Heinrich-Böll-Stiftung Saar – die grüne politische Landesstiftung

Die folgenden Seiten unserer Homepage stellen unsere Arbeit vor, geben Hinweise zu unseren aktuellen Veranstaltungen, enthalten spannende Vorträge.
Außerdem finden Sie hier Fotos unserer Veranstaltungen und interessante Links zu grünennahen und anderen Institutionen.
Gerne können sie uns auch Ihre Anregungen, Kritik, aber auch Lob zusenden.
Eine informative Lektüre wünscht Ihnen Ihre Heinrich-Böll-Stiftung Saar.

Jüdische Filmtage vom 7.-13. November 2022

In Zusammenarbeit mit der Synagogengemeinde Saar veranstaltet das Kino achteinhalb seit 2009 „Jüdische Filmtage“ in Saarbrücken.

Wir zeigen Spiel- und Dokumentarfilme aus verschiedenen Ländern, die uns Einblick in die unterschiedlichen jüdischen Lebenswelten verschaffen. Wir suchen Filme aus, die zuvor nicht im Saarland gelaufen sind und oft keinen Verleih in Deutschland haben. Sie hinterfragen die jüdische Identität, zeigen Widersprüche in der israelischen Gesellschaft auf, setzen sich mit jüdischer Religion und Tradition auseinander und kommen Antisemitismus auf die Spur.

Wir laden nach Saarbrücken auch gerne Gäste ein, Fachspezialisten und Filmschaffende, um durch Diskussionen mit dem Publikum Filmerlebnisse zu vertiefen und eine direkte Begegnung und Dialog zu ermöglichen. Oft werden die Filmvorführungen durch Vorträge, Konzerte und Kostproben der jüdischen Küche ergänzt.

Der Flyer der Filmreihe zum Download und das komplette Programm auf der Website des Kino 8 1/2

Filmreihe: Neue polnische Filme

Filmszene OTHER PEOPLE

Das Kino achteinhalb präsentiert in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung Saar und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saar seit 2013 jährlich fünf bis sieben aktuelle und gesellschaftlich relevante Filmproduktionen aus Polen.

Die Filme des östlichen Nachbarlandes gewannen in den letzten Jahren mehrere internationale Preise und sorgten oft mit Themen wie Migration, Situation der Frauen, Einflussnahme der katholischen Kirche oder kritische Aufarbeitung der Geschichte für kontroverse Diskussionen in Polen. Die Filme finden meistens kein deutsches Publikum, weil sie oft keinen regulären Kinoverleih in Deutschland haben.

Die Vorstellungen in unserem Kino werden oft von namhaften Regisseur*innen und Schauspieler*innen aus Polen begleitet. Dadurch bekommt das Publikum einen unverfälschten Einblick jenseits der medialen Berichterstattung in die Situation in Polen.

Die Reihe „Neue Polnische Filme“ ist eine gemeinsame Kooperation von Kino 8 1/2, Heinrich-Böll-Stiftung Saar, Deutsch-Polnische Gesellschaft Saar, Staatskanzlei des Saarlandes, LH Saarbrücken Stadtrat Mitte, Arbeit und Kultur Saarland GmbH, VHS des Regionalverbandes, Saarland Sporttoto, Union Stiftung, Arbeitskammer des Saarlandes, Polnisches Institut Berlin, Polnisches Institut Düsseldorf.

Flyer der Filmreihe zum Download

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Lesung Max Annas: „Terminus Leipzig“

Im September starten wir unsere neue Veranstaltungsreihe „BÖLL au TERMINUS“ gemeinsam mit der Brasserie Terminus mit einer Lesung aus dem Buch „Terminus Leipzig“ von Max Annas.

Donnerstag, 22. September 2022 / 19:00 Uhr
Brasserie Terminus / Bleichstr. 32 /66111 Saarbrücken

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Stadtrundgänge „Juden in Saarbrücken bis 1940“

Sonntag, den 8.Mai 2021 / 14:00 Uhr
Sonntag, den 9.Oktober 2021 / 14:00 Uhr

Silhouette Saarbrücken mit Synagoge

Ein Stadtrundgang zu Orten ihres Wirkens
mit Marcel Wainstock

Mit der allgemeinen demografischen und wirtschaftlichen Expansion Saarbrückens am Ende des 19. Jahrhunderts und bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wuchs auch die hiesige jüdische Gemeinde, deren Mitglieder einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung und dem Wohlergehen der Stadt hatten.

