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Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss liest

Freitag, 27. März / 20 Uhr
Camera zwo / Futterstraße 5-7 / 66111 Saarbrücken

 

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verlieh den Georg-Büchner-Preis 2019 an den Schriftsteller Lukas Bärfuss.
»Mit Lukas Bärfuss zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung einen herausragenden Erzähler und Dramatiker der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus. In einer distinkten und dennoch rätselhaften Bildersprache, karg, klar und trennscharf, durchdringen sich nervöses politisches Krisenbewusstsein und die Fähigkeit zur Gesellschaftsanalyse am exemplarischen Einzelfall, psychologische Sensibilität und der Wille zur Wahrhaftigkeit. Mit hoher Stilsicherheit und formalem Variationsreichtum erkunden seine Dramen und Romane stets neu und anders existentielle Grundsituationen des modernen Lebens. Es sind Qualitäten, die zugleich Bärfuss‘ Essays prägen, in denen er die heutige Welt mit furchtlos prüfendem, verwundertem und anerkennendem Blick begleitet.«

In seinem ersten Erzählband zeichnet Lukas Bärfuss eine irritierende Kartographie der Passionen. Die Fluchtpunkte in den Erzählungen von Lukas Bärfuss sind die Liebe und das Begehren. Objekt der Obsession kann dabei der Schwager sein, in den sich ein Mann verliebt. Oder die eigene, längst verstorbene Mutter, nach der sich ein Dramatiker sehnt und um die er trauert. Aber nicht nur Menschen können im Zentrum der Begierde stehen: So vergräbt einer der Protagonisten eine Alfa Romeo Giulia in seinem Garten. Ein weiteres Verbindendes dieser im Laufe von zwanzig Jahren entstandenen Erzählungen ist der immer wieder einfallende Zufall, die Willkür des Lebens, die das Leben von einem Moment auf den anderen plötzlich ändert. In zugleich sinnlicher als auch analytischer Sprache erzählt Lukas Bärfuss von Menschen, die aus den Routinen des Alltags herausgerissen werden und spürt dabei den Fragen nach, wie wir uns begegnen und nach welchen Vorlagen wir die Geschichten unserer Leidenschaften entwerfen. In zugleich sinnlicher wie analytischer Sprache gehen die Erzählungen Lukas Bärfuss‘ der Liebe und dem Begehren nach. Der erste Erzählband von Lukas Bärfuss!

Die Liebe und das Begehren in all ihren Spielarten sind die Fluchtpunkte in diesen Erzählungen von Lukas Bärfuss. Wie begegnen wir uns? Welche Sehnsüchte treiben uns um? Nach welchen Vorlagen entwerfen wir die Geschichten unserer Leidenschaften? Bärfuss zeichnet eine Kartographie der Passionen. Seine Geschichten handeln von Grenzerfahrungen, die wir mitten im Alltag machen können. Sie zeigen die Momente der Verwandlung.

Werke:
Die toten Männer. Novelle. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
Hundert Tage. Roman. Wallstein Verlag, Göttingen 2008
Koala. Roman. Wallstein, Göttingen 2014
Stil und Moral. Essays. Wallstein, Göttingen 2015
Hagard. Roman. Wallstein, Göttingen 2017
Krieg und Liebe. Essays. Wallstein, Göttingen 2018
Contact, gemeinsam mit Michael Günzburger, Edition Patrick Frey, Zürich 2018
Malinois. Erzählungen. Wallstein, Göttingen 2019

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Buchhandlung St. Johann und „Erlesen – Literaturtage im Saarland“.
Eintritt: 9,00 € / ermäßigt 5,00 €
Die Karten erhalten Sie in der Buchhandlung St. Johann, Kronenstraße 6, 66111 Saarbrücken, Tel.: 0681-95805464
oder über: buchhandlung.st.johann@t-online.de

Klaus Gietinger Film 3: Daheim sterben die Leut‘

Dienstag, 31. März 2020 / 20 Uhr
Kino achteinhalb / Nauwieserstr. 19 / 66111 Saarbrücken

Kultfilm über einen Allgäuer Rebell, BRD 1985, 95 Minuten

Der sture Bauer HANS ALLGEIER wehrt sich mit allen Mitteln gegen eine neue Fernwasserleitung des LANDRATS STROBEL, die ALLGEIERS Existenz gefährdet. Während sein SOHN nur Augen für eine schöne URLAUBERIN aus dem Norden hat, nutzt Bauer ALLGEIER die schwarze Magie des Gesundbeters GUGGEMOOS und richtet damit manches Unheil an. Mehrfach erscheint der TEUFEL. Am Schluss ist nichts mehr wie es war und das Ende der Tradition gekommen.

Mit: Walter Nuber, Luise Zodel, Norbert Hauber, Anni Rapps, Jockel Tschiersch, Heribert Weber, Leo Hiemer u. v. a.
Buch und Regie: Klaus Gietinger/Leo Hiemer; Kamera: Marian Czura; Ton: Kurt Eggmann;
Produktion: WAF; Förderung: Kuratorium Junger Deutscher Film; Fernsehen: Abgelehnt; Prädikat: Wertvoll; nominiert zum Deutschen Filmpreis 1986; Goldenes Einhorn Alpinale 1985;  Goldene Filmspule der Linse Weingarten.

