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Literarisches Kammerkonzert: »Ich hatte einst ein schönes Vaterland …«

Sonntag, 10. Oktober 2021 / 18:00 Uhr
Stiftung Demokratie Saarland / Europaallee 18 / 66113 Saarbrücken

Anmeldung zwingend erforderlich bei der Stiftung Demokratie Saarland

„Ich hatte einst ein schönes Vaterland …“, dichtete Heinrich Heine 1832 im Pariser Exil. Roman Knižka und das Bläserquintett OPUS 45 wählen diese Worte als Leitspruch ihres literarischen Kammerkonzerts anlässlich des Festjahres 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Roman Knižka liest u. a. Texte von Moses Mendelssohn, dem Philosophen der Aufklärung, der Schriftstellerin Rahel Levin Varnhagen, die sich für eine jüdische und feministische Emanzipation einsetzte, des Feuilletonisten Ludwig Börne und der Dichterin Mascha Kaléko. 1955 begab diese sich in New York an Bord eines Schiffes, das nach Deutschland fuhr: „Einmal möchte ich es noch sehen, jenes Land, / Das in fremde Welten mich verbannt“, dichtete sie damals, 17 Jahre nach ihrer Emigration in die USA.
Die szenische Lesung wird begleitet vom Bläserquintett OPUS 45, das u.a. Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Alexander Zemlinsky, Jacques Ibert, Endre Szervánszky, Pavel Haas und György Ligeti zu Gehör bringt.

Eintritt frei
Dauer des Konzerts: ca. 120 Minuten
(mit einer Pause)

 

Dieses Konzert ist eingebunden in das bundesweite Festjahr #2021JLID, das der Verein »321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.« organisiert und koordiniert. Weitere Kooperationspartner sind die Stiftung Demokratie Saarland. Mehr Informationen zur Konzertreihe und zum Festjahr:
2021jlid.de
opus-45.de

Zur Anmeldung über die Stiftung Demokratie Saarland

Alena Wagnerová: „Milena Jesenská. Prager Hinterhöfe im Frühling. Feuilletons und Reportagen 1919-1939“

Mittwoch, 13. Oktober 2021 / 19:00 Uhr
FrauenGenderBibliothek Saar / Großherzog-Friedrich-Straße 111 / 66121 Saarbrücken
und online (Hybrid-Veranstaltung)

Zur Autorin Milena Jesenská:
In die Literaturgeschichte trat Milena Jesenská als Adressatin der Briefe eines bedeutenden Mannes, als „Kafkas Freundin Milena.“ Aus dem Kafka-Schatten nach langen Bemühungen von vielen Publizistinnen und Literatinnen befreit, gilt sie heute als eine der bedeutenden Journalistinnen der Epoche zwischen den zwei Weltkriegen. Geboren 1896 in Prag, besuchte sie das erste tschechische Mädchengymnasium Minerva, im Café Arco, dem Zentrum der Prager deutschen Literatur, lernte sie Ernst Pollak kennen und zog mit ihm nach Wien. Dort begann sie für die Prager Zeitung Tribuna Artikel über das Nachkriegsleben in Wien zu schreiben. Um1924 kehrte sie zurück nach Prag und fand ihr neues Zuhause in den Kreisen der tschechischen Avantgarde. In der Zeit der beginnenden europäischen Krise in den dreißiger Jahren arbeitete sie für die Zeitschrift Přítomnost. Die dort erschienenen Reportagen markieren den Höhepunkt ihrer Arbeit als politische Journalistin. Nach der Besatzung des Restes der ČSR 1939 wurde Milena Jesenská Fluchthelferin und Widerstandskämpferin. Sie wurde verhaftet und  starb am 17. Mai 1944 im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück.

