanalyse, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin der Universitätskliniken des Saarlandes.

Dietmar Seel, Dipl.-Psych,. ist als Psychoanalytiker in eigener Praxis in Saarbrücken niedergelassen.

Das Buch: „Psychoanalyse und politische Ökonomie – Kritik der psychoanalytischen Praxis und Ausbildung“ ist 2019 erschienen im Psychosozial-Verlag, Gießen.

Film und Diskussion: Plastic Planet

Freitag, 31. Januar 2020 / 19.00 Uhr
Kino 8 1/2 Saarbrücken

Plastikflaschensammler in Shanghai © by „Plastic Planet“

„Der Mensch des industriellen Zeitalters muss sein Verhältnis zur Umwelt neugestalten, will er überleben. Geboren in eine Zeit, die die Überwindung der Natur als Parole ausgegeben hatte, muss er erkennen, dass seinem Treiben Grenzen gesetzt sind, dass seine Taten und seine Einstellung tödliche Konsequenzen haben können.“ (Hans Reimer, Müllplanet Erde, 1973)

Die Probleme sind seit mehr als einem halben Jahrhundert bekannt; zudem türmen sich inzwischen hunderte Millionen Tonnen Plastikmüll alljährlich auf, belasten die Umwelt über Generationen. Mikroplastik ist längst über die Nahrungsketten im menschlichen Organismus angekommen. Quantitatives Wachstum, das Konzept der vergangenen Jahrzehnte, funktioniert nicht mehr in der endlichen, vom Menschen überlasteten Welt. Der ökologische Fußabdruck der Menschen darf die Regenerationsrate der Natur nicht übersteigen. Wir brauchen eine sozialökologische Transformation der Gesellschaft; dazu brauchen wir auch Menschen, die sich politisch engagieren und selbst zur Änderung ihres Handelns bereit sind.

Die Naturfreunde Saarbrücken, Netzwerk Entwicklungspolitik (NES) und Heinrich-Böll-Stiftung laden Sie herzlich zum Film „Plastic Planet“ und zur anschließenden Diskussion mit, Frau Dr. Christel Weins, Expertin für Umwelt- und Ökotoxikologie, ein.

Mehr Infos zum Film finden Sie hier.

Vortrag Prof. em. Dr. Antonia Grunenberg: Götterdämmerung. Aufstieg und Fall der deutschen Intelligenz 1900-1940

18:00 Uhr
Politische Akademie der SDS / Europaallee 18 / 66113 Saarbrücken

Walter Benjamin und seine Zeit

Die Jahre von 1900 bis ca. 1940 wurden durch eine Generation von glänzenden Dichtern, Pädagogen, Komponisten, Philosophen, Tänzern, Schriftstellern und Politikern geprägt, die ihre Zeit als Übergang erlebten und eine mit revolutionären und religiösen Erwartungen erfüllte Endzeit herbeisehnten. Dazu gehörte auch die radikale Ablehnung der Weimarer Republik, die teilweise in den Vorhöfen (und in den Lagern) von Faschismus, Nationalsozialismus und sowjetischem Kommunismus endete. Antonia Grunenberg stellt Walter Benjamin als den kühnsten europäischen Denker seiner Zeit in den Mittelpunkt ihres Vortrags und entfaltet von seiner Person ausgehend das Drama der deutschen Intelligenz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die Referentin Prof. em. Dr. Antonia Grunenberg studiert Soziologie, Philosophie und Germanistik in Tübingen, Frankfurt a. M. und Berlin. 1975 promoviert sie mit einer Arbeit über Georg Lukács im Fachbereich Philosophie an der Freien Universität Berlin. 1986 habilitiert sie sich in Politikwissenschaft an der Technischen Hochschule Aachen. Von 1998 bis 2009 ist sie Professorin für Politikwissenschaft an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, wo sie das Hannah Arendt Zentrum gründet und bis zu ihrer Emeritierung leitet. 1995 ist Antonia Grunenberg Mitgründerin und Vorstandsmitglied des Hannah Arendt-Preises für politisches Denken. Sie war und ist Mitglied in zahlreichen Fachkommissionen und wissenschaftlichen Beiräten wie etwa im wissenschaftlichen Beirat des Hauses der Geschichte in Bonn. Sie hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zur politischen Theorie, zur Kulturgeschichte und zum Werk Hannah Arendts publiziert, etwa die 2006 erschienene Publikation „Hannah Arendt und Martin Heidegger. Geschichte einer Liebe“. 2018 erscheint das dem Vortrag liegende Werk „Götterdämmerung“.