„Das Allgäu liegt näher als man denkt” Göttinger Tageblatt vom 8.5.1985.
„Ein nach allen Regeln der Filmkunst gedrehtes Stück Regional-Kino” Der Spiegel vom 29.4.1985.
„Hintergründige Mixtur aus Politik, Sozialstruktur, Aberglauben, Alt-Bauern-Charme und freier Liebe” Münchner Abendzeitung vom 11.10.1985.
„Ein kaleidoskopartiger Film voll Skurrilität, Groteske und Bissigkeit. – Sehenswert” Katholischer Filmdienst vom 30.10.1985.
„Ein reines Vergnügen” Frankfurter Allgemeine Zeitung 1985.
„Hinreißende Komödie” Süddeutsche Zeitung vom 11.8.1988.
„One of the best regional films of the season” Variety (USA) vom 19.2.1986.
„…gegen Kirche, Staat und Autorität. In beleidigender Weise degoutant.” Aus der Ablehnungsbegründung der Filmförderungsanstalt (FFA) von 1983.
„Da sage noch einer, wir Deutschen könnten keine Komödien machen.” Der damalige Bundesinnenminister Zimmermann (CSU), in seiner Rede zur Verleihung des Deutschen Filmpreises 1986.
Durfte beim Max-Ophüls-Preis nur außer Konferenz laufen. Begründung des Leiters Albrecht Stubbi (1985): „Zu alt!“.

Eintritt: 5 Euro

 

Auftakt zum 6. Free Jazz Festival

19:00 Uhr
Politische Akademie der SDS / Europaallee 18 /66113 Saarbrücken

Vortrag von Ulrich Stock mit Musik & Gespräch: „Free Jazz als Soziale Plastik“

In den Anfängen des Free Jazz vor einem halben Jahrhundert ging es um das Brechen allzu starrer musikalischer Regeln. Das tönende Individuum wollte sich entfesseln. Das ist gelungen. Heute kann es deshalb um anderes gehen: frei zu sein für ein gemeinsames musikalisches Gestalten ohne Dominanz des Einzelnen. Auf diese Weise wird Improvisation zum gesellschaftlichen Modell, in welchem die Fähigkeit, andere Stimmen zu hören, aufzugreifen und sie zu feiern wichtiger wird als persönliches Nachvornedräng.

HUMANIZATION QUARTET feat. Rodrigo Amado

Das Humanization Quartett (Luis Lopes – E-gitarre; Rodrigo Amado – Tenor Saxophon; Aaron Gonzalez – Bass; Stefan Gonzalez – Schlagzeug) hat ein vielseitiges und energiegeladenes Repertoire, das von der einfachsten Melodie bis zum aggressivsten Noise, von der organischsten Improvisation bis hin zu gezielter Komposition reicht, und demonstriert in dieser Formation wie aus den frei und dynamisch interpretierten Wurzeln des Punk-Rock, Funk und Hard-Blues eine groovende improvisierte Musik entstehen kann.

Das Humanization Quartett wurde 2008 von den Portugiesen Luís Lopes und Rodrigo Amado mit den texanischen Brüdern Aaron und Stefan Gonzalez gegründet. Der aus dem Punkrock- und Blues-Hintergrund kommende Gitarrist Luis Lopes (*1971) absolvierte ein Jazzstudium in Lissabon und entdeckte zu dieser Zeit seine Liebe zur experimentellen Musik. Seit über zehn Jahren gibt er gefeierte Solokonzerte und veröffentlichte zahlreiche Tonträger mit namhaften Freejazzmusikern. Der Fotograf, Kolumnist und Clean Feed Records-Mitbegründer Rodrigo Amado (*1964) bereichert seit zwanzig Jahren durch sein virtuoses Spiel als Avantgarde-Jazz-Saxophonist in zahlreichen Formationen die internationale Musikszene. Die Söhne des renommierten Freejazz Trompeters Dennis Gonzalez sind auch musikalisch in der improvisierten Jazzmusik aufgewachsen. Der Bassist Aaron Gonzalez (*1980) und der Schlagzeuger Stefan Gonzalez (*1986) waren jedoch ständig bestrebt, musikalische Grenzen zu überschreiten und kombinierten die Jazzimprovisation in verschiedenen Gruppen u.a. mit Metal-, Hardcore- und progressiven und psychedelischen Rockelementen.

Der Referent Ulrich Stock ist Jazz-Reporter der der Chefredaktion bei DIE ZEIT. Über die Jahrzehnte widmete er sich Musikern wie Cecil Taylor, Irène Schweizer, Heiner Goebbels, Aki Takase, Christian Lillinger oder Anna-Lena Schnabel. Seit Sommer 2005 entwickelt er das multimediale Musikangebot der ZEIT ONLINE, das für den Grimme Online Award 2006 nominiert wurde. Auf ZEIT ONLINE schreibt er die Monatskolumne „Und jetzt Jazz!“, ein riesiger Fundus zu Jazzdenken, Jazzmachen, Jazzleben.