Abgesehen davon, dass es in dieser Zeit ein blühendes jüdisches Gemeindeleben gab, haben viele erfolgreiche jüdische Kaufmannsfamilien wie z.B. die Inhaber des 1865 gegründeten Kaufhauses E. Weil Söhne, zum Glanz der neu entstandenen Bahnhofstraße beigetragen.

Zahlreiche Juden waren als renommierte Ärzte und Ärztinnen sowie als Rechtsanwälte in unserer Stadt tätig. Auch das damalige Stadttheater zählte einige jüdische Mitarbeiter als leitende Angestellte, Musiker oder Schauspieler. Und nicht zuletzt führte der unermüdliche Einsatz von Rabbiner Dr. Rülf und seinen Mitstreitern zum „Römischen Abkommen“, das es nach der Angliederung des Saargebiets an das nationalsozialistisch regierte Reich Juden und nichtjüdischen Regimegegnern ermöglichte, nach der Saarabstimmung ein Jahr lang das Land unter Mitnahme ihres Eigentums unbehelligt zu verlassen.

Während des Rundgangs lernen wir die Geschichte der Saarbrücker jüdischen Vorkriegsgemeinde und ihrer Synagoge in ihrer Blütezeit kennen, aber auch die Phasen ihres durch die NS-Verfolgungen bedingten Niedergangs bis zu ihrer Auflösung.

Marcel Wainstock war langjähriger Geschäftsführer der Synagogengemeinde Saar und gilt als profunder Kenner der jüdischen Geschichte an der Saar.

Die Treffpunkte werden nach Anmeldung bekannt gegeben, eine Anmeldung ist erforderlich unter: boell.stiftung@t-online.de Tel.: 0681 / 58 35 60
Sollte wider Erwarten am Tag des Stadtrundgangs ein „verkaufsoffener Sonntag“ in der Innenstadt stattfinden, behalten wir uns eine Verschiebung des Stadtrundgangs vor.

Flyer zum Download

Die kleineren Saarparteien – Polittalk Live und Online

Montag, 21. März 2022 / 18:00 Uhr
Großer Saal der Arbeitskammer / Fritz-Dobisch-Straße 6-8 / 66111 Saarbrücken

Polittalk im Vorfeld der Wahlen zum Saarländischen Landtag am 27. März 2022 mit den Spitzenkandidat*innen der kleineren Parteien.

– Lisa Becker, Die Grünen Saar
– Angelika Hießerich-Peter, FDP Saar
– Werner Ried, bunt.saar
– Barbara Spaniol, Die Linke Saar

Livestream: https://www.youtube.com/watch?v=jnQuMix3TD0

Moderator*innen:
– Toni Koch, Ex-Deutschlandradio
– Christoph Schmidt-Lunau, taz

Einführende Worte:
Michael Quetting, Vors. Peter Imandt Geselschaft/Rosa Luxemburg Stiftung-Saar

Großer Saal der Arbeitskammer
Fritz-Dobisch-Straße 6-8
66111 Saarbrücken und per Livestream via Youtube und Facebook.
Da die Plätze begrenzt sind (3G-Regel), bitten wir um Anmeldung per E-Mail: Imandt@web.de
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Peter Imandt Gesellschaft / Rosa Luxemburg Stiftung Saarland

Neue Ausgabe der Saarbrücker Hefte #124

Die Saarbrücher Hefte #124 mit einem Kommentar von Erich Später, Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung Saar. Das Editorial fasst den Artikel zusammen: „Das öffentliche Bild Saarbrückens ist ohnehin schon genug von Krieg, Soldaten und Generälen geprägt. Unser Autor Erich Später kommentiert den Bericht der Straßennamenkommission des Bezirks Mitte und fordert, endlich des antifaschistischen Widerstands im Saarland der Jahre 1935 bis 1945 in würdiger Form zu gedenken. Genau das Gegenteil hat der Saarbrücker Stadtrat im Jahr 1956 getan. Wir veröffentlichen als historisches Dokument das Protokoll der Stadtratssitzung von 26. September 1956. Die Folgen dieser Sitzung beschäftigen uns bis heute.“