Zur Referentin und Herausgeberin Alena Wagnerová:
Die aus Brno/Brünn stammende deutsch-tschechische Schriftstellerin, Kulturpublizistin und Oral-Historikerin, beschäftigt sich in ihren literarischen und publizistischen Arbeiten systematisch mit der Kultur und Geschichte Mitteleuropas, den deutsch-tschechischen Beziehungen sowie der Stellung der Frau in der modernen Gesellschaft. Sie lebt in Saarbrücken und Prag. Sie schrieb u.a. die  Biographie Milena Jesenskás „Alle meine Artikel sind Liebesriefe,“  edierte ihre Briefe „Ich hätte zu antworten tage- und nächtelang’’, ihre unlängst entdeckten Lebenszeichen aus dem KZ Ravensbrück, wie auch die 2020 erschienene deutsche Ausgabe Jesenskás Feuilletons und Reportagen „Prager Hinterhöfe im Frühling“.  Für ihre Verdienste um die deutsch-tschechische Verständigung wurde Alena Wagnerová 2019 mit dem Ehrenpreis des Deutsch-tschechischen Kulturfonds ausgezeichnet.

Veranstaltungsform: Eine begrenzte Personenzahl kann den Vortrag vor Ort in der FrauenGenderBibliothek Saar anhören. Alle weiteren Interessierten können sich digital per Zoom einwählen. Anmeldung für beide Varianten an info@frauengenderbibliothek-saar.de
Eintritt frei.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der FrauenGenderBibliothek Saar

Plakat pdf zum Download

Podiumsdiskussion: Solidarisch gegen rechten Terror – Allianzen, Organisierung, Unterstützung

Mittwoch, 13. Oktober 2021 / 20:00 Uhr
UT Connewitz / Wolfgang-Heinze-Straße 12a  / Leipzig / und Online via youtube und facebook

Die Veranstaltung findet in Leipzig in deutscher Sprache statt und wird zeitgleich via youtube in deutscher und türkischer Sprache gestreamt.

Die beiden Anschläge von Halle und Hanau haben uns erneut die Dimension rechten Terrors verdeutlicht. Er ist mörderisch.

Die Gesellschaft muss sich mit Täterschaft auseinandersetzen und mit den zugrunde liegenden Ideologien und Strukturen, also Antisemitismus, Rassismus, Antifeminismus sowie rechten Netzwerken, (Online-) Subkulturen, Organisationen und Diskursen.

Zeitgleich braucht es den Fokus auf die Betroffenen und ihre Bedürfnisse sowie Perspektiven und Politiken für die Gesellschaft der Vielen. Dazu gehören Leben, Überleben und Trauern, aber auch Öffentlichkeit und politische Organisierung. Solidarische Allianzen gegen rechte Gewalt müssen zwei Dinge vereinen: Kritik an der gesellschaftlichen Realität üben und Schutz und Solidarität stiften.

Auf dieser Veranstaltung treffen Vertreter:innen solcher solidarischen Organisierungen aufeinander. Gemeinsam besprechen wir unterschiedliche Formen der Solidarität im Umgang mit rechter Gewalt und rechtem Terror – von der Selbstorganisierung Betroffener über die Gründung neuer Netzwerke und Unterstützungsstrukturen bis zur Beschäftigungen mit Täterschaft und Mehrheitsgesellschaft aus Solidarität. Die Gäste sprechen zudem mit verschiedenen zeitlichen Perspektiven von den 1990er Jahren bis heute.

Was hat sich seit den 1990er Jahren verändert, welche Strukturen wurden aufgebaut? Was können wir von damals lernen? Wie lassen sich persönliche Trauerarbeit und Unterstützung mit politischer Arbeit und Öffentlichkeit verbinden? Wie können solidarische Strukturen einander unterstützen?

Gäste:

Das Gespräch führt Andrea Hübler, Opferberatung Support der RAA Sachsen

Die Veranstaltung findet in Leipzig statt, sofern die Pandemie-Lage dies zulässt. Bitte beachten Sie das Hygienekonzept und die gängigen Hygiene- und Abstandsregeln. Das Podium wird auch dann via youtube gestreamt, wenn die Veranstaltung nicht mit Publikum vor Ort stattfinden kann.