Kartenreservierung: stwi@freejazzsaar.de (Eintrittspreise: 13,- € / ermäßigt 8,- €)
Eine Kooperation mit dem Free Jazz Festival und der  Stiftung Demokratie Saar

Mehr Infos: www.freejazzsaar.de

 

Die Klimaschmutzlobby – Wie mächtige Netzwerke den Klimaschutz sabotieren

Montag, 6. April 2020 / 19.00 Uhr
Kino 8 1/2 / Nauwieserstr. 19 / 66111 Saarbrücken

 

Buchvorstellung mit Susanne Götze und Annika Joeres

Spätestens seit „Fridays for Future“ ist das Thema „Klimawandel“ als eines der dringlichsten Probleme unserer Zeit erkannt worden. Doch trotz eindeutiger Verpflichtungen zu den Zielen des Pariser Weltklimaabkommens sind wir weit davon entfernt, diese auch zu erreichen – warum?

Ihre Argumente sind krude, ihre Finanzen undurchsichtig, aber ihr Einfluss reicht bis in Regierungen. Klimawandelskeptiker und Lobbyisten der Fossilindustrie sind nicht nur in den USA aktiv, sondern auch in Europa. Ihr Ziel: Klimaschutzgesetze torpedieren, die Verbrennung fossiler Rohstoffe fördern und die Staaten dazu bewegen, aus dem Pariser Weltklimaabkommen auszusteigen. Dieses Buch zeigt, mit welchen Strategien, Netzwerken und Argumenten die Klimaschutz-Bremser gegen die europäische Klimaschutzpolitik kämpfen. Die Autorinnen erklären, warum Deutschland seine Klimaziele wirklich verfehlt und welche Interessengruppen unsere Zukunft verbauen. Ein erschütternder Bericht darüber, dass gutgemeinte Selbstverpflichtungen gar nichts bringen und ein Weckruf: Wir brauchen eine starke Klimapolitik!

Susanne Götze ist promovierte Historikerin und passionierte Journalistin. Sie arbeitet als Radiojournalistin für den Deutschlandfunk und schreibt u.a. für die Frankfurter Rundschau, zeitonline, Spiegelonline, National Geographic und Cicero über Klimawandel, Energiewende und was das alles für unser Zusammenleben bedeutet.

Annika Joeres arbeitet in Frankreich für die Investigativ-Redaktion correctiv.org und verschiedene deutsche Medien wie der Zeit. Sie ist spezialisiert auf grenzüberschreitende Recherchen zu Europa, Frankreich und Klimawandel und wurde für ihre Recherchen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Susanne Götze, Annika Joeres:
Die Klimaschmutzlobby – Wie Politiker und Wirtschaftslenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen
Piper Verlag, München April 2020

Eine Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung Saar.

 

 

Klaus Gietinger Film 4: Schön war die Zeit

Donnerstag, 16. April 2020 / 20 Uhr
Kino achteinhalb / Nauwieserstr. 19 / 66111 Saarbrücken

Spielfilm über den Wiederaufstieg eines Naziregisseurs und den Untergang des Provinzkinos, BRD 1988, 101 Minuten

Ein Filmvorführer in der Provinz und ein Nazi-Filmregisseur in der Stadt. Ihre Geschichte von 1945-1962. Während der eine wieder Karriere macht, erlebt der andere den Untergang des Kinos. Das Fernsehen schafft schließlich beide. Kameramann Bauer ist der Dritte. Das Lachen ist ihm jedoch vergangen.

Mit: Gottfried John, Edgar Selge, Ottfried Fischer, Eva Blasczyk, Joachim Bernhard, Christian Hoening, Jessica Kosmalla, Jockel Tschiersch u. v. a.
Buch: Klaus Gietinger, Regie: Klaus Gietinger und Leo Hiemer;
Kamera: Marian Czura; Ton: Kurt Eggmann; Ausstattung: Anna Prankl; Licht: Holly Fink.
Produktion: WAF, SR, Maran-Film, Bob-Arnold-Film. Förderung: FFA, Bayern, MFG, BMI; Prädikat: Wertvoll! Preis der Filmjury des A-Festivals in Gijon, Spanien

„Ein Film der das Unterhaltsame nie über dem authentisch Rekonstruierten übersieht.” Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.11.1988.
„Es würde mich nicht wundern, wenn ein Kinogeher demnächst mit dem nassen Schwamm auf die Leinwand zielen würde.” Die Zeit, irgendwann im November 1988.
„Eine Parabel über den Willen zur Vergeßlichkeit, die an Dichte und Einfallsreichtum ihresgleichen suchen könnte.” Frankfurter Rundschau vom 24.11.1988.

Eintritt: 5 Euro