Die Ausgabe ist erhältlich im gut sortierten Buchhandel oder über die Website

Stadtrundgänge in Saarbrücken mit Marcel Wainstock

„Saarbrücken schwul-lesbisch 1960 – 2021“

Samstag, den 9.10.2021 / 14:00 Uhr
Samstag, den 23.10.2021 / 14:00 Uhr

„Juden in Saarbrücken bis 1940“

Sonntag, den 17.10.2021 / 14:00 Uhr
Sonntag, den 31.10.2021 / 14:00 Uhr

Die Treffpunkte werden nach Anmeldung bekannt gegeben, eine Anmeldung ist erforderlich unter:
boell.stiftung@t-online.de
Tel.: 0681 / 58 35 60


Saarbrücken schwul-lesbisch 1960 – 2021

Ein Stadtrundgang auf den Spuren der gleichgeschlechtlichen Subkulturen in der Saarbrücker City

Nachdem der § 175 des Strafgesetzbuches, der zuvor sexuelle Handlungen zwischen zwei Personen männlichen Geschlechts kriminalisierte, mit Wirkung zum 1. September 1969 teilweise reformiert worden war, bildete sich ab 1970 Deutschlandweit – auch im Saarland – eine sozial und politisch motivierte Schwulenbewegung, der sich zeitweise auch emanzipatorisch engagierte Lesben anschlossen.

Die ersatzlose Aufhebung des Paragrafen, die dann (erst!) 1994 erfolgte und zahlreiche weitere seitdem errungene Entwicklungen in Richtung einer Verbesserung der rechtlichen und gesellschaftlichen Situation gleichgeschlechtlich liebender Menschen wie z.B. die „Ehe für Alle“ sind letztlich ein Ergebnis des langjährigen beharrlichen Engagements dieser Aktionsgruppen und ihrer Initiativen. Was selbst vielen Lesben und Schwulen heute als selbstverständlich erscheinen mag, hat in Wirklichkeit eine lange und mühsame Vorgeschichte.

Während unseres Rundgangs zu aktuellen Standorten und ehemaligen Treffpunkten der lesbischen und der homosexuellen Szene in Saarbrücken erhalten Sie einen Überblick über die vielfältigen Themen und unterschiedlichen Ereignisse, die die hiesige LSBTIQ+ Community in den letzten Jahrzehnten beschäftigt, beeinflusst und geprägt haben.

Außer einigen einschlägigen ehemaligen Kneipen, Bars und Diskotheken sowie heutigen Lokalen werden unter anderem der LSVD-Checkpoint, die Frauen-Gender-Bibliothek, sowie die Aidshilfe Saar vorgestellt.

Spezifische Themen und Begriffe wie z. B. „Subkultur“, „CSD“ oder „Transgender“ und viele weitere werden im Verlauf des Spaziergangs angesprochen und erklärt.

Juden in Saarbrücken bis 1940

Ein Stadtrundgang zu Orten ihres Wirkens

Mit der allgemeinen demografischen und wirtschaftlichen Expansion Saarbrückens am Ende des 19. Jahrhunderts und bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wuchs auch die hiesige jüdische Gemeinde, deren Mitglieder einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung und dem Wohlergehen der Stadt hatten.

Abgesehen davon, dass es in dieser Zeit ein blühendes jüdisches Gemeindeleben gab, haben viele erfolgreiche jüdische Kaufmannsfamilien wie z.B. die Inhaber des 1865 gegründeten Kaufhauses E. Weil Söhne, zum Glanz der neu entstandenen Bahnhofstraße beigetragen.

Zahlreiche Juden waren als renommierte Ärzte und Ärztinnen sowie als Rechtsanwälte in unserer Stadt tätig. Auch das damalige Stadttheater zählte einige jüdische Mitarbeiter als leitende Angestellte, Musiker oder Schauspieler. Und nicht zuletzt führte der unermüdliche Einsatz von Rabbiner Dr. Rülf und seinen Mitstreitern zum „Römischen Abkommen“, das es nach der Angliederung des Saargebiets an das nationalsozialistisch regierte Reich Juden und nichtjüdischen Regimegegnern ermöglichte, nach der Saarabstimmung ein Jahr lang das Land unter Mitnahme ihres Eigentums unbehelligt zu verlassen.

Während des Rundgangs lernen wir die Geschichte der Saarbrücker jüdischen Vorkriegsgemeinde und ihrer Synagoge in ihrer Blütezeit kennen, aber auch die Phasen ihres durch die NS-Verfolgungen bedingten Niedergangs bis zu ihrer Auflösung.