Die Veranstaltung findet statt im Rahmen der Fachstelle „Strategien gegen Rechtspopulismus“ des Verbunds der Heinrich-Böll-Stiftungen.

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Sprachen: Deutsch / Türkisch / Simultanübersetzung
Link zur Online-Veranstaltung

Workshop: Neue, innovative Lebens- und Wohnmodelle: das KoDorf

Donnerstag, 14. Oktober 2021 / 19:30 Uhr
KOMMzentrum / Kleiststr. 30 / 66538 Neunkirchen

 

Trotz Individualisierung haben viele Menschen Sehnsucht nach Gemeinschaft, trotz des Wunsches nach pulsierendem Leben, ist die Suche nach Ruhe und Stille bei vielen ungebrochen. Das „KoDorf“ möchte beides verbinden: Gemeinschaft, Infrastruktur, moderne, flexible Arbeitsformen – und das Leben auf dem Land. Mit Frederik Fischer, dem Gründer des Projekts, möchten wir an diesem Abend über seine Vision des zukünftigen, gemeinschaftlichen Lebens ins Gespräch kommen.
Es gilt die dann aktuelle Coronaschutzverordnung. Die TeilnehmerInnen werden nach Anmeldeschluss entsprechend informiert.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung Saarbrücken

Anmeldung erforderlich bei der Katholischen Erwachsenenbildung Saarbrücken, Tel. 0681/9068131 oder über das Anmeldeformular
Anmeldefrist bis 07.10.2021
Teilnahmebeitrag: 3,00 €

Mehr Informationen unter www.keb-saarbruecken.de

 

Stadtrundgang „Juden in Saarbrücken bis 1940“

Sonntag, den 17.10.2021 / 14:00 Uhr
Sonntag, den 31.10.2021 / 14:00 Uhr

Ein Stadtrundgang zu Orten ihres Wirkens
mit Marcel Wainstock

Mit der allgemeinen demografischen und wirtschaftlichen Expansion Saarbrückens am Ende des 19. Jahrhunderts und bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wuchs auch die hiesige jüdische Gemeinde, deren Mitglieder einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung und dem Wohlergehen der Stadt hatten.

Abgesehen davon, dass es in dieser Zeit ein blühendes jüdisches Gemeindeleben gab, haben viele erfolgreiche jüdische Kaufmannsfamilien wie z.B. die Inhaber des 1865 gegründeten Kaufhauses E. Weil Söhne, zum Glanz der neu entstandenen Bahnhofstraße beigetragen.

Zahlreiche Juden waren als renommierte Ärzte und Ärztinnen sowie als Rechtsanwälte in unserer Stadt tätig. Auch das damalige Stadttheater zählte einige jüdische Mitarbeiter als leitende Angestellte, Musiker oder Schauspieler. Und nicht zuletzt führte der unermüdliche Einsatz von Rabbiner Dr. Rülf und seinen Mitstreitern zum „Römischen Abkommen“, das es nach der Angliederung des Saargebiets an das nationalsozialistisch regierte Reich Juden und nichtjüdischen Regimegegnern ermöglichte, nach der Saarabstimmung ein Jahr lang das Land unter Mitnahme ihres Eigentums unbehelligt zu verlassen.

Während des Rundgangs lernen wir die Geschichte der Saarbrücker jüdischen Vorkriegsgemeinde und ihrer Synagoge in ihrer Blütezeit kennen, aber auch die Phasen ihres durch die NS-Verfolgungen bedingten Niedergangs bis zu ihrer Auflösung.

Die Treffpunkte werden nach Anmeldung bekannt gegeben, eine Anmeldung ist erforderlich unter:

boell.stiftung@t-online.de
Tel.: 0681 / 58 35 60