Eine Kooperationsveranstaltung mit der Stiftung Demokratie Saarland – SDS.
Im Rahmen der Veranstaltung gibt es einen Büchertisch der Buchhandlung St. Johann

 

 

Buchvorstellung: Kapp-Putsch

Dienstag, 18. Februar 2020 / 19.00 Uhr
Buchhandlung St. Johann / Kronenstr. 6 / 66111 Saarbrücken

Klaus Gietinger stellt sein neue Buch vor:
Kapp Putsch 1920 – Abwehrkämpfe – Rote Ruhrarmee

Pünktlich zum 100. Jahrestag rollt Klaus Gietinger die Geschichte des Militärputsches und der Abwehrkämpfe neu auf, liefert kaum bekannte Fakten. Es ist ein ungemein wichtiges, fast vergessenes Kapitel deutscher Geschichte: Der Versailler Vertrag verlangte 1920 die Reduzierung der Reichswehr und die Auflösung der konterrevolutionären Freikorps. Die Reichsregierung musste dem nachkommen. Daraufhin putschten die Freikorps. Wolfgang Kapp, Aufsichtsrat der Deutschen Bank, rief sich zum Reichskanzler aus. Die Reichsregierung floh, kurz vorher hatten die SPD-Mitglieder ihre Namen unter einen Generalstreik-Aufruf setzen lassen. Der größte Streik, den Deutschland je gesehen hat, folgte. Zahlreiche Reichswehr-Kommandeure  sympathisierten mit den Putschisten. Nach fünf Tagen mussten letztere aufgeben. Die Regierung kehrte in die Hauptstadt zurück. Inzwischen war es vor allem in den Industriegebieten Mitteldeutschlands und im Ruhrgebiet zu bewaffneten Kämpfen von Arbeitern gegen die Freikorps gekommen. Die wurden zurückgeschlagen. In Pott bildete sich eine Rote Ruhrarmee aus der SPD-, USPD- und KPD-Basis und den Syndikalisten, mit bis zu 80 000 Kämpfern. Teils waren Bürgerliche beteiligt. Man wollte eine Volkswehr, die Bestrafung der Putschisten und Sozialisierung. Regierungskommissar Carl Severing (SPD) schloss mit den Arbeitern ein Abkommen, das einige Zugeständnisse machte. Aber nicht nur General von Watter, der kommandierende Militär wollte kein Abkommen. Und die Freikorps, von denen die meisten schon das Hakenkreuz auf dem Stahlhelm trugen, bekamen jetzt von der geretteten Regierung freie Hand … Zeit daran zu erinnern.

Der Referent Klaus Gietinger ist Autor, Regisseur und Sozialwissenschaftler, mehrere Kinofilme, zahlreiche TV-Movies, Serien und 7 Tatorte (Buch und Regie), diverse internationale Preise. Nominiert für den Grimmepreis 2018 für den Dokumentarfilm „Wie starb Benno Ohnesorg – Der 2. Juni 1967“. Zahlreiche Sachbücher und zwei Romane. Mehr Infos: www.gietinger.de

Klaus Gietinger: Der Kapp-Putsch,
1920 – Abwehrkämpfe – Rote Ruhrarmee.
Schmetterling Verlag, Stuttgart , erscheint im Februar 2020.

Eintritt frei.

Film und Diskussion: „Im inneren Kreis“

Donnerstag, 13. Februar  2020 / 19.00 Uhr
Kino 8 ½ / Nauwieser Str. 19 / 66111 Saarbrücken

Ist die Polizei außer Rand und Band oder sind verdeckte Ermittlungen ein notwendiges Übel?
Diese Frage stellten sich viele Menschen, nachdem allein in Hamburgs linker Szene drei Verdeckte Ermittlerinnen in eineinhalb Jahren mit großem Knall aufgeflogen sind. Zeit, sich einige Grundsatzfragen zum Verhältnis von Freiheit und Sicherheit ganz konkret zu stellen. Und das Spannungsfeld staatlicher Interessen und individueller Bürgerrechte genauer zu beleuchten. Edward Snowdens Enthüllungen über die NSA haben uns dafür sensibilisiert.
Wenn dann aber, wie im Fall der Iris P., Verdeckte Ermittler_innen alle Register ziehen und sogar Liebesbeziehungen zu Ausgeforschten eingehen, nimmt das Drama vor hochpolitischem Hintergrund seinen Lauf. Abstrakt scheinende politische und ethische Grundsatzfragen zum Verhältnis von Freiheit und Sicherheit werden ganz konkret und nah am Menschen gestellt. Darf der Staat in die Privat- und Intimsphäre von Menschen eindringen? Wie frei ist man, wenn es keinen Raum für Vertrauliches gibt? Wann ist Demokratie durch Überwachung gefährdet?
Die Undercover-Einsätze der Iris P. in Hamburg und des Simon B. in Heidelberg sind voller unglaublicher Wendungen und vereinigen grundsätzliche ethische und politische Themen und Fragen in sich. Und darüber hinaus hat der Film so viele spannende psychologische und soziale Facetten, fordert zum Perspektivwechsel heraus – hier Staat, da linke Aktivist_innen aus Hamburg und Heidelberg. Hier die Freiheit der Persönlichkeit, das Recht, andere Lebensformen zu wählen und da die postulierten Sicherheitsinteressen des Staates. Im Anschluss an den Film wird es eine Diskussion zum Thema u.a. mit einem der betroffenen Aktivisten aus Hamburg geben.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit: CriThink! e.V. – Gesellschaft zur Förderung des kritischen Denkens und Handelns, Peter Imandt Gesellschaft e.V., Antifa Saar / Projekt AK, ConnAct Saar, linksjugend [’solid] saarland, Kino 8 ½ Saarbrücken