Flyer zum Download

Ein Brief des Saarbrücker Oberbürgermeisters Uwe Conradt an die Heinrich Böll Stiftung Saar

Anlässlich einer Solidaritätskundgebung für Israel am 21.05.2021 trat auch Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) als Redner auf. Die Heinrich Böll Stiftung Saar nahm den geplanten Auftritt zum Anlass, in einer Erklärung (1) darauf hinzuweisen, dass sich die Solidarität mit Jüdinnen und Juden und die gleichzeitige öffentliche Ehrung von Antisemiten und Nazis durch Straßennamen und andere Monumente ausschließt. Oberbürgermeister Conradt nahm unsere Forderungen zum Anlass uns einen empörten Brief zu schreiben.

Diesen Brief machen wir hier der interessierten Öffentlichkeit zugänglich (2).

Für den Oberbürgermeister einer Landeshauptstadt müsste es selbstverständlich sein, so unserer Geschäftsführer Erich Später, diejenigen zu ehren, die ihr Leben für Demokratie und Menschenwürde eingesetzt haben. Schließlich hätte auch die CDU-Saar mit dem Erbe der Christlichen Volkspartei (CVP) von Johannes Hoffmann eine antifaschistische Tradition, auf die sie stolz sein könnte. Kein Wort verliert Conradt darüber, dass die Ehrung von Nazis und die Austilgung der antifaschistischen Erinnerungskultur von seiner CDU im Bündnis mit der DPS (Vorläuferpartei der FDP) 1956/57 durchgesetzt wurde. Auch wenn diese Entscheidungen lange vor seinem politischen Engagement getroffen wurden, kann sich OB Conradt nicht auf die „Gnade der späten Geburt“ zurückziehen; er war auch vor seiner Wahl als OB schon politisch verantwortlich.Als Mitglied des Stadtrates verweigerten er und seine CDU-Fraktion Max Braun, dem Anführer der saarländischen Antifaschisten bis 1935, die posthume Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Saarbrücken. Vor der Abstimmung verließen Conradt und die gesamte CDU-Fraktion geschlossen die Sitzung des Saarbrücker Stadtrates am 08.12.2015. Für Conradt und Kollegen war es auch 60 Jahre nach der Auslöschung der Erinnerung an Max Braun aus dem Saarbrücker Stadtbild, immer noch keine Selbstverständlichkeit ihn als Persönlichkeit, die stellvertretend für das demokratische und antifaschistische Saarland steht, zu ehren. Dabei ist Max Braun auch das Symbol für die entschlossene Verteidigung der jüdischen SaarländerInnen gegen den Vernichtungsantisemitismus der NSDAP. Zu deren Aktivisten gehörten, neben vielen anderen CDU-Funktionären der Nachkriegszeit, auch die späteren CDU-Ministerpräsidenten Egon Reinert und Franz Josef Röder.

(1) Die Erklärung als PDF zum Download
(2) Der Brief von OB Uwe Conradt als PDF zum Download

Saarbrücker Hefte #123

Die 123. Ausgabe der Saarbrücker Hefte ist erschienen!
Wir veröffentlichen hier das Editorial als Überblick über die Themen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
There‘s life in the old dog yet – so klingt es auf Englisch, wenn die Rede ist von den Totgesagten, die länger leben. Beide Sprichwörter beschreiben zutreffend den momentanen Zustand der Saarbrücker Hefte. Wie Sie bereits wissen, haben im Jahr 2020 der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt und die Stadtratskoalition aus CDU, Grünen und FDP die städtische Förderung der Saarbrücker Hefte eingestellt.
Die ominösen Pläne für ein Gutachten, das nach 65 Jahren klären sollte, ob die Hefte überhaupt zur Kultur gehören und aus dem Kulturetat der Stadt gefördert werden können, haben sich in Luft aufgelöst. Tatsächlich hatte Torsten Reif, der bei der Wahl am 8. Juni 2021 gescheiterte Grünen-Kandidat für das Amt des Kulturdezernenten der Landeshauptstadt, im Frühjahr 2021 signalisiert, dass ein Weg gefunden würde, den Druckkostenzuschuss für die Hefte in Höhe von 10 000 Euro zumindest für ein weiteres Jahr zu übernehmen. Nichts da. Stattdessen haben die Grünen bereits zweimal gegen die Unterstützung der Saarbrücker Hefte aus dem städtischen Etat gestimmt und gemeinsam mit CDU und FDP beschlossen, ein stadteigenes Amtsblatt für 180.000 Euro im Jahr zu finanzieren. Mit diesem Geld wäre die Existenz der Saarbrücker Hefte für weitere 18 Jahre gesichert. Ist sie leider nicht. So bleiben die LeserInnen der Saarbrücker Hefte die wichtigste Stütze der Zeitschrift. Ein Abonnement oder eine Spende für eine informative und anregende Lektüre – so erhalten Sie unabhängigen Journalismus.
In der 123. Ausgabe der Saarbrücker Hefte widmet sich unser Redakteur Wilfried Voigt dem sich zuspitzenden Konflikt bei den Grünen an der Saar. Im Mittelpunkt der parteiinternen Auseinandersetzungen steht – wieder
einmal – Hubert Ulrich, der seit 30 Jahren die Partei dominiert. Im Gespräch mit den Saarbrücker Heften greift ihn Grünen-Vorstandsmitglied Marita Mayers scharf an. Sie wirft ihm »strukturelle und soziale Gewalt« gegen einzelne
Personen und kleine Gruppen in der Partei vor. Kritik gibt es auch vom Bundesvorstand. Der erwartet von den Saar-Grünen, wie ein Sprecher gegenüber den Heften erklärte, dass sie »bei den kommenden Listenaufstellungen« endlich das Frauenstatut umsetzen und beanstandet, dass die Mitgliedsbeiträge im bundesweiten Vergleich viel zu gering seien.
Im Fall des durch einen rassistischen Brandanschlag 1991 in Saarlouis ermordeten Samuel Kofi Yeboah, mit dem wir uns im Heft 122 ausführlich beschäftigt haben, gibt es endlich ernsthafte Ermittlungen und einen Tatverdächtigen. Auch die Stadt hat die neonazistischen Gründe der Tat anerkannt. Von Saarlouis nach Saarbrücken. Hier hat der Oberbürgermeister Uwe Conradt einen Feldzug gegen Aufkleber auf Laternen und Stromkasten gestartet. Darüber haben sich Laura Weidig und Dennis Kundruz Gedanken gemacht und fragen »Wem gehört die Stadt?«
Das Saarland und seine Landeshauptstadt sind in vielem einmalig – das verkünden oft die Landesregierung und ihre PR-Strategen. Das stimmt. Es gibt kein zweites Bundesland, das keinen Botanischen Garten hat. Der 1952 gegründete Jardin Botanique de la Sarre wurde vor fünf Jahren trotz bundesweiter Proteste geschlossen. Einmalig ist vermutlich auch, dass sich die einzige Ausländerbehörde im Land nicht mehr in der Landeshauptstadt befindet, sondern in die schwer erreichbare saarländische Provinz verlegt wurde. Die Hefte beschreiben die fatalen Abläufe und ihre Folgen für die SaarländerInnen.
Unser Autor Erich Später widmet sich dem langjährigen Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Erfinder des Sportachtels im Saarland Hermann Neuberger. Wieso wird dieser Mann, dem die gute Laune bei einem Fußballfreundschaftsspiel wichtiger war als das Leben der damals 30-jährigen Elisabeth Käsemann, deren mögliche Rettung aus der Folterkammer der argentinischen Militärjunta er verweigerte, im Saarland geehrt? Er ist Namensgeber diverser Preise, Straßen, Turnhallen, einer Sportschule und sogar einer Gesamtschule in seiner Geburtsstadt Völklingen.
Von Völklingen aus über Wehrden in den Warndt führt uns diesmal unser »Lokalredakteur« Ekkehart Schmidt. Er beschreibt, wie die aufgesuchten Lokale die Pandemie überstanden haben. Oder auch nicht. Wir decken auf, ob sich das Lokal »Zum Kraftwerk« bald in »Zum Amazon-Verteilzentrum« umbenennen wird, folgen ihm morgens in eine vermutete »rotlichtige Spelunke « und entdecken in einem anderen Lokal das Originalgraffiti aus dem Jahr 1793 »Vive la République«. Es war das nach 1945 entstandene autonome Saarland, das überlebenden Juden das Angebot und Mut machte, in diesem Land eine alte oder neue Heimat zu finden. Bereits 1951 wurde die neu erbaute Synagoge  eingeweiht. Dies war der erste Neubau einer Synagoge im deutschsprachigen Raum nach der Shoah. Laura Weidig beschreibt Stationen aus der Geschichte der Synagogengemeinde bis in die Gegenwart.
Unser Autor Ralph Schock erinnert an den vor 50 Jahren in Saarbrücken abgehaltenen NS-Prozess gegen den KZ-Kommandanten Fritz Gebauer wegen mehrfachen Mords. Und Oliver Siebisch rekonstruiert den gegen den Jazzpionier Eric Borchard vor 90 Jahren vor dem Landgericht Saarbrücken geführten Prozess wegen fahrlässiger Tötung. Sie dürfen raten, wer von den beiden seine Strafe im Gefängnis absitzen musste.
Die Galerie in diesem Heft gehört einem Künstler der besonderen Art – Volker Schütz. Besonders beliebt ist er durch seine Serie der zaubervollen Pilze geworden, die plötzlich in den Wäldern erschienen, nachdem der Künstler dort seine Sporen hinterlassen hatte. Was er mit seiner Körperteilverlängerungsmaschine angestellt hat und in welcher Form sich auch ein Virus in seinem Atelier ausbreitet, sehen sie ab Seite 76.
Um auf die Lebensweisheiten vom Anfang des Textes zurückzukommen: Wir planen weiter. Die nächste Ausgabe der Saarbrücker Hefte möchten wir vor Weihnachten dieses Jahres herausbringen. Für Ihre Unterstützung, Ihren Zuspruch und Ihre Kritik danke ich Ihnen im Namen der Redaktion.
Sadija Kavgić

Mehr Informationen und Bestellung über https://saarbrücker-hefte.de/

Filmreihe zum Thema Rassismus

Vom 9. Juni – 21. Juli zeigt das Kino 8 1/2 eine neue Filmreihe, die sich mit alltäglichen Manifestationen des Rassismus in der modernen westlichen demokratischen Gesellschaft beschäftigen. Sie behandelt dabei Probleme des Alltagsrassismus, institutionellen Rassismus und den (Post)Kolonialismus und dessen Bezug auf das kulturelle Erbe der ehemals kolonisierten Völker. Weitere Themen sind der Lebensalltag, die Selbstwahrnehmung, die Bildung der eigenen Identität und die geistige Gesundheit der diskriminierten Menschen sowie die fehlende Chancengleichheit in der Gesellschaft. Außerdem behandelt die Reihe die Grenzlinien zwischen dem Recht auf Meinungs- und Redefreiheit und offener Fremdenfeindlichkeit in einer Gesellschaft, die Wert auf Toleranz legt. Die Reihe besteht aus jeweils drei Dokumentar- und Spielfilmvorstellungen, mit Filmen, die größtenteils in den letzten Jahren entstanden sind. Ausnahmen bilden zwei Dokumentarfilmprogramme, die neue und historische Mittellangfilme nebeneinanderstellen und die Korrelation zwischen den Zuständen in der (post)kolonialen Gesellschaft der letzten 70 Jahre schildern. Bei der Filmauswahl handelt es sich um eine Reihe an Produktionen unterschiedlicher Art, von akademischen Essayfilmen und Fernsehproduktionen bis zu einem Oscar-Gewinner. Jede Filmvorstellung der Reihe wird von einer thematisch relevanten Einführung begleitet, bei einigen wird es Möglichkeit zur Diskussion, u.a. mit einem der Filmemachenden, geben.

Die Reihe findet in Zusammenarbeit mit dem Kino Achteinhalb statt, der Fakultät für Sozialwissenschaften der HTW Saar, dem Antidiskriminierungsforum Saar, dem Lehrstuhl für Romanische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation, dem Lehrstuhl für Nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften der Universität des Saarlandes, dem VHS Regionalverband Saarbrücken, dem Haus Afrika e. V., und der Partnerschaft für Demokratie der Landeshauptstadt Saarbrücken gefördert durch das Bundesprogramm »Demokratie leben!« des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend statt.

Infos zu den aktuellen Corona-Schutzmassnahmen im Kino finden Sie hier: https://www.kinoachteinhalb.de/aktuelles/2021-05-31/informationen-zum-aktuellen-kinobesuch